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ihm Einhalt zu thun, waren umſonſt; er erloſch nicht eher, als bis er einen großen Theil der Stadt dem Boden gleich ge— macht und ungeheure Reichthümer verſchlungen hatte, aus Mangel an Nahrung.
Aus China.
Die Städte China's ſind ziemlich häßlich, die Straßen eng, ſchmutzig, mit Schutthaufen angefüllt, an beiden Seiten von offenen Läden und Häuſern umſäumt, aus denen ein un⸗ ausſtehlicher Lärm dringt. Die darin zerſtreut liegenden Pa— läſte verbergen ſich hinter Mauern. Ueberall ſtößt man auf breite Boulevards, auf im Winter grundloſe, im Sommer dick mit Staub bedeckte Straßen, hier und da auf große Be⸗ gräbnißplätze, ja ſelbſt auf bebaute Felder und dazu gehörige Gehöfte. Die Kaufläden ſind zuweilen ſehr elegant, in Pe⸗ king giebt es deren ſogar prachtvolle. Sie ſind mit Aufſchrif⸗ ten bedeckt, welche den Namen des Kaufmanns und die Gat⸗ tung ſeiner Waaren anzeigen und zuweilen ſehr komiſche Em⸗ pfehlungen enthalten, wie z. B.„Einziges ehrliches Geſchäft,“ oder„Man hüte ſich vor dem Geſchäft gegenüber.“
Jede Stadt hat ihren Theegarten, tma-yuen; es iſt dies ein weitläufiger, mit Tempeln und Kaufläden umgebener Park, mit einem Teiche, Brücken, Gebäuden in den verſchie⸗ denſten Formen, Grotten und Felſen. Hier findet man eine Menge von Reſtaurationen, Wirthshäuſern, auch ſolchen, in welchen nur Opium verabreicht wird, Theatern u. dgl.; Gauk⸗ ler aller Art, Wunderärzte, Krüppel, welche bei näherer Be⸗ trachtung vollkommen geſund ſind, zahlloſe Bettler treiben hier ihr Weſen, man ſpielt Karten, Kegel auf mannigfaltigſte Weiſe. Auch iſt wohl zu bemerken, daß die Chineſen das un⸗ keuſcheſte Volk der Welt ſind und daß ihre Theegärten ihnen die verſchiedenartigſten Genüſſe darbieten.
Der Krankendienſt wird in China ſehr mittelmäßig aus⸗ geübt. Die Hospitäler und Irrenhäuſer befinden ſich in einer kläglichen Verfaſſung; beſſer ſteht es um die Findelhäuſer,
weil die unendliche Anzahl der Findlinge eine größere Sorg⸗ falt erfordert. Die Chineſen ſind häufig zu arm, um ihre zahlreichen Familien zu ernähren, und die Geburt eines Mäd⸗ chens betrachten ſie zumal als ein Unglück. Die Kinder, deren ſie ſich entledigen wollen, und diejenigen, welche ſo jung ſter⸗ ben, daß man für ſie ein Begräbniß für unnöthig hält, wer⸗ den unter einer Art von Wetterdach oder in kleinen, Schil⸗ derhäuſern ähnlichen Thürmchen, die zu dieſem Zwecke hier und da errichtet ſind, ausgeſetzt, von wo ſie weggenommen werden. Einige dieſer unglücklichen Geſchöpfe werden mitun⸗ ter von reichen Leuten an Kindes Statt angenommen, der größte Theil wird für das Theater oder die Proſtitution er⸗ zogen, oder von ihren Pflegerinnen an Gaukler und Solda⸗ ten verkauft.
Das Theater nimmt in dem ſocialen Leben der Chine⸗ ſen einen hohen Rang ein. Sie kennen die Tragödie und das Drama, ziehen aber die Komödie und namentlich die Poſſe vor und zwar hauptſächlich die mimiſche, rohe, obſcöne Poſſe, deren Acteure ihre Geſtalten dem modernen, wirklichen Leben entnehmen. Bei Aufführung von Tragödien bedient man ſich noch, wie im Alterthume, der Masken. In den größten Städten des Himmliſchen Reiches giebt es ſtehende Truppen, gewöhnlich aber ziehen ſie von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, von Tempel zu Tempel, von Haus zu Haus, um ihr Repertoir abzuſpielen. Man miethet ſie auch für kirch— liche oder bürgerliche oder Familienfeſte. Wenn in einem Tempel geſpielt wird, zahlt das geringe Volk nichts, nur Die⸗
Novellen⸗Zeitung.
ken den Prieſtern ein Almoſen, welches ſie übrigens auch den Schauſpielern anbieten dürfen, deren Gehalt allerdings ſehr beſcheiden iſt. Eine Truppe von dreißig Perſonen erhält vier⸗ zig Thaler, wofür ſie einmal am Tage und einmal am Abend ſpielen und ſich die Coſtumes und alles Nöthige ſelbſt an⸗ ſchaffen müſſen. Das Repertoir des chineſiſchen Theaters iſt ganz außerordentlich vielſeitig, aber mehr kann man zu ſei⸗ nem Lobe nicht ſagen.
