Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
443
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Vierte Folge. 443

ft über ſeinzel⸗

une belte eine Trombe von Staub, die immer dicker wurde.

vom Himmel fuhren Blitze herab. Es erſchien den Leu⸗ als ob die Sonne ſich hin und her bewege; am Himmel

t einigen Tagen erzählte man ſich von Rieſen, die bald Gebirge, bald von der Ebene aus in die Luft emporſtie⸗ Jetzt erhoben ſie ſich in der Geſtalt von Qualmwir⸗

n wird

3 Ge⸗ a; zugleich vernahm man ein ſeltſames Getöſe, ein fürch⸗ dain lches Gebrüll, und dann jagte ein gewaltiger Donner⸗ en ig den andern. So kam die Schreckensnacht, aber in die an dit. einſchwarze Finſterniß glühten entſetzliche Flammenmaſſen bere⸗ ein. Die von Angſt gepeinigten Menſchen rannten in N Gaſſen umher und riefen:Der Veſuv hat Feuer ge⸗ ven gen! Nun ſtürmten die vom Schreck Ueberwältigten aus

Amphitheater heraus, das genug Thüren darbot; Keiner unen de erdrückt. Manche eilten ſofort auf das Land und ret⸗ gungen ſich.

nonten Nach der erſten gewaltigen Erſchütterung kam eine

¹ eine ndſtuth von Aſche, und dann eine feurige Sündfluth. en zun ß Wind trieb leichte, glühende Steine in ungeheurer Ankün⸗ ge umher, es war, als ob flammender Schnee die Luft u An lle. Er fiel langſam herab; er hörte nicht auf; er fiel für Er⸗(Stunde, zwei Stunden, immer fort, ließ nicht nach, war .Nan germherzig und verhängnißvoll. Dieſes feſte Feuer füllt Gaſſen aus, häuft ſich auf den Dächern an, drückt ſie ein, So liſt Galken krachen und fangen Feuer. Dieſes dringt bis in Anderer Püntergeſchoſſe und die Höfe, welche mehr und mehr aus⸗ nos und aufgefüllt werden, da der unbarmherzige, feurige Schnee Auch phläſſig hinabfältt. Wer irgend kann, ſucht ſich zu retten,

Viele, die lediglich für ihr Leben Sorge tragen, ſind dan den pllich genug, einem grauſenvollen Tode zu entrinnen. er Kats⸗ ßß Amphitheater iſt öde, dort liegen nur die getödteten

diatoren. Aber wehe Allen, die etwa Schutz unter den heſtigen ſmen, den Bogengängen der Theater oder in Untergeſchoſſen Theater, ucht haben! Sie werden von der Aſche eingehüllt und er⸗ ſer und ſt. Und wehe auch denen, welche nicht von Hab und Gut en dann ſi wollen, wie die Frau des Proculus, die Geliebte des jen; det tluſtius und die Töchter im Hauſe des Poeten; ſie wollten Widder⸗ ſc Schmuck und Edelſteine retten, verſpäteten ſich und ſan⸗ aner zu ferſtickt neben dieſen Schätzen nieder. In dem Atrium

echerſtle ſen dem Hauſe des Faunus lief eine Frau aufs Gerathewohl erSiadt her; als ſie nicht mehr athmen konnte, flüchtete ſie ſich neumc⸗ ſer das Tablinum und hielt ihre Hände empor, um die kam in ſtirzende Decke abzuwehren. Vergeblich; die Decke ſank Ganze riß ihr den Kopf hinweg. ziemn⸗ In der Gräberſtraße begegneten dichte Menſchenknäuel ntergang uander, denn viele Leute kamen vom Land in die Stadt, um dier, der Rettung zu ſuchen, während Andere aus den brennenden varen in ſiſern hinaus unter den freien Himmel flüchteten. Ein und in ſun ſtürzte vorne über, ſeine Füße ſind dem herculaniſchen 4 te zugekehrt; ein Anderer ſank auf den Rücken und ſeine Jahres ſue hält er weit ausgeſtreckt; er hatte 127 Silbermünzen henregen 69 Goldmünzen. Eine Frau hatte ihr Kind auf dem ne; ſie ſuchte Schutz in einem offen ſtehenden Grabmal von der ſwurde dort von der Aſche und den glühenden Steinen darüber ſcſam eingemauert. Ein Soldat, der am herculaniſchen inen der br⸗ Schildwacht ſtand, blieb auf ſeinem Poſten ſtehen; in ſe und ſeinen Hand hatte er die Lanze, die andere hielt er vor den hen Ree ind, damit die Aſche nicht hineindringe. So ſtarb er. ullich ge Familie des Diomedes hatte im Keller eine Zuflucht ge⸗ hülfe; ſt ſie alle wurden lebendig begraben, Frauen, Kinder und det, be⸗ Fungfrau, deren Buſen einen Abdruck in der Aſche hinter⸗ en hat; ſie alle lagen dicht neben einander gedrängt, und tie Ede s Mangel an Luft oder vor Hunger geſtorben. Arrius

Diomedes ſelber hatte ſein Haus verlaſſen und nur einen Sclaven mit ſich genommen, der die Börſe trug; aber gleich hinter ſeinem Garten fiel er todt nieder.

