Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
461
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zuerſt

Der Hött⸗ odeh⸗ ſchen) dtein, Höhe

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Vierte Folge. 461

ſchwarzen Meeres. In Magazinen und Läden lagerten heil⸗ ſame Kräuter aus Sicilien und Afrika, arabiſche Specereien und Wohlgerüche, die Perle vom Grunde des rothen Meeres und der Diamant aus indiſchen Gruben, rieſige Balken bunten Marmors, in den Gebirgen Kleinaſiens gebrochen, und gemaſerte Scheiben koſtbaren Holzes, am Atlas gewach⸗ ſen.Zu Euch, heißt es in einer griechiſchen, um die Mitte des zweiten Jahrhunderts verfaßten Lobrede auf Rom, kommt aus allen Ländern und allen Meeren, was die Jahreszeiten hervorbringen und was alle Zonen tragen, was Flüſſe und Seen, und was die Arbeit der Hellenen und Barbaren er⸗ zeugt. Wenn alſo Jemand Willens iſt, Alles dies zu ſchauen, ſo muß er entweder die ganze Welt durchreiſen oder ſich in dieſer Stadt aufhalten. Denn was bei allen Völkern erzeugt und bereitet wird, das iſt hier zu allen Zeiten im Ueberfluß vorhanden. So viel Laſtſchiffe kommen hierher aus allen Ländern im ganzen Sommer und Herbſt, daß die Stadt einer allgemeinen Werkſtatt der ganzen Erde gleicht. So viel La⸗

dungen aus Indien und dem glücklichen Arabien kann man hier ſehen, daß man glauben ſollte, in Zukunft ſeien dort die Bäume für immer entblößt und jene Völkerſchaften müßten hierher kommen, um von ihren eigenen Erzeugniſſen zu ver⸗ langen, was ſie etwa bedürfen. Babyloniſche Gewänder und Kleinodien aus dem innern von Barbaren bewohnten Aſien kommen hier in viel größerer Menge und leichter her, als wenn ſie von einer Inſel des Archipel nach Athen zu ſchaffen wären.

Hier ſchwirrten hundert Sprachen, hier drängten ſich die Formen und Farben aller Racen, die Trachten aller Völ⸗ ker durcheinander. Mohrenſclaven führten Elephanten aus den kaiſerlichen Zwingern vorüber. Dort ſprengte ein Trupp blonder Flamländer von der kaiſerlichen Leibwache in glän⸗ zender Rüſtung. Hier trugen Aegypter mit kahlgeſchorenen Köpfen in linnenen Talaren die große Göttin Iſis in Pro⸗ ceſſion. Hinter einem griechiſchen Gelehrten ging ein jun⸗ ger Hindu mit Bücherrollen beladen. Orientaliſche Fürſten⸗ ſöhne in hohen Mützen und weiten bunten Gewändern ſchrit⸗ ten mit ihrem Gefolge in ſchweigſamem Ernſt durch die Menge, und tättowirte Wilde aus Britannien beſtaunten die Wunder der neuen Welt, die ſie umringten.

Die Zahl der Bevölkerung Roms läßt ſich nur ſehr un⸗ gefähr veranſchlagen. Wenn ſie auch großen Schwankungen unterworfen war, dürfte ſie doch in der Zeit von Auguſt bis Trajan(mit Ausnahme von Zeiten, wo Seuche oder Bür⸗ gerkrieg wütheten) im Steigen begriffen geweſen ſein, und bis zu den großen Peſten unter Marc Aurel und Commodus nicht merklich abgenommen haben. Mit Wahrſcheinlichkeit kann man annehmen, daß ſie in dieſer Zeit meiſt zwiſchen ein und anderthalb Millionen ſchwankte und zuweilen viel⸗ leicht die letztere Summe noch überſtieg.

In Rom war unaufhörlich Lärm und Getümmel. Schon Horaz klagte über das Tag und Nacht fortwährende Geräuſch, über das Gewühl und Gedränge in den Straßen der Stadt, aus derenFluthen und Stürmen er gern in die Stille und Einſamkeit der Sabiner Berge flüchtete. Aber während des erſten Jahrhunderts ſtieg die Bevölkerung und die Lebendig⸗ keit des Verkehrs noch ſehr, und vielleicht erreichte ſie in der Zeit, wo Martial und Juvenal ſie ſchilderten, ihre größte Höhe. Schon vor Tage riefen die Bäcker ihre Waaren aus, dann begannen die Kinderſchulen im Chor zu buchſtabiren und die Hämmer und Sägen der Werkſtätten ſetzten ſich in Bewegung. Nun ſchleppten knarrende Wagen ungeheure Steinblöcke, Baumſtämme und Balken zu Bauplätzen, ſchwer⸗

