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Vierte Folge.
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III. Jahrgang.
Eine Mochenchronik für Titerutur, Aunst, ſchöne TMiſſenſchaften und Geſellſchaſt.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Ceipzig, am 28. Zuli 1865.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Verſchollen.
Novelle
von Adolph Görling. (Fortſetzung.)
Alte Bekannte.
Tou early seen unknown and known too late. Shakespeare.
Es war das Arbeitszimmer des Grafen Olders⸗ loo, in welches die Fremden eingeführt wurden,— ein weites Gemach, welches ſeitwärts den Blick auf einen Bücherſaal darbot. In der Mitte des Schreib⸗ zimmers, das mit einigen Bücherſchränken und einer Folge von Landkarten und Städteplänen verſehen war, ſtand ein coloſſaler Eichentiſch mit einem klei⸗ nen Repoſitorio darauf, das von einer aus Eichen⸗ holz geſchnitzten Victoria beſchützt zu werden ſchien.
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Eine Maſſe von Papieren und Actenbündeln zeigte, daß der Graf hier in der That zu arbeiten pflegte.
Der Graf hatte ſich beim Eintritte des Maeſtro auf ſeinem großen Rollſtuhle herumgeſchwenkt und wandte den Fremden das Geſicht zu. Graf Olders⸗ loo mochte etwa vierzig Jahre alt ſein, ſah aber jün⸗ ger aus. Es war ein ſchlanker, faſt hagerer Mann von militäriſcher Feſtigkeit der Haltung. Sein Kopf, ſein Blick, ſeine Mienen deuteten auf ſcharfes Auf⸗ faſſungsvermögen und verachtenden Stolz hin. Das glatt anliegende braune Haar war kurz gehalten; der Schnurrbart ging in zwei lange, ſorgfältig gedrehte Spitzen aus, und der Vollbart am Kinn war kraus und faſt ſchwarz. Das Auge blickte feſt, ſtechend un— ter breiten, geraden Brauen hervor; die Naſe, fein und ſcharf, ſo wie die vortretenden Backenknochen ga⸗ ben dem Geſichte einen Ausdruck von Liſt und Ver⸗ ſchlagenheit, den die würdevolle, beinahe hochmüthige Miene nicht verdecken konnte. Was die Unterkleider betraf, ſo war Graf Oldersloo noch vollſtändig an⸗ gezogen, mit weißer Weſte, Stiefeln und Sporen.
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