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Der Mann wollte ſeinen Korb nehmen, der bis⸗ her auf der Erde geſtanden hatte, ſtieß ihn aber um. Einige Gegenſtände fielen heraus. Der Maeſtro er⸗ kannte, daß der Waldgänger ein Schießgewehr auf⸗ las, das aus einer Doppelflinte gemacht ſchien, deren Läufe und Kolben abgeſägt worden waren.
„Ihr habt da ſeltſame Dinge in Eurem Korbe,“ bemerkte der Maeſtro.
„Handwerkszeug, wie Sie es nach Ihrer Art in Ihrem Ranzen führen!“ antwortete Hülſen.„Iſt's kein Orcheſter, ſo iſt's doch eine Geige; iſt's keine Doppelbüchſe, ſo iſt's doch eine Art von Taſchenpuf⸗ fer— egal, wie am Ende Alles! Gute Nacht Sig— nore— Giacomo Tonno! Gute Nacht, Prinzeſſin!“
Als der Maeſtro den Namen Giacomo Tonno hörte, ſprang er auf.
„Halt! Halt!“ rief er.„Wer ſind Sie? Ich muß wiſſen, wer Sie ſind, daß Sie einen ſeit achtzehn Jahren begrabenen Namen heraufbeſchwören!“
Der Maeſtro machte einige Schritte, aber der Waldgänger war in der Tannennacht verſchwunden.
Nach einer langen Pauſe keuchte der Maeſtro: „Wer war dieſer Menſch? Er kennt mich, trotz der Jahre des Elendes, die über mich dahinbrauſten! Er nennt mich bei Namen! trägt mir eine geheimniß⸗ volle Botſchaft an den Grafen Oldersloo auf!— Ich ahne es, kaum nahe ich mich dieſer dämoniſchen Per⸗ ſönlichkeit, da kommen bereits die unheimlichen Ver⸗ künder des Sturmes dahergeſchlichen!“
„Was murmelſt Du, Maeſtro?“ fragte Livia angſtvoll.„Sprichſt Du von dem Grafen Oldersloo?“
„Und wenn ich von ihm ſpräche, und wenn er ein böſer Dämon wäre, Kind,“ rief der Alte mit tief ſchmerzlichem Ausdrucke,„ſo würde doch das, ſo gewiß der Mond dort am Himmel ſteht, nichts an Deiner Beſtimmung ändern. Mach' Dich auf, Livia! Wir gehen!“
Das Mädchen halj, dem Maeſtro den Querſack
Novellen⸗Zeitung.
um die Schöpfungen unritterlicher Jahrhunderte ſtrebte 1
der graue Thurmrieſe in die lichte Atmoſphäre empor, mit ſeinen ſchwarzen Schießſcharten wie ein vieläugi⸗ ges vorweltliches Ungeheuer ſpähend um ſich blickend.
„Schloß Oldersloo!“ ſagte der Maeſtro, und nahm Livia bei der Hand.„Zittere nicht, Kind! Sieh Dir Alles genau an, ohne Zagen! Dies hier wird für die nächſte Zeit, ſo lange Gott will, Dein Aufenthaltsort ſein!“
„Aber wir werden anderwärts übernachten,— nur nicht dort! Du wirſt mich hier doch nicht ver⸗ laſſen wollen?“ ſagte Livia, ſo voll Angſt, daß ihr ſelbſt die Thränen mangelten.
„Wo ſollten wir übernachten? In der Haide? Im Walde? Hier giebt es auf weite Strecken keine menſchliche Wohnung. Du wirſt im Schloſſe ſchla⸗
fen— und ich, ja ich werde nachher meinen Weg
gehen!“ Eine tiefe Pauſe entſtand. 1
„Ich habe Dir einige Worte zu ſagen,“ begr ⸗ der Maeſtro mit zitternder Stimme;„Du haſt än Recht, ein heiliges Recht, in dieſem Schloſſe Obdach
zu verlangen. Man wird Dir Pflichten auferlegen und Du wirſt gehorſam ſein; aber vergiß es nie, keinen Augenblick, daß ſelbſt das Machtgebot des Grafen Oldersloo nicht im Stande iſt, Dich aus die⸗ ſem Schloſſe fortzuweiſen.“
Livia wandte ſich mit einer unbeſchreiblich rüh⸗ renden Bewegung zu dem Maeſtro. Sie hob die Hände und legte ſie flach an den ſtruppigen Bart des Mannes. und ließ ſie wieder los..
„Maeſtro, Maeſtro!“ flüſterte Livia;„ich habe
nen Knieen— ſage mir, biſt Du mein Vater 2“
„Ich h Vaterſtelle bei Dir vertreten! Hätte der wahnſinnige Seelenſchmerz mich ruhen laſſen, würde ich ein beſſerer Vater geweſen ſein. Ich konnte
Dich ſo oft be— jetzt flehe ich Dich auf mei⸗
umhängen und nahm ſe Dann ſchritten beide ſchweigend in das Tannendun⸗ kel und wanderten, bis ſie, am Waldesſaume ange⸗ kommen, im Nebelduft eine ausgedehnte, unordent⸗ liche Maſſe niedriger Gebände, von einem gewaltigen runden Thurme überragt, vor ſich ſahen.
Eine Birkenallee zog ſich um einen breiten, ge⸗ radlinigen Waſſergraben, von Moorpflanzen bedeckt; drüben bildeten die langgeſtreckten Wirthſchaftsgebäude eine lange, feſtungsähnliche Mauer. Auf den Ecken des Vierecks der„Waſſerburg“ ſtanden alterthümliche, niedrige Thürme. Ueber die Scheunen herüber ſchaute das Herrenhaus mit ſeinen langen Fenſterreihen, die bläulich im Mondlichte blinkten, und unbekümmert
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den Ranzen mit der wenſe anders.
Vergieb mir, Kind.“
Er wehrte ſie ſanft ab und näherte ſich dem
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Thorbogen, mitten in ein gewaltiges Gebäude ge ſprengt. Die große Eichenpforte war verſchloſſen; der Maeſtro fand aber bald eine Schlupfpforte und zo⸗ an einem Klingelzuge. Mit dünner Stimme ließ 7 ein Glöcklein hören, dem ſofort das Geheul einem halben Dutzend Hunden antwortete.
„Is wer huten?“(„Iſt Jemand drau’ fragte eine tiefe, phlegmatiſche Stimme.
„Iſt das noch immer der alte Hans⸗ fragte der Maeſtro.
„Ja, ja!“
Es ward aufgemacht; der Wächter
Er ſchloß Livia haſtig in ſeine Arme
Ankomme hof und angelweit „No
für ſich. „J Menſchen itt, nich gekannt ed an ſich nie Platze den Er unmer muß ſei de
die Taſ 76 ſaue il
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ſage i kann Kamm des F Schüt beſtehe den ſp thür,