beladene Laſtthiere und Träger rannten die Fußgänger an, von allen Seiten wurde man gedrängt, geſtoßen, auf die Füße getreten, und Diebe hatten es in dieſem Gewühl leicht, Beute zu machen. Bettler, namentlich angebliche oder wirkliche Schiffbrüchige, heiſchten in ſingendem Ton Almoſen, Klein⸗ händler und Verkäufer aller Art, Herumträger von Erbſen⸗ brei und rauchenden Würſten prieſen kreiſchend ihre Waare an; hier erſcholl das Geheul einer umherziehenden Proceſſion von Prieſtern der großen Mutter, dort das Geſchrei der An

dächtigen aus einem Iſistempel. Auch bei Nacht hörte der Lärm nicht auf. In den weitläufigen Paläſten, wo die Schlaf⸗ zimmer weit von der Straße entfernt lagen, ſchlief man ruhig, in den Miethwohnungen deſto ſchlechter. Das Geraſſel der Reiſewagen, die den größten Theil des Tages in der Stadt nicht fahren durften, ſtörte den feſteſten Schlaf, wenn ſie in ſcharfer Wendung die Ecken der ſchmalen Straßen umfuhren. Dazu kam das Toben ſchaarenweis umherziehender Raufbolde und Nachtſchwärmer, oder Ständchen von Liebenden, die bei ihren Schönen Einlaß erbaten oder zu erzwingen ſuchten. Waren alle Häuſer verriegelt, alle Tabernen geſchloſſen und ſtill geworden, dann waren die leeren, ganz unbeleuchteten Straßen für den einſamen Wandrer ebenſo unheimlich als gefährlich. Die Unſicherheit war zu allen Zeiten in Rom groß, Diebſtähle und Einbrüche gewöhnlich, auch räuberiſche Anfälle nicht ſelten. Mancher hatte den Dolch eines gedun⸗ genen Banditen zu fürchten, die ſich maſſenweiſe nach Rom zogen, wenn ihre Schlupfwinkel in den pontiniſchen Sümpfen und dem Fichtenwalde ſüdlich vom Volturnus von Soldaten beſetzt waren. Andere Gefahren drohten dem Armen, der ſich mit ſeinem Lichtſtumpfe nach Hauſe leuchtete, wenn er mit einem jungen Herrn von Stande zuſammentraf, der mit großem Gefolge unter Vortragung zahlreicher Fackeln und Laternen von einem ſpäten Gelage heimkehrte. Nächtlicher Straßenunfug gehörte zu den ſtehenden Vergnügungen der vornehmen Jugend. Die Unglücklichen, die in ihren Weg geriethen, wurden angehalten, auf ausgebreiteten Mänteln geprellt oder ſonſt gemißhandelt. Von den Dächern ſtürzten Ziegel, aus den Fenſtern der oberen Stockwerke wurden Be⸗ cken ausgegoſſen oder zerbrochene Gefäße herabgeworfen, die krachend auf dem Pflaſter zerbrachen.

Die Feuersbrünſte, die in dem heutigen faſt durchweg aus Stein und Backſtein gebauten Rom ſo gut wie unerhört ſind, waren im alten Rom nicht blos äußerſt häufig, ſondern auch dreifach gefährlich wegen der Höhe der Häuſer und der Schmalheit der Straßen, vor allem wegen der zahlreichen hölzernen An⸗ und Vorbauten, die vorzugsweiſe die Brände nährten und mit furchtbarer Schnelligkeit unaufhaltſam ver⸗ breiteten. Durch die Stadtgeſchichte Roms zieht ſich außer unaufhörlichen kleineren Bränden eine Reihe ungeheurer Feuersbrünſte, und die Hügel wuchſen allmählich durch den immer aufs neue ſich häufenden Schutt der Ruinen. Unter Tiber waren zwei große Brände; im Jahre 27 brannte der Cälius, im Jahre 37 der Aventin und der anſtoßende Theil des großen Circus ab; Tiber erſetzte beidemal den Schaden nach Möglichkeit, das zweitemal betrug der Erſatz 100 Mil⸗ lionen Seſterzen(beinahe 7 ¾ Million Thaler). Auf den Neroniſchen Brand folgte unter Titus eine Feuersbrunſt, die drei Tage und Nächte im Marsfelde wüthete. Eine andre unter Antoninus Pius vernichtete 340 Wohngebäude. Der größte Brand nächſt dem Neroniſchen brach unter Commodus in der Nähe des Friedenstempels aus, zerſtörte zuerſt die dor tigen Magazine ägyptiſcher und arabiſcher Waaren und zog ſich dann nach dem Palatin herüber. Alle Anſtrengungen,

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