Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
451
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Mußt Du denn immerfort ſchwatzen? ſagte dieſer unwillig, den Kopf emporwerfend.

Ich wollte Dich fragen, ob wir hier die Nacht zubringen werden? erwiderte das Mädchen leiſe.

Ich vielleicht Du nicht! Du wirſt heute Nacht das Dach eines ſtolzen Schloſſes über Deinem Scheitel haben. In wenigen Minuten werden wir uns trennen!

Das Mädchen ſchrak zuſammen; dann ſtarrte ſie den Maeſtro ſprachlos mit einer Miene an, als habe ſie ihn nicht verſtanden.

Iſt das ſo merkwürdig? fragte der Maeſtro barſch.Habe ich es Dir nicht oft genug geſagt, daß Dein Weg nicht der meinige iſt, daß Deine

3 Wanderungen mit einem alten Bettelmuſikanten nicht

ewig währen würden? Wohlan Dein Zigeuner⸗ leben iſt zu Ende, Livia!

Du willſt mich verlaſſen, Maeſtro? rief das Mädchen, die Hände bittend erhebend, ohne es aber du wagen, ſich dem düſtern Manne zu nähern.Un⸗ Röglich, Maeſtro! Die ſchwermüthige Stimmung iſt über Dich gekommen, wie ſo oft; Du willſt mich martern ich weiß das! Soll ich Dir noch di Geige vorſpielen?

Nein!

Oder auf dem Flageolet blaſen das Nach⸗ tigallenliedchen, welches Du ſo gerne hörſt?

Ich werde es nie wieder hören! Oder willſt Du die Tarantella ſehen? O, ich

Schreck alle meine Müdigkeit vergeſſen.

er Maeſtro ſeufzte und ſchwieg. Das Mädchen war ihm näher gerückt; ſie wagte es, leiſe die Hand auf ſeine Schulter zu legen.

Maeſtro! Wenn ich Dir ſo lieb bin, wie Du mir oft geſagt haſt, ſo wiederhole as fürchter⸗ liche Wort von Trennung, oder.*

Nun? Oder 2

Ich werde krank werden und ſterben!

Der Maeſtro lachte heiſer und ſchüttelte die

ha

Ahl Du haſt mich nie geliebt! Mädchen.

Maraviglia! Da haſt Du den richtigen Punkt getroffen, Livia, antwortete der Alte kalt und barſch. Begreifſt Du das erſt heute? Hätte ich Dich ge⸗ liebt, ſo ſäßeſt Du hier nicht zerlumpt, ohne Obdach neben mir. Ich hätte Dich in ein elegantes Stüb⸗

ſchluchzte

gegeben. Ich hätte dafür geſorgt, daß Du Dir die Füße nicht wund liefeſt, daß die Sonne Deine Hände und Arme nicht verbrannte! Ich hätte Dich nicht

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Ohren die ſchmelzenden Töne Deiner Geige für ein Stück Brod und einige Pfennige zum Beſten zu ge⸗ ben! Du ſiehſt, Livia ich liebte Dich nicht und Du kannſt in aller Gemüthsruhe von mir ſcheiden. Freue Dich, Mädchen, daß Du von mir befreit wirſt. Baſta!

O Maeſtro! rief das Mädchen, ſich mit lei⸗ denſchaftlicher Haſt an ſeine Bruſt werfend.Dein Herz ſpricht anders ich höre es an dem Tone Deiner Stimme!

Ich haſſe Dich! fuhr der Alte auf.

Haſſe mich, Maeſtro! Mir aber kannſt Du nicht verbieten, daß ich Dich liebe! Du haſt mich auf dem Rücken getragen, als ich noch zu klein und zu ſchwach war, um tagelang mit Dir zu wandern. Du haſt Deinen letzten Biſſen nicht ſelbſt gegeſſen, ſondern mir gegeben.

Schweige, ſage ich Dir!

Wann ſoll ich reden, wenn Schweigen für mich

Sterben heißt? rief das Mädchen außer ſich. verlaſſe nicht, Maeſtro! Biſt Du nicht alt und ſchwach und krank? Wer ſoll Dich pflegen, wenn ich

icht bei Dir bin? Wer wird Dir Muſik machen, wenn ich fehle? Wer ſoll Dich führen, wenn der

Winter kommt, wenn die Wege verſchneit ſind und der Pfad in den langen, dunklen Abenden von einem Dorfe zum andern ſo ſchwer zu finden iſt?

Wenn der Winter kommt, lebe ich nicht mehr, murmelte der Maeſtro faſt unverſtändlich.

Du ſiehſt es, Maeſtro, Du kannſt mich nicht entbehren, rief das Mädchen, erleichtert aufſeufzend. Und nun kein Wort mehr von Trennung. Soll ich im Walde eine ſchöne Stelle aufſuchen, daß Du Dich ſchlafen legen kannſt?.

Kind, wir wollen aufbrechen! antwortete der Alte energiſch und griff nach ſeinem Ranzen.Habe wegen meiner keine Sorge ich werde nicht mehr wandern. Ich werde mich nicht weit von Dir ent⸗ fernen; wenn Du meiner darfſt, ſo werde ich auf Deinen Ruf zu jeder Secuſbe bereit ſein ſo lange ich athme. Nichts weiter davon, Livia! Wer bin ich

Dir und was? Laß fahren dahin! Gedenke der Worte des Dichters:

Ond' io per tuo me' penso e discerno, Che tu mi segui ed io sarò tua guida). Livia ſaß neben dem Maeſtro, die Hände krampf⸗ haft gefaltet und den verlorenen Blick auf die ſchein⸗ bar endloſe Haide gerichtet.

*) Drum zu Deinem Beſten denk' und beſchließe ich, daß Du mir folgeſt, und ich werde Dein Führer ſein. Dante, Inferno, Canto I.

Ich

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