Noch vieler anderer Menſchen tragiſches Ende iſt uns wohlbekannt. Ein Prieſter der Iſis ſah ſich von allen Sei⸗ ten her von Flammen eingeſchloſſen und auch in den Straßen wallte ein feuriger Strom; da durchſchlug er mit einer Hacke zwei Mauerwände; vor der dritten ſank er aus Mattigkeit nieder, oder weil ihm der glühheiße Brodem den Athem be nahm; aber die Hacke hat er auch im Tode nicht aus der Hand gelegt. Und nun die Thiere, welche angebunden waren und deshalb nicht entfliehen konnten! So der Mauleſel in der Bäckerei, die Pferde im Gaſthofe des Albinus, die Ziege des Siricus, welche ſich unter den Küchenheerd flüchtete und die man dort mit einem Glöckchen um den Hals gefunden hat. Die Gefangenen in der Kaſerne der Gladiatoren waren an die eiſernen Klammerhaken in der Mauer befeſtigt, und ihnen war alſo ſelbſt ein Verſuch zum Entfliehen unmöglich.

Die Nacht war entſetzlich und der auf ſie folgende Tag nicht minder grauenvoll. Eigentlich kann von einem Tage keine Rede ſein, denn die Finſterniß dauerte fort. Es war nicht jene einer mondloſen Nacht, ſondern wie das Dunkel eines Gemaches, in welchem Thür und Fenſter mit Vorhän⸗ gen verhüllt worden ſind. Plinius der Jüngere befand ſich während der Kataſtrophe, die er vortrefflich beſchrieben hat, in Miſenum; dort ſchrieen Kinder, Männer und Frauen durcheinander, riefen ihre Namen, konnten einander nicht ſehen, erkannten ſich aber an der Stimme, wünſchten ſich den Tod, weinten und wehklagten; ſie glaubten, jene ewige Nacht ſei hereingebrochen, in welcher Götter und Menſchen zumal der Vernichtung anheimfallen ſollten. Dann wurde der Aſchenregen ſo dicht, daß, neun Wegſtunden vom Veſuv ent⸗ fernt, jeder im Freien befindliche Menſch unabläſſig die Aſche von ſich abſchütteln mußte, um nicht erſtickt zu werden. Sie ſoll bis nach Afrika hinüber getrieben worden ſein; gewiß iſt, daß ſie in Rom die Luft verfinſterte. Nach und nach wich das Dunkel dem Lichte, aber die Sonne ſchien ganz matt und bleich, wie bei einer Finſterniß, und ganz Unteritalien war wie mit einem ſchwarzen Bahrtuche überdeckt.

Seitdem in Pompeji Ausgrabungen veranſtaltet werden, hat man etwa 600 Menſchengerippe zu Tage gefördert. Im vorigen Jahre bemerkten die Arbeiter in einer kleinen Gaſſe einen leeren Raum, in welchem Gebeine lagen. Fiorelli ließ dort und an anderen Stellen dieſen Raum mit Gyps ausgie⸗ ßen und nach einiger Zeit vorſichtig die Kruſte von Bimsſtein und verhärteter Aſche wegnehmen, welche gewiſſermaßen einen Ueberzug gebildet hatte. Dann kamen vier Leichen zum Vor⸗ ſchein, die ſich jetzt im Muſeum zu Pompeji befinden, wo man ſie mit voller Muße betrachten kann. Die eine iſt jene einer Frau, neben welcher man 91 Goldſtücke, zwei Silbergefäße, Schlüſſel und Juwelen gefunden hat. Sie war auf der Flucht in der kleinen Straße, als ſie niederſank; ſie liegt auf der rechten Seite; man erkennt noch ſehr gut ihren Kopf⸗ ſchmuck und das Gewebe ihres Kleides; ſie trug zwei ſilberne Ringe an den Fingern; die eine Hand iſt zerbrochen und man ſieht die Porenſtructur der Knochen; der linke Arm iſt erho⸗ ben und gewunden, die zarte Hand ſo krampfhaft zuſammen⸗ geballt, daß man meint, die Nägel müßten ins Fleiſch gedrun⸗ gen ſein. Der ganze Körper erſcheint wie aufgedunſen und zuſammengezogen; nur die Beine ſind ausgeſtreckt. Die Arme muß lange und unſäglich gelitten haben. Hinter ihr waren eine andere Frau und ein Mädchen zu Boden geſun⸗ ken; die Beine von Mutter und Tochter liegen kreuzweis über

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