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de riz bedeckte junge Mädchen, und ſagt zu Allem, was ſie hört, dasſelbe liebenswürdige:„Ach ja“, „Ach nein“,„Iſt es möglich?“„Wirklich, Sie ſind allzu gütig“,„Machen Sie mich nicht erröthen“,„Ich danke Ihnen.“
An all' dem Uebel iſt, wie geſagt, zunächſt die ſehr achtungswerthe Höflichkeit und Zuvorkommenheit der wohlerzogenen Pariſer ſchuld, andererſeits und gleichfalls in erſter Reihe die Größe der Stadt, wie die Gaſtfreiheit ihrer Bewohner und der dadurch be⸗ dingte Umſtand, daß unter zehn Perſonen, die mit einander in demſelben Salon verkehren, ſich wenig⸗ ſtens neun einander vollkommen fremd ſind, ſich bis⸗ her nie geſehen haben und wahrſcheinlich auch nie wiederſehen werden.
Die Mitglieder dieſer Geſellſchaft fühlen nun das natürliche Bedürfniß, mit einander zu ſprechen. Natürlich ſpricht man auch nur von Dingen, die alle Welt verſteht, und die einen jeden Gickgack intereſ⸗ ſiren können, d. h. mit anderen Worten, man debi⸗ tirt nur die kläglichſten Alltäglichkeiten, die keinen Menſchen intereſſiren. Da aber das Repertoire dieſer liebenswürdigen Allerweltsphraſerei ziemlich beſchränkt und kaum einer Bereicherung fähig iſt, ſo iſt es eine natürliche Folge dieſes Uebels, daß der junge Mann, der die Unterhaltung führen muß, ſich in die bittere Nothwendigkeit verſetzt ſieht, ſieben oder acht Mal an demſelben Abende genau dasſelbe in ziemlich den⸗ ſelben Worten zu ſagen, während die junge Dame, die nach den Geboten der Höflichkeit unterhalten wer⸗ den muß, der noch größeren Unannehmlichkeit ausge⸗ ſetzt iſt, dasſelbe Geſpräch aus dem Munde aller ihrer Tänzer und Geſellſchafter, um nicht zu über⸗ treiben, etwa zwölf Mal zu vernehmen.
Gewöhnlich unterhält man ſich von der mehr oder weniger vorgeſchrittenen Jahreszeit, die dem „luſtigen Salonleben“ bald ein Ende machen oder demſelben Gottlob! noch ein langes Leben laſſen wird, von dem Aufenthalt auf dem Lande, den man je nach Belieben vergöttern oder verabſcheuen kann, je nach⸗ dem man ſich als Pariſerfeind oder Pariſerverehrer intereſſant machen will, und eine ſentimentale Blon⸗ dine oder feurige Brünette am Arme hält. Dann ſpricht man auch wohl von Mario als Almaviva, oder von Tamberlick als Othello, oder von Breſſant's feinem Spiele, oder von Leſſueur's ergötzlichem Hu⸗ mor, mitunter auch von der Hitze im Salon, von dem zu glatten oder nicht genug gebohnten Fußbo⸗ den, von dem mangelhaften oder vorzüglichen Orche⸗ ſter, von der Liebenswürdigkeit der Geſellſchaft, von den geſchmackvollen Toiletten, mit einem Worte von lauter Dingen, welche demjenigen, der ſie erzählt,
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Novellen⸗Zeitung.
ganz indifferent, und derjenigen, die ſie anhört, zum Mindeſten eben ſo gleichgültig ſind. Einige Ausnah⸗ men begeiſtern ſich auch für„Venezia la bella“, die ſie nie geſehen; für norwegiſche Fiſcher, die ſie aus Offenbach's Operette„Les deux aveugles“ dem Na⸗ men nach kennen.
Iſt man einer jungen unverheiratheten oder ver⸗ heiratheten Dame von 17 bis 35 Jahren zwei oder drei Mal in verſchiedenen Salons begegnet, ſo be⸗ ginnt für gewiſſe junge Leute das Exercitium, das ſie„den Hof machen“ nennen.
Es iſt ziemlich ſchwer, von dieſem„Hofmachen“ eine einigermaßen genügende Definition zu geben. Das richtet ſich ſelbſtverſtändlich nach dem Tempera⸗ mente des dabei intereſſirten Duetts. Indeſſen läßt ſich nach folgenden Symptomen mit ziemlicher Be⸗ ſtimmtheit die Diagnoſe für das nunmehr eingetre⸗ tene Stadium des Hofmachens ſtellen. Das Pauſiren während eines Tanzes verlängert und vervielfacht ſich. Das Lächeln wird entweder ſchärfer, intenſiver, viel⸗ ſagender, oder verſchwindet ganz und gar und macht dem ſchwermüthigen Ausdruck eines im Innern be⸗ ſtandenen Kampfes Platz. Man ſeufzt ſogar, mit
Orcheſterbegleitung. Die junge Dame läßt, aus Ver⸗
ſehen, eine Roſenknospe aus ihrem Strauße fallen, die der junge Mann mit einem überirdiſchen Blicke aufrafft und in die linke Bruſttaſche ſeines Frackes ſteckt. Während des Tanzens glaubt man wahrzuneh⸗ men, daß der junge Mann ſeine graziöſe Tänzerin etwas leidenſchaftlicher an ſein Herz drückt und ſei⸗ nen Kopf den blendend weißen Schultern möglichſt zu nähern ſucht. Dieſe anſcheinend äußerſt unſchuldi⸗ gen Manösver, die man eher bei einem ſchmachtenden Gymnaſiaſten, als bei dem Roué des jungen Frank⸗ reichs erwarten ſollte, werden mit großer Conſequenz eine Zeit lang fortgeſetzt. Die große Geſellſchaft, die theilnahmlos um das Pärchen herumſchwirrt, iſolirt es immer mehr und bald fühlt es ſich, mitten in dem überfüllten Pariſer Salon, verlaſſen und unbelauſcht wie in der heiligſten Waldeinſamkeit. Das iſt der entſcheidende Moment. Die Gewißheit, daß die gü⸗ tige Gelegenheit, wenn ſie ungenützt vorüberfliegt, ſo bald nicht wiederkehren wird, drängt den jungen Hof⸗ macher zu ihm ſelbſt ganz unglaublich ſcheinenden Wagniſſen. Solche Lappalien, die aus reinem Ueber⸗ muthe, aus reiner Langeweile angeregt und fortge⸗ ſponnen werden, bei denen von Liebe auf keiner Seite die Rede iſt, haben ſchon oft über das Schickſal einer Frau, einer Familie entſchieden. Das Präludium ſpielt, wie geſagt, gewöhnlich in dem Salon, mit einem Bouquet, einem Walzer und einer abgeſchmack⸗ ten Phraſe; der erſte Act wenige Wochen ſpäter in
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