Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
442
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442 Novellen⸗ der kahlen Fagaden, brachten Abwechslung von Licht und Schatten hervor. Dazu kamen die Brunnen und ſonſtige kleinere Monumente, und das Ganze macht durch die helle Tünche und vielerlei Malerei auf den Außenwänden einen heitern Eindruck. Der Gewürzkrämer, der Weinſchenk, der Verkäufer von Lebensmitteln ſaß in ſeinem offenen Laden, in deſſen Mauerwand ſteinerne Abſätze angebracht waren, auf welchen ſeine Waaren ſo lagen oder ſtanden, daß der Vor⸗ übergehende ſah, was feilgeboten wurde. Es wird vor den Auslegebretern lebhaft genug hergegangen ſein, denn der Süd⸗ länder ſpricht laut und geſticulirt viel; man kann das in Ne⸗ apel vortrefflich beobachten. Dieſe Verkaufsläden ſtehen jetzt verödet, aber an den Schildern ſehen wir, wer die Inhaber waren. Eine Ziege von Terra cotta zeigt an, wo Milch verkauft wurde; ein von einem Eſel gedrehter Mühlſtein, wo ein Müller Mehl feil bot; zwei hinter einander gehende Männer tragen auf einer Stange eine Amphora; dort war Wein zu haben. In anderen Läden, die kein Schild hatten, fand man Handwerksgeräthe, in einem Hauſe der herculanen⸗ ſiſchen Straße z. B. Hämmer, Zangen, eiſerne Reife, eine Wagenſchraube und eine Radfelge; dort hat ein Schmied ge⸗ wohnt. Bei einem Töpfer findet man einen merkwürdigen Ofen, deſſen Wölbung aus hohlen, in einander geſchachtelten Kielen von Terra cotta hergeſtellt iſt. In einer Barbierbude ſehen wir noch den ſteinernen Sitz, auf welchem die Kunden bedient wurden. Die Parfumeriebuden ſind zahlreich gewe⸗ ſen; zwei Apotheken haben als Aushängeſchild eine Schlange (das Attribut Aesculap's), welche einen Tannzapfen frißt; bei ihnen fand man Pillen, Phiolen mit eingetrockneten Flüſ⸗ ſigkeiten und eine Büchſe aus Bronze mit verſchiedenen Ab⸗ theilungen; eine derſelben diente für den Spatel. Bei einem Wundarzt fand man eine ganze Sammlung chirurgiſcher Werkzeuge, welche jetzt im Muſeum zu Neapel ausgeſtellt ſind, und zwar nicht weniger als 300 Stück. Dieſe reiche Samm⸗ lung beweiſt, daß die Alten ſehr geſchickte Chirurgen waren und eine Menge von Inſtrumenten hatten, die man für Er⸗ findungen der neuern Zeit zu halten geneigt war. Beim Farbenhändler hat man 14 Gerippe gefunden; der Bildhauer war vollauf beſchäftigt, als der Unglückstag hereinbrach, denn man fand bei ihm noch eine Anzahl unfertiger Marmorſta⸗ tuetten, Meißel, Feilen und anderes Geräth.

Pompeji alſo hatte ſeine Künſtler, aber auch viele Hand⸗ werker, unter denen die Walker eine angeſehene Körperſchaft bildeten; ihr großes Werkhaus, die Fullonica, iſt noch vor⸗ handen. Ein Oelhändler hatte einen ſehr eleganten Laden in einer Straße, welche zum Odeon führt; ſein Ladentiſch be⸗ ſtand aus grünem und weißem Marmor. Bei der Ausgra⸗ bung ergab ſich, daß in acht Gefäßen noch flüſſiges oder we⸗ nigſtens klebriges Olivenöl vorhanden war. Die zahlreichen Thermopolen vertraten die Stelle unſerer Kaffeehäuſer; man verkaufte dort warme Getränke und gewürzte Weine; die Oenopolen entſprechen unſern Schenken, die Popinae unſern Garküchen niedriger Art; in dieſe ſchickten die Prieſter zum Verkaufe, was ihnen von den geſpendeten Opfergaben übrig blieb. In der herculanenſiſchen Straße iſt eine Bäckerei, welche den ganzen innern Raum des Hauſes einnimmt; im Hofe ſtanden vier Mühlen, deren Steine vermittelſt einer hölzernen Vorrichtung von Menſchen oder Eſeln in Bewe⸗ gung geſetzt wurden. Fiorelli hat unlängſt einen Bäckerofen ausgegraben, der ſo gut verſchloſſen war, daß auch nicht eine Spur von Aſche eindrang; in demſelben lagen nicht weniger als 81, allerdings nun etwas altbackene Brode, durchaus wohlerhalten, genau ſo wie ſie der Bäcker anno 79 am 23.

