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„Als Gräfin! Tonno,— ich habe eine Ahnung, daß Ihr Geiſt ſich in verzweifeltem Zuſtande be⸗ findet.“—
„Verrückt! Warum ſagen Sie das nicht, Olders⸗ loo? Dann ſind wir ja plötzlich mit einander im Kla⸗ ren! Ein verrückter Bettelmuſikant geigt Ihnen ſeine verrückten Ideen vor und Sie laſſen ihn edelmüthig in irgend eines der philanthropiſchen Privatinſtitute bringen, wo die Gehirnnerven nach der Norma, dem Winkelhaken, adjuſtirt werden.“
„Tonno! Ich empfinde das tiefſte Mitleid für Sie...
„Wirklich? So Gott mir helfe, ich wünſche das, Oldersloo! Dann kann ſich Alles noch, wenn nicht zum Guten, doch zum Erträglichen wenden! Aber Sie lügen wie ein Graf!“
„Menſch, dieſe entwürdigende Scene hat nur zu lange gewährt“— ſagte Oldersloo kalt und trat zur Seite, die Hand nach dem Klingelzuge ausſtreckend.
„Nicht wahr, Graf, ſpüren Sie den Beſenſtiel?“ ſagte Tonno heiſer lachend.
„Was?“
„Es iſt italieniſcher Brauch, ſeine Feinde zuerſt mit Höflichkeit, dann mit dem Beſenſtiel zu bedie⸗ nen!“ erwiderte Tonno höhnend.„Das Schwert wird. gezückt, bevor es trifft. Und jetzt berührt meine Schwertſpitze Ihre Bruſt. Die Bettlerin, welche ich Ihnen brachte, das Kind, welches ich vor Ihnen und Ihren Spähern ſo erfolgreich verbarg— es iſt Ihre Tochter, Livia, Gräfin von Oldersloo und Moora!“
Der Graf blieb ſtarr und ſtumm ſtehen.
„Sie iſt die Tochter von Graf Herbert Olders⸗ loo und der Verſchollenen! Nicht wahr, die Ver⸗ rücktheit beſitzt ihren Klimax, und eben bin ich auf der Höhe desſelben angelangt. Ich bringe das Lamm in die Höhle des Tigers— ſimple Verrücktheit; ich erwarte, daß der Tiger das Lamm ſchone— Com⸗ parativ; daß er demſelben Freund ſei— Superlativ des Unſinns! Aber der Tiger liegt an meiner Kette; ich ſetze ihm meine Lanze in die Rippen und wenn er die Zähne zeigt, ſo reiße ich ihm den Kopf ab— acephalon que dedit, ſagt der Dichter! Graf Olders⸗ loo, wollen Sie gehorchen oder nicht?“
Beide Männer ſtanden lange ſchweigend einan⸗ der gegenüber.
„Es iſt Mitternacht!“ ſagte endlich der Graf. „Sie werden morgen zu mir kommen...“
.„Wünſchen Sie nicht, daß ich jemals wieder hier erſcheine; denn, Graf Herbert, ich würde als Rächer kommen!“
„Wie wollen Sie mir beweiſen, daß Ihr Pflege⸗
kind meine Tochter iſt?“
Novellen⸗Zeitung.
„Wollen Sie in der That die finſteren Mächte heraufbeſchwören?“ fragte der Maeſtro.
„Geſtatten Sie mir: haben auch Sie die Abſicht, hier auf Oldersloo zu bleiben?“
„Ich?— Elender!“ murmelte Tonno.
Der Graf ging hin und her, als habe er nichts gehört.
„Schluß!“ ſagte er endlich kalt.„Sie bleibt hier!„Ich erwarte, daß ſie ſich ihren Verhältniſſen fügt— ich kann nichts daran ändern. Nur ſage ich Ihnen Eines— ich will mir lieber das Gehirn mit einer Priſe Pulver zerſprengen, als daß ich von Ih⸗ nen abhängig ſein ſoll. Merken Sie ſich das! Wol— len Sie eine Flaſche Wein trinken?— Wir ſind hoffentlich zu Ende mit unſeren Verhandlungen!“
„Gute Nacht!“ ſagte Tonno und wandte ſich zur Thür.„Livia iſt unter Ihrem Schutze— bewahren Sie das Kind wie Ihre Augen, Graf! Ich werde Sie nie beläſtigen, aber die rechtmäßige Erbin von Oldersloo, Gräfin Livia, wird eine gewaltige Hand zum Beiſtande haben, wenn ſie irgendwie bedroht ſein ſollte!— Livia! Livia!“
Das Mädchen trat geſenkten Hauptes ein.
„Carissimo mio Maestro!“ flüſterte ſie.
„Siehſt Du den Mann dort?“ fragte Tonno. „Es iſt der Graf von Oldersloo! Ihm haſt Du zu gehorchen. Gute Nacht, theuerſtes Weſen!“
„Herr Capellmeiſter! Ich muß mir jedenfalls noch nähere Aufſchlüſſe ausbitten. Wer übergab Ih⸗ nen dies Mädchen?“
„Verlangen Sie Lanzenſtöße, Graf?“ rief Tonno „Ihr Wille mag geſchehen.“
Ein langes, langes Schweigen herrſchte. Die
Augen des Grafen ſchienen wie gebannt auf Livia
zu ruhen.
„Ich laſſe Dich hier zurück, Kind!“ ſagte Tonno dann eilfertig.„Addio— Dio— Dio— Dio! Dio faccia, che tutto väãda bene! Gute Nacht!“
Er drückte dem Mädchen einen ſchmalen Papier⸗ ſtreifen mit ſeiner Adreſſe in die Haud. Dann zog er aus dem Querſacke ſeidene Kleider, feine Wäſche, Häubchen, Handſchuhe, einen Fächer hervor und legte die koſtbaren Gegenſtände ſammt ſeiner alten Geige auf einen Stuhl.
„Und hier iſt Deine Uhr,“ murmelte Tonno; „hier Deine Börſe und hier“— er gab Livia ein thalergroßes Medaillon—„das Bild Deiner ver⸗ ſchollenen Mutter. Nichts weiter! Auf Wieder⸗ ſehen!“
An der Thüre ſtehend ſtreckte Tonno gegen den Grafen die Hand aus.“
„Ihnen habe ich noch eine mir vorhin von einem
wild.
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