450
Ringsum iſt keine Spur von menſchlichen Woh⸗ nungen. Kaum erkennt man die Thätigkeit der Men⸗ ſchenhand. Die Heerſtraße iſt, ſeit die Eiſenſchienen dem Verkehr einen andern Weg anvieſen, verödet. Einſt blank wie ein Parquetboden, erſcheint ſie jetzt voller Löcher und Regenrinnen. Die Steinhaufen an den Seiten der Straße, ſonſt nach Winkel und Richt⸗ ſcheit aufgebaut, liegen da wie Mauertrümmer, zwi⸗ ſchen denen Grashalme ſproſſen. Dem Meilenzeiger
iſt der eine Arm abgeſchlagen— Niemand hat daran
gedacht, den Schaden zu erſetzen.
Von Zeit zu Zeit ſchwirrt ein lang gezogener, melodiſcher Ton durch die nächtliche Stille. Iſt es die Glocke eines fernen Kirchthurmes? Der Einge⸗ borene der Haide, welcher die Eigenthümlichkeit der⸗ ſelben kennt, den Schall abzuändern, hätte das Ge⸗ heul von den Rüden eines weitab von der Heer⸗ ſtraße lagernden Schäfers erkannt, der, gleich dem Bienenvater oder Imker, als der Nomade der Haide erſcheint.
Dicht neben der Heerſtraße, jenſeit des Gra⸗
bens, wo anſtatt des mehlfeinen Sandes ſich der enſs
ſtiſche Teppich der kurzen Haide darbot, gingen zwei Wanderer. Die erſte Figur war ein Mädchen, welches ein buntes Tuch um den Kopf geſchlagen hatte und einen kleinen viereckigen Kaſten unter dem Arme trug. Die Kleider dieſer ſchlanken, behenden Geſtalt, welche friſch vorwärts ſtrebte, waren, wie man ſchon auf den erſten Blick ſah, zerlumpt.
Hinter dem Mädchen ging mit gebücktem Haupte
ein langer, magerer Mann, welcher einen Jagdranzen aus deſſen Oeffnung der An der an⸗
an der linken Seite trug, Froſch eines Geigenbogens hervorſah. dern Seite hielt ein Querſack, ziemlich vollgeſtopft, dem Ranzen das Gegengeywicht.
Haarſtreifen fielen in ſich am Kinn mit den Locken des dunklen Barte Der Mann ſchien ſehr ermüdet zu ſein und als we er verdrießlich über ſeine Schwäche ſei, murmelte un brummte er fortwährend für ſi hin. Ein Gend'arm, welcher des Weges gekommer wäre, de die beiden Nachtwanderer unfehlbar fü jüdiſche Bettelmuſikanten gehalten haben.
Als der Mann an den defeeten Meilenzeiger ge⸗
langt war, ſtand er ſtill, holte einige Male keuchend nes,
Athem, lüftete ſeine Bürde und ſah ſich in der Ge⸗
gend um.
„Hier iſt der Hochwald,“ murmelte er;„dort zuiigen ſſtehen die einzelnen drei Tannen und hier iſt der
Novellen⸗
Das Geſicht des Mannes, welcher den Hut tief in die Stirne gezogen hatte, war Bart, faſt nichts als Bart. Lange zottige Nacken herab und miſchten
Zeitung.
Weg nach Oldersloo. He, Livia! Per Bacco, wohin
willſt Du?“
„Hier bin ich, Maeſtro!“ rief das Mädchen mit wohlklingender Stimme, indeß ſie ſich raſch umwandte und mit fragend erhobenem Kopſe den Mann anſah. „Sono lasso! Ich bin müde, Mädchen! Mit meinen großen Märſchen iſt's bis an das Finale ge⸗ kommen! Hilf mir, daß ich den Querſack abnehme.“
Das Mädchen gehorchte mit einer ängſtlichen Haſt; der Querſack ſank lautlos auf den Teppich von Tannennadeln am Waldesſaume und der Ranzen folgte.
Stöhnend warf ſich der Maeſtro Genannte auf den Boden, nahm den Hut ab und ſtützte ſich auf den Ellenbogen. Im hellen Mondlichte erkannte man das gelbe, bartumzogene Antlitz mit der ſchwarzen Naſe, den tiefliegenden, großen Augen, welche eine faſt erſchreckende Beweglichkeit beſaßen, und die hohe
ſchwarzgraue Haarzotteln herabhingen. der ganze Kopf war der Typus des tiefſten Grames, welcher ſich längſt der Hoffnung entwöhnt hat.
„Willſt Du eſſen, Maeſtro?“ fragte das Mäd⸗
ſacks greifend.
„Nein, Mädchen.“
„Oder trinken? Glaube mir, das würde Dir wohlthun, Maeſtro!“
„Nichts, nichts! Non voglio bever niem melte der Mann.„Doch, Livia, Du haſt mir die Rumflaſche! Nie hatte ich die ſtygit nothwendiger, als jetzt.“
Flaſche. Er wo ſelbe in der Hand und gab ſie dann zurück.„Fork! Meine Erinnerungen ſollen nicht er⸗
tödtet, ſondern zu neuem Leben erweckt werden. Wie bin ich innerlich ſo erſchöpft, ſo ausgebrannt, wie ein ter Vulcan! Lasso— sono lasso!“ Der mit dem ſtolzen Titel eines Maeſtro Be⸗ eichnete ſtützte den Kopf auf die ſchmale, lange Hand und verſank in Schweigen. Etwa zwei Schritte weit von ihm hatte das Mädchen ſich niedergelaſſen. 9 ſchnürte ihre zerriſſenen Zeugſtiefelchen feſt, ſtreifte das Kopftuch ab und ſah ihren Gefährten mit einem halb ſcheuen, halb mitleidsvollen Blicke von der Seite ⸗[an. Das Mädchen war noch ſehr jung— ein fei⸗ intelligentes Geſicht mit 4 ⸗ blauen Augen, dem die blaſſe Farbe, das überreiche braune ſan und die Mondbeleuchtung etwas Jremd⸗ Elfenhaftes verlieh. Maeſtro!“
1
Stirn mit den kahlen Schläfen, über welche einzelna Das Geſicht
chen raſch niederknieend und in den Schlitz des Quer⸗
Das Mädchen reichte ihm ein fein geſchliffene
Sie
rechend blickenden,
dieſer un „Idl zubingen „It Nacht da Scheitel uns tren Da den Ma ſie ihn „J batſch. daß Dei Panderuu ewig waͤl leben iſt „Du Mädchen, 6 wagen näglic,
uber dich
martern Geige vo
„R O
„D
tigallenlie
7Jch Od
Das es, leiſe
„Mar getoffen waaſ


