Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
453
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Vierte

Gieb ihm, murmelte dieſer, ſetzte ſich wieder

auf die Erde und ſchien ſich nicht mehr um den ver⸗ 4 dächtigen Fremdling zu bekümmern. t Livia brachte die Rumflaſche hervor. Der Mann nahm ſie und ſchien faſt bezaubert. Er ſchüttelte ſie, hielt ſie empor gegen den Mond, ſeufzte und ſetzte ſich nieder.

Ein Tropfen! brummte er.Alles egal und doch nicht Alles! Du kleines, flinkes Geſchöpf, Du biſt ſehr blaß und ſo dünn, und Dein Haar iſt kraus wie ein Dornbuſch, ich ſchwöre Dir aber,

h daß Du mir tauſend Mal lieber als die ſchönſte ie Prinzeſſin biſt. Auf Deine Geſundheit, Du Zottel 1, kopf! Er trank auf einen Zug die Flaſche leer. tDoch nicht Alles egal! murmelte er.

Livia brachte Brod und Speck hervor und der

Fremde mit erſchreckender Gier. Nimm's nicht übel, Prinzeſſin; aber manchmal Land die Menſchen ebenſo hungrig wie die Wölfe, diſeh acht Tage lang vergebens nach Beute im Schnee lie ſen. Ich bin zwar kein Wolf und Schnee iſt auch um dieſe Jahreszeit ſelten; aber eine Mahlzeit habe

Prinzeſſin! Es iſt zwar Alles egal, beſonders wenn wir todt ſein werden; aber vielleicht denkſt Du eines Tages daran, daß Dir ein Mann, welcher accurat heißt wie ich, Dank ſchuldig iſt!

Der Maeſtro hatte mit großer Aufmerkſamkeit zugehört, wenn der Fremde ſprach.

Wie heißt Ihr? fragte der Alte.

Es iſt eine alberne Gewohnheit, nach dem Na⸗ men eines Menſchen zu fragen, antwortete der Fremde. Es iſt ja ganz egal, wie Jemand heißt. Der Teufel hat eine ganze Menge von Namen. Einer nennt ihn Herr Vetter und der Andere den Ihr habt mich ſatt gemacht; gut. Ihr habt eineRecht zu fra gen, beſſer als ein Gend'arm. Ich habe vorhin unter einem Hülſenbuſche geſchlafen egal; es wäre ganz angemeſſen, wenn Ihr mich Hülſen nenntet.

Gut, Hülſen! ſagte der Maeſtro.Wenn Ilh weiter nichts zu ſagen habt, ſo iſt der Wald gro und die Heerſtraße lang genug ſucht Euch eine andere Ruheſtelle.

Jawohl, Herr Capellmeiſter!

Capellmeiſter? fragte der Alte, als ob er ſei⸗ nen Ohren nicht traue. Ja! Die Prinzeß nannte Euch Maeſtro, und Maeſtro und Capellmeiſter Alles egal! Eure Stimme kommt mir außerordentlich be⸗ Annt vor, Hülſen! Möglich, möglich; alle Krähen haben denſelben nz ſie ſingen erſten Baß. Was iſt da weiter zu

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ich in acht Tagen nicht gehabt! Das merke Dir,

Folge.

reden! Die Krähen ſind mir ſtets verhaßte Vögel

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geweſen; aber egal, ſie gehören einmal mit zum vollen Orcheſter.

Freund, ſagte der Maeſtro,Eure Bildung ſtraft Euren erbärmlichen Aufzug Lügen.

O Herr Capellmeiſter, Eure lumpigen Kleider ſcheinen auch nicht die Wahrheit zu ſagen. Aber das iſt egal!

Kennt Ihr mich?

Möglich; wer glaubt an Unmöglichkeiten? Ha⸗ ben Sie im Zuchthauſe geſeſſen oder in dem Feſtungs⸗ karren promenirt?

Ich?

Nun, was nicht iſt, exiſtirt nicht! Egal! Dann müßten Sie allerdings zu meinen Urbekanntſchaften gehören. Aber ich bin nicht neugierig. Großen Dank für die Mahlzeit. Sie könnten mir freilich eine Ge⸗ fälligkeit erweiſen; aber egal!

Was wünſcht Ihr von mir?

Sie gehen nach Schloß Oldersloo; nicht ſo?

Ja!

Sie kennen den Grafen, oder nicht egal; aber Sie könnten ihm zwei Worte ſagen, die mir einem Verfolgten Freiheit und Leben retten wür⸗ den. Wollen Sie?

Es kommt darauf an, wie die Botſchaft lau⸗

tet, ſagte der Maeſtro mit zitternder Stimme.

Wohlan, rief der Waldgänger.Sagt dem Grafen: Der Mann, welcher den Wagen fuhr, iſt frei und verfolgt egal. Sagt ihm, daß ich den Grafen hier am Meilenzeiger morgen um Mitternacht erwarte.

Gut, Freund, ich will das ausrichten.

Sagt ihm, daß ich hundert Thaler, die Hälfte in Zweigroſchenſtücken, nöthig habe.

Ihr habt Grund zu glauben, daß der Graf Euer Anſinnen erfüllt? Ich bezweifle das! Graf Oldersloo iſt außerordentlich geizig.

Alles egal! ſagte Hülſen.Wenn Sie bemer⸗ ken, daß Oldersloo irgendwie Schwierigkeiten machen will, ſo ſetzen Sie einen Trumpf darauf.

Ich weiß nicht, was das heißen ſoll!

Sagen Sie ihm: Die Wald⸗Capelle iſt keine Hölle.

Aber was bedeutet das?

Egal, Herr Capellmeiſter! Die Hölle läßt Kei⸗ nen wieder heraus ſo weit iſt's mit der Wald⸗ Capelle noch nicht gediehen! Geruhſame Nacht. Wenn nicht Alles egal wäre ha, ha, Herr Capell⸗ meiſter, dann ſollten Sie ſich heute Abend'mal be luſtigen. Aber es iſt einmal ſo wer ändert's? Gute Nacht, Prinzeſſin!

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