Betrachten wir jetzt das Innere der Häuſer der Bewoh⸗ ner des Reichs der Mitte. Das Aeußere derſelben bietet in der Regel kaum etwas Bemerkenswerthes dar, das Innere er⸗ innert ein wenig an die römiſchen Häuſer; man findet hier ähnliche Verzierungen, wie man ſie ſo häufig in Pompeji antrifft, nur daß in China die Phantaſie vorherrſcht, welche keinen beſtimmten Charakter feſtzuhalten geſtattet. Im Süden entbehrt die Architektur der plaſtiſchen Ruhe und iſt mit Zier⸗ rathen vom ſchlechteſten Geſchmack überladen; in Peking be⸗ gegnet man häufig tatariſchen Reminiscenzen, Maſtbäumen, Galerien, Holzſculpturen, welche in ganz Aſien bekannt ſind und noch in Conſtantinopel angetroffen werden.
Vor dem Hauſe beſindet ſich gewöhnlich ein Hof, einige Stufen führen zu der durch ein Wetterdach geſchützten Haupt⸗ thür. Die Umfaſſungsmauer iſt durchbrochen und die Back⸗ V ſteine, aus denen ſie aufgeführt iſt, ſind dergeſtalt zuſammen⸗ gefügt, daß ſie zahlreiche geometriſche Figuren bilden. Auf den Thürflügeln bemerkt man auf Leinwand grob gedruckte Bilder, welche die Schutzgeiſter des Hauſes, mori-men, dar⸗ ſtellen; oft ſieht man auch an den Seiten der Thür philo⸗ ſophiſche Sprüche und den Namen des Beſitzers, mon-pay.
Hinter der Thür zeigt ſich eine von Backſteinen aufge⸗ führte Schirmwand, welche die Blicke der Vorübergehenden abhalten ſoll, in das Innere des Hauſes einzudringen. Kleine, mit dem Hauſe nicht zuſammenhängende Gebäude begrenzen den Hof, in deſſen Mitte ſich ein Waſſerbecken befindet, auf allen Seiten; ein jedes dieſer Gebäude enthält überall drei
Häuſer rechts und links enthalten die Zimmer; der Thür ge⸗ genüber liegt der ta-tin, wo ſich der Salon befindet; dieſem gegenüber liegt der tan-wo, der Familienſalon, wo die Por⸗ traits der Vorfahren und die Bilder der Laren oder Schutz⸗ geiſter aufgehängt ſind. Hier wohnt auch der Vater, die Mut⸗ ter und der älteſte Sohn; der zweite Sohn bewohnt den ta⸗ ttin, die übrigen Kinder und die Dienerſchaft ſind in den Seitengebäuden untergebracht.
Die Zimmerwände ſind mit Stoffen und gemaltem Pa⸗ pier bekleidet, welches nicht, wie bei uns die Tapeten, in Rol⸗ len, ſondern nach Quadratmetern verkauft wird; Matten und Vorhänge ſchützen die Eingänge gegen die Strahlen der Sonne; die Fenſter ſind durch ziemlich enge und äußerſt elegante Git⸗ ter aus Bambusrohr oder Holz und buntem, mit ſtarkem Pa⸗ pier eingefaßten Glas feſt verſchloſſen. In den Schlafzim⸗ mern hängt man lange Bänder von Stoff mit Sprüchen und Bildern auf, welche oft mit außerordentlicher Feinheit und unbeſtreitbarem Talent ausgeführt ſind.
Das Mobiliar iſt verſchieden, aber gewöhnlich von einer ſeltenen Eleganz. Die Seſſel, die Betten, die Tiſche der Chi⸗ neſen haben dieſelbe Form wie die unſrigen, und ſind aus Bambusrohr, Palmenried, Ebenholz und Ruinenmarmor ge⸗ fertigt. Die Seſſel ſind nicht gepolſtert, ſondern nur mit Decken belegt; unter ihnen ſpielt die Hauptrolle der kan, eine fünf bis ſechs Fuß lange, zwei bis vier Fuß breite Bank mit Rückenlehne, welche in zwei Hälften getheilt iſt, um in einer
jenigen, welche die Galerien und die Logen einnehmen, ſchen⸗
jeden eine Perſon zu empfangen, vor welche ein kleiner Tiſch
oder fünf Piecen, deren mittlere zum Eingang dient. Die
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