Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
466
Einzelbild herunterladen

Novellen⸗Zeitung.

Der Graf ſtand auf und ſtellte ſich gerade, wie ein Lieutenant bei der Muſterung.

Mein Herr, dies iſt in der That befremdend. Wir waren einſt ſehr gute Bekannte, Freunde will ich ſogar annehmen; aber bemerken Sie ich deute Ihnen dies ernſtlich an daß ich Ihre Redeweiſe nicht dulde! Ich halte dafür, es iſt für Sie und für mich das Zweckentſprechendſte, daß wir von der ohne⸗ hin noch ſehr unſichern Aufnahme Ihrer Tochter auf Schloß Oldersloo abſehen.... 1

Der Maeſtro wandte ſich an Livia.

Se ne väda! ſagte er ruhig.Ich werde Dich gleich wiederholen. Damit geleitete er ſie in das Vorzimmer.

Gut, Herr Tonno! ſagte der Graf, ſichtlich unruhig werdend.Ich danke Ihnen. Das Kind braucht von den ſie betreffenden Verhandlungen nichts zu hören. Alſo, ich war bereit, glaube ich geſagt zu haben, Ihnen für Ihre Bemühung, die Reiſe hier⸗ her und außerdem Ihre nicht glaͤnzenden Umſtaͤnde gerade heraus eine anſtändige Entſchädigung zu zahlen, und damit mag ſich Ihr Wunſch in Bezug auf Ihre Tochter erledigen.

Graf Herbert von Oldersloo! ſprach der Mae⸗ ſtro in ſehr gemäßigtem Tone,einmal habe ich mich von Ihnen bezahlen laſſen!

O, nicht davon! Ich will nichts von abge⸗ machten, vergeſſenen Dingen hören! unterbrach ihn der Graf mit drohender Miene. ¹ Aber bitte, Herr Capellmeiſter,Sie müſſen! Oder wollen Sie mich zwingen, mir zu ſchneidend wieder.... ohne weiteres als Feind gegen Sie zu verfahren? Lieber zu Ibrer Angelegenheit, Der Graf warf einen verachtenden Blick auf die Ich will für Ihre Protégée gebrechliche Geſtalt des Capellmeiſters und legte die d? bei der Gräfin ſehr gern Hand an ſein Repoſitorium, an welchem zwei Schei⸗ Wort einlegen. venpiſtolen hingen.

Ein weiter, pompbafter Schlafrock war bei der Wärme blos als Decorationsſtück zu betrachten.

Der Graf brachte ſein Lorgnon an's Auge. gelblichen Wangen hatten ſich plötzlich lebhaft geröthet.

Ah! ſagte er, den Stuhl vorwärts ſchiebend, was faſt wie eine Verbeugung ausſah. Dann lehnte er ſich, augenſcheinlich ſehr unangenehm berührt, im Stuhle zurück.

Herr Graf, ſagte der Maeſtro, ſeinen zerknit⸗ terten Hut auf die Erde werfend und ſich hoch auf⸗ richtend,ich habe Ihnen geſchrieben und hier bin ich und bringe das junge Mädchen.

Sie ſind... Sie wollen ſagen, daß Sie... Unmöglich, und doch klingt die Stimme wie dieje⸗ nige Giacomo Tonno's; dennoch finde ich in dieſem Geſicht Anklänge... Wirklich, dies alterirt mich!

Der Graf ſprach mit ſcharfem, unangenehmem Tone, im pretiöſen Dialekt der excluſiven Kreiſe der Hauptſtadt.

Ich bin Jacob Thun, antwortete der Maeſtro kalt.Der Narr, welcher ſeinen Namen der vorneh⸗ men Welt und den Titeln ſeiner Compoſitionen zu

Gefallen italianiſirte, exiſtirt nicht mehr.

Remarquable, parir' ich! ſagte der Graf.Ich war der feſten Meinung, daß weder ein Tonno, noch ein Thun mehr exiſtire! Keine Sylbe gehört! Nichts mehr von neuen Compoſitionen! Rein verſchollen!

Ja! Verſchollen, gleich ihr! antwortete Tonno düſter.

Wie? Ach dieſe Saite klingt bei Sie verſtehen mich. Herr Capellmeiſter! oder iſt ſie Ihr Kin

Seine

ein, wie ich voffe, entſcheidendes Der Maeſtro verbeugte ſich kalt und lächelteSie können mich über den Haufen ſchießen, verachtend. ſagte Tonno mit tiefer, bebender Stimme,Ihr Aber leider iſt die außere Erſcheinung... Die Geheimniß tödten Sie mit dem Morde nicht. Ich Gräfin iſt in dieſem Punkte difficil, ja penible... wußte, zu wem ich ging; ich kannte Herbert von

Ich weiß nicht; aber das macht mich geradezu unſicher. Oldersloo und babe meine Maßregeln getroffen. Das

Der Mangel iſt in wenigen Minuten verbeſſert. Schwert bängt über Ihrem Haupte eine falſche Ich habe hier in meinem Querſacke Kleider für meine Bewegung von Ibnen und der ſchwache Faden, wel⸗ Schutzempfoblene, an deuen die Gräfin Oldersloo cher dasſelbe vom Niederfahren abbält, zerreißt. nichts zu tadeln finden ſoll.

Aber bitte... Wesbhalb denn, ouvertement, in einem ſolchen Aufzuge ſagte der Graf, der immer unzugänglicher zu werden ſchien.

Ich habe meine Abſichten, antwortete Tonno energiſch.Sie ſollten Livia ſehen, wie ſie bisher gefleidet war! Der Anzug, in welchem ſie die Unbil den der Witterung ertrug, iſt für Schloß Oldersloo

nicht zu ſchlecht.

mehrmals eine Entgegnung; aber es waren nur un⸗ zuſammenhängende Worte, die er hervorzubringen vermochte. 2

Wollen Sie mich anhören? fragte der Maeſtro mit eiſerner Ruhe.

Sprechen Sie! murmelte Oldersloo.

Als ich die Liebe Livia's Palmer errungen

Der Graf war ſehr blaß geworden. Er verſuchte

hatte, ſagte der Maeſtro,als mein Künſtlerruhm

in Zenith ten aus umſtellten fern und Stolh mi Du zu ſt nich ende machte, da erwit ter⸗Inte ſchimpfl wegen wanden! 9 werkte d Sie ſehn ten Ver es hat ein we meinem Wiſe . ſchalte lionen mir z fort d der ſe 1 ſagte nicht

fott; zur4

iſ bi

ſen, bewe

bert ſind

lebt din fah