Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
467
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Vierte Folge. 467

Weil Sie mir gehorchen ſollen, Graf Olders⸗ loo! rief mit aufloderndem Zorne der Capellmeiſter.

Ein ſchreckliches Lächeln flog über die Züge des Grafen..

Und was befehlen Sie, Herr Capellmeiſter? fragte er mit einer Verbeugung.

Ich will, daß mein Pflegekink, Livia, hier im Schloſſe Aufnahme finde.

Kurz, Herr Tonno ich geſtehe das defini⸗ tiv zu.

Sie ſoll mit aller der Rückſicht behandelt wer⸗ den, welche ihrem edlen Gemüth und ünhren brillan⸗ ten Talenten angemeſſen iſt!

Ohne Zweifel! Haben Sie noch weitere For⸗ derungen zu ſtellen?

Ja! Das Kind iſt in Armuth und Entbehrung von mir aufgezogen worden...

Das iſt Ihre Schuld, nicht die meinige! ſagte der Graf, verachtend die Achſeln zuckend.Ein ſo hochbegabter Menſch, gleich Ihnen, konnte ſich, wo es auch war, eine glänzende Stellung ſchaffen, wenn der Wille und die Kraft des Charakters vorhanden waren!

Non è mia colpa, Signore! ſagte Tonno dumpf.Es iſt Ihre Schuld, die Folge Ihrer Schuld wenigſteus. Seit ich Jor Judasgeld empfiug, ſeit ich meine Geliebte verkaufte, war mir Geld zum ätzen⸗ den Gifte, zur Peſtilenz geworden. Ich habe geſchwo⸗ ren, für meine Perſon nie mehr Geld zu beſitzen, als die wenigen Pfennige, welche ich für einen Tag nothwendig habe. Ich bin unter dem Baun meiner Empfindungen ein Betielmuſikant geworden. Seit acht⸗ zehn Jahren beſaß ich nie auch nur den hunderiſten Theil des Geldes, welches ich fur die Ausſtattung Livia's in wenigen Concerten zu Prag gewann.

Der Graf ſchwieg.

Wenn Sie nicht mittellos daſtehen, Herr Tonno,

ſagte er endlich kleinlaut,ſo begreife ich nicht ich äußere unverhohlen meine Meinung weshalb Sie Ihre Pflegetochter nicht in einer Weiſe einführten, die den von Ihnen erhobenen Anſpruchen conform war. Graf Oldersloo! Sie ſollten ſehen, in welchen Verhältniſſen Livia bisher lebte durch Iyre Schuld, ſprach der Maeſtro mit ruhigem Tone.Veelleicht wird Ihr Gewiſſen, Ihr Gefühl wach! Sie ſind doch ein Menſch, kein Raubthier! Ich habe ſie Ihnen gebracht als eine Bettlerin, und als Bettlerin mußte ſie leben, ſollte ſie Ihren Blicken verborgen bleiben. Sie iſt gebildet wie eine Gräfin an Ihnen iſt es, Livia als Gräfin erſcheinen zu laſſen!

im Zenith ſtand, da nahten Sie ſich mir und mach⸗ ten aus mir, dem Argloſen, einen Spieler. Sie umſtellten mich mit Ihren Freunden und Helfershel fern und ruinirten mich, während mein jämmerlicher Stolz, mit Reichsgrafen und Freiherren auf Du und Du zu ſtehen, mich taub und blind machte. Als ich mich endlich erſchrocken, aber voll Muthes an's Werk machte, meine unabſehbare Schuldenlaſt zu decken, da erwirkten Sie von Ihrem Vetter, dem Hof⸗Thea⸗ ter⸗Intendanten, meine Entlaſſung in einer für mich ſchimpflichen Weiſe. Zum Schluſſe ſtand mir bevor, wegen fahrläſſigen Bankerottes in's Zuchthaus zu wandern.

Bei Allem, was ein Cavalier ſagen kann, be⸗ merkte der Graf leiſe,ich weiß nur ſo viel, daß Sie ſehr ſtark verſchuldet waren und Ihrer derangir⸗ ten Verhältniſſe wegen vom Amte kamen!

O, das Gedächtniß findet ſich ſchon wieder es hat in langen neunzehn Jahren das Sprechen nur ein wenig verlernt! erwiderte der Maeſtro.In meinem tiefſten Kummer kamen Sie mit gefüllter Brieftaſche und boten mir Hülfe an....

Die Sie mit Thränen im Auge acceptirten! ſchaltete Oldersloo ein.

Ja, eine Hülfe, die mir aber ſpäter das Mil⸗ lionenfache jener Thränen abgepreßt hat. Sie boten mir zwölftauſend Thaler, wenn ich Livia Palmer ſo⸗ fort den Abſagebrief ſchreiben würde und ich Elen⸗ der ſetzte mich und ſchrieb, was Sie dictirten.

Wenn Sie Rückſicht auf mich nehmen wollen, ſagte der Graf,ſo nennen Sie jenen Namen nicht wieder!

Livia Palmer ward Ihre Beute, fuhr Tonno fort;ihre kurze Ehe mit Ihnen ward ihr von Ihnen zur Hölle gemacht.... Dann verſchwand Sie und iſt bis jetzt verſchollen geblieben!

Jene Dame iſt nie mit mir verheirathet gewe⸗ ſen, ſagte der Graf haſtig mit einer heftigen Hand⸗ bewegung.

Sie war Ihre rechtmäßige Gattin, Graf Her⸗ bert.... Die Beweiſe waren in meiner Hand und ſind an ſicherem Orte niedergelegt.

Tonno, Sie irren ſich, ich ſchwöre es.

Sie waren verheirathet, und Ihre Frau, Livia, lebte noch in Ilmenſtedt, auf Ihrem Gute in Thü⸗ ringen, als Sie Ihre jetzige Frau zum Traualtare führten!

Der Graf wiſchte ſich den Schweiß von der Stirn.

Ich wiederhole, daß Sie ſich irren... ſagte er.Aber zu welchem Zwecke haben Sie unſerer ſo freundſchaftlichen Unterhaltung eine ſo furchtbare Wen⸗ dung gegeben?