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machen, war dies: das ungeheure, ewig wechſelnde Gewühl einer aus allen Ländern zuſammenſtrömenden Bevölkerung, das verwirrende und berauſchende Treiben eines wahrhaften Weltverkehrs, die Großartigkeit, Pracht und Menge der öffentlichen Anlagen und Bauten, endlich die unermeßliche Ausdehnung der Stadt. Wer damals von der Höhe des Capitols herabſchaute, deſſen Blick verlor ſich in einem Ge⸗ wirr von Prachtgebäuden, Paläſten und Denkmälern jeder Art, das zu ſeinen Füßen ſich meilenweit über Thal und Hü⸗ gel in unabſehbare Ferne hinbreitete. Wo jetzt ſich eine ruinenerfüllte Einöde gegen das Albanergebirg hinerſtreckt, über der Fieberluft brütet, war damals eine durchaus geſunde, überall angebaute, von lebenwimmelnden Straßen durchſchnit⸗ tene Ebene. Nach keiner Seite hin hatte die Stadt eine eigentliche Grenze, es gab kein gewiſſes Kennzeichen, nach dem man hatte beſtimmen können, wie weit ſie reichte und wo ein neues Gebiet anfing. Ueberall griffen ihre Ausläufer in die Campagna hinaus und verſchlangen nach und nach die
zahlreichen umliegenden Flecken und Ortſchaften, und ihre
„Zeitung.
gen und in der Ebene, meinte er immer, das, was er zuerſt geſehen, werde unter allem Uebrigen das Größte ſein. Der Jupitertempel auf dem Tarpejiſchen Felſen ſtrahlt wie Gött⸗ liches vor Menſchlichem. Die Bäder ſind in der Ausdeh⸗ nung von Provinzen angelegt. Die Maſſe des(Flaviſchen) Amphitheaters, ein mächtiger Bau aus Tiburtiniſchem Stein, ragt ſo hoch, daß der Blick kaum bis zur äußerſten Höhe hinaufreicht. Der herrliche Rundbau des Pantheon mit prachtvoller, hoher Ueberwölbung, die rieſenhaften Ehrenſäu⸗ len, zu deren Spitzen im Innern Treppen hinaufführen und welche die Bildſäulen früherer Fürſten tragen, der Tempel der Göttin Roma, das Forum des Friedens, das Theater des Pompejus, das Odeum, das Stadium, all dieſe Zierden der Stadt wetteifern an Schönheit, Pracht und Großartigkeit miteinander. Als er aber zum Forum Trajan's gekommen war und dieſen Bau erblickte, der unter dem ganzen Himmel nnicht ſeines Gleichen hat und wohl auch von den Göttern als wundervoll anerkannt werden würde, ſtand er wie betäubt, indem er ſeinen Geiſt durch die gigantiſchen Wölbungen hin⸗
Vorſtädte verloren ſich in neuen Anlagen prachtvoller Land⸗ ſchweifen ließ, die weder mit Worten beſchrieben werden kön⸗
häuſer, Tempel und Monumente, deren marmorne Zinnen, Giebel und Kuppeln aus dem dunkeln Grün der Haine und Gärten hervorleuchteten.
Unter den öffentlichen Anlagen übertrafen die des V Marsfeldes alle übrigen an Ausdehnung, während ſie an Pracht und Großartigkeit keinen nachſtanden. Den gewal⸗ tigen Eindruck der hier von Auguſt hinterlaſſenen Marmor⸗ ſtadt hat Strabo geſchildert. Die weite, auf drei Seiten von der Mündung des Stroms umſchloſſene Ebene, deren unge⸗ heure Fläche dem Gewühl der Wagen und Reiter und dane⸗ ben einer unzähligen Menge Raum bot, die ſich in Leibes⸗ übungen tummelte, ihr immer grüner Grasboden, die Pracht⸗ gebäude und Denkmäler ringsum, ein Labyrinth ſäulenge⸗ tragener Hallen, Kuppeln und Giebeldächer, unterbrochen von dem Grün der Luſthaine und Baumgänge; als Begren⸗ zung die Kuppen der jenſeits über dem Fluſſe im Halbkreiſe aufſteigenden Hügel, deren Abhänge bis an das Ufer hinab⸗ reichten— das war ein Anblick, von dem man ſich ſchwer trennen konnte, der die übrige Stadt wie einen Anhang er⸗ ſcheinen ließ. Betrat man aber die eigentliche Stadt und erblickte nun die Foren, eines neben dem andern ausgebrei⸗ tet, von Säulengängen und Tempeln eingefaßt, und das Ca⸗ pitol mit ſeinen Bauwerken und den Palatin und die Colon⸗ nade der Livia, ſo mochte man leicht das außerhalb Geſehene