Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
469
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Vierte

Verfolgten wie er ſich nannte aufgetragene Botſchaft mitzutheilen, Graf. Der Mann, welcher den Wagen fuhr, der weiß, daß die Waldcapelle keine Hölle iſt, fordert, daß Sie morgen um Mitter⸗ nacht mit ihm bei dem Meilenzeiger am Tannenwalde zuſammentreffen!

Teufel, was iſt das! ſchrie Oldersloo, die ge I

ballte Hand erhebend.Es iſt ein Complot von

Schurken gebildet, das geſchworen hat, mich zu Grunde ein Fremdenzimmer, darf ich fragen? Der Mann wird Ihnen Auskunft geben, daß antwortete

zu richten.

ich nicht zu dieſem Complot gehöre, Tonno kalt.Er fordert hundert Thaler, die Hälfte in Zweigroſchenſtücken. Leben Sie wohl!

Tonno ging raſch zum Zimmer hinaus.

Eiine nüchtliche Ueberraſchung.

All the story of the night told over More witnesseth than fancy's image And grows to something of great constancy.

Shakespeare.

Zitternd, halb ohnmächtig ſtand Livia dem Gra⸗ fen gegenüber. Oldersloo ſchien ganz unbeweglich geworden zu ſein. Er lauſchte, als draußen das Ge⸗ heul der Hunde das Zeichen gab, daß Tonno den Schloßhof überſchreite. Die zuletzt empfangene Bot⸗ ſchaft ließ ihn augenſcheinlich die Anweſenheit des Mädchens ganz vergeſſen. Endlich blieb er, nachdem er lange unruhig hin⸗ und hergegangen war, vor Li⸗ via ſtehen.

Wie heißen Sie, Mamſell? fuhr er ſie an.

Livia! antwortete das Mädchen mit einer vor verhaltenen Thränen faſt erſtickten Stimme.

Der Name gefällt mir nicht! Wählen Sie einen andern!

Wie könnte ich, gnädiger Herr...

Ich habe geſagt, was ich wünſche. Hier giebt es keinen Widerſpruch, wenn ich befehle merken Sie das. wegen Julie heißen!

Ja, Herr Graf!

Ihr Familienname lautet?

Ich habe keinen Familiennamen; kenne ihn wenigſtens nicht.

Hat Ihnen Tonno nichts über Ihre Herkunft mitgetheilt?

Nein!

Gar nichts? Auch keine Andeutungen?

Nichts, Herr Graf!

Oldersloo ſeufzte unwillkürlich auf.

Sie werden hier Mamſell Tonno genannt werden.

Livia verbeugte ſich.

Sie werden ſich morgen früh, bevor Sie ſich

Verſtanden?

Auf dieſem Schloſſe werden Sie meinet⸗

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bei der Frau Gräfin melden laſſen, bei mir einfinden, um Ihre Inſtruction zu empfangen. Damit ſind Sie entlaſſen!

Livia ſah ſich angſtvoll nach der Thür um.

Schellen Sie, Mamſell Tonno!

Der Kammerdiener trat ein.

Frederic, laſſen Sie Mamſell Tonno von der Hausmeiſterin ein Zimmer anweiſen.

Gnädiger Herr, in welchem Flügel... Und

Der Graf ſchien unſchlüſſig.

Ein Fremdenzimmer, ſagte er endlich.Grä⸗ fin Georgina hat ihr Cabinet parkwärts aufgegeben, glaube ich. Dorthin alſo! Fort! Ich bin müde!

Frederic warf einen raſchen Blick auf das Mäd⸗ chen, dann auf die auf dem Stuhle liegenden Effec⸗ ten, packte raſch und geſchickt Alles zuſammen und verließ das Zimmer des Grafen.

Nehmen Sie eine Kerze, Mamſell, ſagte der Diener, als ſie im Vorzimmer angekommen waren. Sie ſehen, ich habe alle zehn Finger voll. Und raſch, wenn ich bitten darf. Ich werde ſonſt wahrlich vor Sonnenaufgang nicht zur Ruhe kommen.

Eine lange Wanderung begann über endloſe Corridore, Treppen niederwärts, aufwärts durch Binnenhöfe, bis der Weg in den Park führte, deſſen gewaltige Cederngruppen dicht an einem einſtoͤckigen Flügel des Schloſſes ſich erhoben. Ueber eine breite Freitreppe ging's durch mächtige Glasflügelthüren in einen kleinen Saal, deſſen prachtvolle Decoration ſelbſt bei dem dämmerigen Scheine der Wachskerze zu erkennen war.

Hier ſind Sie zu Hauſe, Mamſell, ſagte Fre⸗ deric, ſeine Laſt auf den Tiſch legend.Drüben iſt Ihr Schlafcabinet. Der Wein wächſt Ihnen in's Fen⸗ ſter herein. Alles neu gemalt, für die Gräfin Geor⸗ gina ſelbſt hergeſtellt. Was ſagen Sie, geehrte Mamſell?.

Frederic, ein ſtattlicher Burſche, hatte die Ent deckung gemacht, daß dieMamſell außerordentlich ſchön ſei und daher immerhin eine herablaſſende Be⸗ rückſichtigung verdiene.

Soll ich die Hausmeiſterin rufen, Mamſell? Oder glauben Sie, auch ohne die edle Dame zu ſtöͤ ren, das Mal allein fertig werden zu können?

Ich bedarf keiner Bedienung, ſagte Livia leiſe.

Gut! Soll ich Ihnen behülflich ſein, Mamſell?

Ich danke! Verlaſſen Sie mich!*

Sehr zu Befehl, Mamſell! Bon soir, à- servoir!

O'uest-ce que c'est? fragte Livia unwillkürlich.

A réservoir! Wer parliren kann, verſteht das!

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