Zeitung.

November hineingeſchoben hatte. Fiorelli war entzückt über dieſen Fund, kroch ſelbſt in den Ofen und reichte die einzel⸗ nen Brode heraus. Sie ſind hart und ſchwarz, rund, in der Mitte etwas eingedrückt, wogen etwa ein Pfund(1204 Gram⸗ mes), und haben acht Abtheilungsſtriche. In Sicilien wird noch heute eine ganz ähnliche Art von Brod gebacken.

Denken wir uns alles bisher Geſchilderte als ein Ge⸗ ſammtbild, ſo können wir uns vorſtellen, daß die Straßen Pompeji's belebt genug waren. Aus den oberen Stockwerken der Häuſer, die nun zumeiſt eingeſtürzt ſind, konnte man die⸗. ſelben überſehen, denn ſie hatten Fenſter nach außen, übertre⸗ tende Balkons, die bedeckt waren, und lange Gänge. Die Hausfrau ließ von dort herab ihren Korb, in welchen die mit Gemüſe ꝛc. handelnden Männer und Frauen ihre Waare leg⸗ ten. Genau ſo geſchieht es heute noch in Neapel. Brunnen fehlten nicht; die Mauern waren mit allerlei Ankündigungen bedeckt, durch welche man dem Mangel an Zeitungsannoncen abhalf. Wir leſen Empfehlungen verſchiedener Art; eine Anzahl von Bürgern ſchlägt den oder jenen Candidaten zum Amt eines Aedilen oder Duumvir vor; eine andere Ankün⸗ digung enthält das Programm für die Schauſpiele im Am⸗ phitheater, macht die Gladiatoren namhaft, ſagt, daß für Er⸗ friſchungen ausreichende Vorkehrungen getroffen ſeien. Man bietet Zimmer zum Vermiethen aus.

AuchNarrenhände beſchmierten Wände. So lieſt man:Der Laſtträger Oppius iſt ein Dieb! Ein Anderer ſchreibt:Unter dem Conſulate des L. Nonius Asprenas und des A. Plotius iſt mir ein Eſelfüllen geboren worden. Auch vor Verunreinigung der Straßen wird gewarnt.

Wir entheben zu dieſer kurzen Schilderung von dem

ſtrophe des Unterganges ſelbſt.

Schon im Jahre 63 war die Stadt von einem heftigen Erdbeben heimgeſucht worden; mehrere Tempel und⸗Theater, die Säulengänge am Forum, die Baſilika, viele Häuſer und Grabmäler ſtürzten ein. Die meiſten Bewohner waren dann geflohen und hatten die beſte Habe mit ſich genommen; der Senat zögerte lange, bevor er ſeine Erlaubniß zum Wieder⸗ aufbau ertheilte. Nach und nach kamen die Pompejaner zu⸗ rück, aber die Decurionen verfügten, daß die Wiederherſtel⸗ lung zugleich eine Verjüngung und Moderniſirung der Stadt ſein müſſe. Nun erhielten die Säulen am Forum neumo⸗ diſche Capitäler; die römiſch⸗ korinthiſche Ordnung kam in faſt allgemeine Aufnahme, und dadurch erhielt das Ganze einen andern Styl. Mit der Herſtellung ging es gewiß ziem⸗ lich raſch von ſtatten, denn als der vollkommene Untergang hereinbrach, ſtanden ſchon wieder die Tempel des Jupiter, der Venus, der Iſis und der Fortuna; die Theater waren in gutem Stande, die Häuſer mit Gemälden geſchmückt, und in den Straßen wogte ein munteres Leben und Treiben.

Die Pompejaner feierten am 23. November des Jahres 79 nach Chriſti Geburt ein großes Feſt, als der Aſchenregen über ihre Stadt ſich entlud.

Wir können uns einigermaßen eine Vorſtellung von der entſetzlichen Kataſtrophe machen, denn wir haben darüber Schilderungen alter Schriftſteller; wir ſehen die Ruinen der Stadt, die übereinander geſchichteten Lagen von Aſche und Bimsſtein und die Gerippe der Unglücklichen, welchen Ret⸗ tung unmöglich war. Alle dieſen Zeugen reden deutlich ge⸗ nug; wir brauchen die Einbildungskraft nicht zu Hülfe zu nehmen, und wer die Straßen Pompeji's durchwandert, be⸗ greift ſofort Alles.

Tauſende ſaßen im Amphitheater; da erbebte die Erde

Eindruck der pompejaniſchen Straßen noch die von der Kata⸗

tom Himmel als ob die S late eine Tro einigen Tag Gebitge, bal etzt erhob zugleich vel ttes Gebrüll den andern Uſcwarze gie n. Die vor Guſſen umher enl Nun ſt Amphitheate le erdrück. üc.

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