vergeſſen. Eine ſolche Stadt, ſchließt Strabo bewundernd ſeine Schilderung, iſt Rdom. Was von dieſer Herrlichkeit in V den Bränden unter Nero und Titus verloren ging, ward wie⸗ der hergeſtellt oder erſetzt und die alten Anlagen noch durch neue vermehrt. In dem halben Jahrhundert von Vespaſian bis Hadrian erreichte Rom ſeinen höchſten Glanz, wenn auch unter den Antoninen und ſpäter noch Vieles zu ſeiner Ver⸗ ſchönerung geſchehen iſt. Damals aber entſtanden die Wun⸗ derwerke, die die ſpäteſten Nachkommen nicht minder als die Zeitgenoſſen anſtaunten, in gedrängter Reihenfolge. Ammian ſchildert den Eindruck, den Rom auf den Kaiſer Conſtantius machte, der es im Jahre 357 zum erſten Mal ſah, und nennt in dieſer Schilderung faſt ohne Ausnahmen nur Bauten, die aus jener Zeit ſtammen.„Als der Kaiſer auf das Forum kam, die berühmte Stätte der alten Macht, war er ſtumm vor Bewunderung. Wohin auch ſeine Augen ſich wandten, ſah er ſich von dem dichten Gedränge der Wunderwerke geblendet. Indem er ſodann allmählich die einzelnen Theile der Stadt muſterte, auf den Höhen der ſieben Hügel, auf deren Abhän⸗
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nen, noch für Sterbliche zum zweiten Mal erreichbar ſind.“
Aber es war nicht dieſe unvergleichliche Herrlichkeit der Bauten und Anlagen allein, die Rom zu einer Stadt der
Wunder machte. Wer durch ihr endloſes Gebiet wanderte, ſah ſich auf Schritt und Tritt von immer neuen Schauſpie⸗ len gefeſſelt. Ueberall wurde der Blick von den Werken äl⸗ terer und neuer Kunſt feſtgehalten, die in verwirrender un⸗ überſehlicher Fülle ganz Rom ſchmückten. Die Wände der Hallen und Tempel prangten im Farbenſchmuck der Mauer⸗ gemälde oder Bildtafeln, und ihre Räume, ſowie Straßen und Plätze waren von Erz⸗ und Marmorbildern erfüllt. Noch im ſechſten Jahrhundert, als wiederholte Stürme und Verwüſtungen ſie längſt ihres glänzendſten und reichſten Schmuckes beraubt hatten, ſchien es, als ob noch ein zweites Volk von Statuen in ihren Mauern wohne. Ueberall waren die Maſſen der Gebäude von dem Grün der Gärten und Parke unterbrochen und eingefaßt, und zu allen Zeiten des Jahres ſah man friſches Laub in Fülle. Die weiten Bezirke der Paläſte ſchloſſen häufig große Gärten ein, mit herrlichen alten Bäumen, von Vogelgeſang erfüllt; ſelbſt von den Dä⸗ chern und Balkonen ſtreuten Blumen und Sträucher ihren Duft. Beſonders auf den umgebenden Hügeln breiteten ſich zahlreiche, zum Theil kaiſerliche Gärten aus. Mehrere die⸗ ſer Anlagen ſtanden dem Volke offen, überdies luden, nament⸗ lich im Marsfelde, Lorbeer⸗ und Platanengänge zum Luſt⸗ wandeln unter dichten Schattendächern ein. Aber vielleicht ſeinen ſchönſten Schmuck hatte auch das alte Rom in der Menge und Schönheit ſeiner Waſſerwerke. Die Quellen der Gebirge, meilenweit in unterirdiſchen Röhren oder auf gewaltigen Bogenreihen in die Stadt geleitet, ergoſſen ſich rauſchend aus künſtlichen Grotten, breiteten ſich wie Teiche in weiten reichverzierten Behältern aus, oder ſtiegen plät⸗ ſchernd in den Strahlen prächtiger Springbrunnen auf, deren kühler Hauch die Sommerluft erfriſchte und reinigte.
Andere unerſchöpfliche Schauſpiele bereitete der Welt⸗ handel, der Kaufhallen, Läden und Magazine Roms mit den köſtlichſten und ſeltenſten Erzeugniſſen der fernſten Län⸗ der, den prächtigſten und mühſeligſten Werken der Gewerb⸗ thätigkeit und des Kunſtfleißes aller Völker füllte. In Rom konnte man die Güter der ganzen Welt in der Nähe prüfen: ſpaniſche Wolle und chineſiſche Seide, künſtliche bunte Gläſer und feine Leinwand aus Alexandrien, Wein und Auſtern der
griechiſchen Inſeln, den Käſe der Alpen und die Seefiſche des
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