440 Literariſche Briefe von Otto Banck.
Darſtellungen aus der Sittengeſchichte Roms. Von Ludwig Friedländer. Leipzig bei Hirzel. 1865.
Meine oftmaligen Klagen über den Mangel ſpe⸗ cieller und anregend geſchriebener Culturgeſchichts⸗ werke, namentlich der alten und mittleren Zeit, wer⸗ den Sie immer mehr im Verlaufe der Literatur beſtätigt finden. Erſtens iſt in letzterer Zeit manches hierher gehörige Werk unternommen worden, und fer⸗ ner fanden die wenigen vorhandenen auch bei dem großen Leſerkreiſe eine günſtige Aufnahme, wie das die kürzlich edirte zweite Auflage des oben genannten Werkes deutlich beweiſt.
Nicht ganz ſo complicirt, aber doch nicht viel einfacher als unſere modernen Lebens⸗ und Cultur⸗ verhältniſſe waren die des antiken Rom zu deſſen Blüthe⸗ und Verfallzeit. Alles, was bis dahin durch Aegypten, Griechenland und den übrigen Orient an Wiſſenſchaften und Künſten, an Handel und Induſtrie, an ſtaatlichen, militäriſchen und geſellſchaftlichen Ver⸗ hältniſſen, an religiöſen Culten, ja an allen guten und ſchlimmen Erzeugniſſen des Menſchengeiſtes ge⸗ ſchaffen war, ſehen Sie in der Stadt der Cäſaren zu⸗ ſammenfließen und zum Material des täglichen Le⸗ bens, zum Segen des Daſeins wie zum Spiel des Uebermuths verbrauchen.
Es gab nie ein umfangreicheres Staatsgebiet und Staatenleben, wie jenes der merkwürdigen römi⸗ ſchen Kaiſerepoche.
Man darf aber ſagen, daß uns das römiſche ſpecielle Geſchichts- und Culturmaterial nicht blos wegen ſeiner nie wieder dageweſenen Größe imponi⸗ rend feſſelt und geiſtig beſchäftigt, die Theilnahme für dasſelbe noch außerdem durch einen andern Umſtand nahe gerückt wird: es iſt die
Thatſache, daß unſere ganze moderne Civiliſation,
unſere Art und Geſchicklichkeit oder Ungeſchicklichkeit im Regieren, unſer Geiſt der Geſetze, unſere bürger⸗ lichen Inſtitutionen, mit Erlaubniß zu reden auch unſere Standesvorurtheile und diplomatiſchen Künſte die directeſten Erben der römiſchen Welt ſind. Wir haben faſt alle Lebensformen von Rom überkommen und uns meiſtens nur mit kleinen zeitgemäßen Abän⸗ derungen oder Hinzuerfindungen im Geiſte des Gan⸗ zen zu befaſſen nöthig gehabt. Der vorhandene Ap⸗ parat war unvergleichlich, und wenn er bis auf die letzten Tage ſehr geſchickt benutzt wurde, ſo iſt doch ſeine Ausbeute bei weitem noch nicht erſchöpft.
Ja, wir köͤnnten aus der Verwaltung des alten
ſondern daß uns
Novellen⸗Zeitung.
Rom, überhaupt aus den antiken Regierungsmaximen
noch Manches lernen. Es iſt bei uns der dritte und vierte Stand,— wenn wir den zopfigen Ein⸗ theilungsbegriff in vier Stände als einen Nothbehelf beibehalten wollen,— welcher ſich in ſeiner ungün⸗ ſtigen Stellung ſehr wenig öffentlicher Berückſichti⸗ gung von Seiten der ſocialen Verwaltung zu erfreuen hat. Gewiß ſoll hier nicht verkannt werden, daß un⸗ ſere moderne Zeit auf ganz anderen Grundanſchau⸗ ungen fußt, als die des Alterthums. Rom ging von dem Princip aus, daß die Menge der untern Volks⸗ ſchichten vom Staate mehr oder weniger erhalten werden müſſe, und ſchon die Sclavenverhältniſſe nöthig⸗ ten neben manchen anderen hier nicht zu erörternden Umſtänden zu jener Maßregel des panem et circenses. Wir huldigen dieſer Maßregel nicht. Bei uns ſind die unterſten Stände auf die tägliche Menſur der Selbſterhaltung geſtellt. Die Theorie dieſes Grund⸗ ſatzes iſt richtig, da der entgegengeſetzte keineswegs zur Erhöhung der moraliſchen Kraft beitragen und die Maſſen ſittlich majorenn machen kann. Doch wir gehen in der praktiſchen Ausführung zu unerbittlich weit und unſere Gegenwart wird als Beweis dieſer Thatſache von tauſend ängſtlichen Fragen über das Anwachſen des Proletariats gefahrvoll bedrängt. Das Geſpenſt des freien weißen Sclaventhums iſt die brü⸗ tende Sphinx, welche uns unheimliche Räthſel auf⸗ giebt und ihren Oedipus noch nicht gefunden hat.
Zur Löſung dieſer Aufgaben werden wir, ſo glaube ich, noch Einiges von den antiken Völkern zu lernen haben. Wie könnte davon die Rede ſein, daß ſich die alte Ariſtokraten- und Tyrannenmethode, die Menge durch öffentliche Spiele zu beſchäftigen, mit ehrenwerthen Tendenzen irgendwie vereinigen ließe! Aber giebt es nicht andere Inſtitutionen, die zum phyſiſchen und pſychiſchen Wohle der Maſſen beitra⸗
gen würden und von denen einige in Rom exiſtirten?
Sind unſere modernen Steuern ſo gelegt, daß ſie kräftig genug da eingreifen, wo das Vermögen oder der Gewinn, und daß ſie mit verhältnißmäßig geringen Procenten den Mittelſtand treffen und die unterſte Volksſchicht womöglich ganz verſchonen? Haben wir es etwa endlich dahin gebracht, unſere Theater zu wahren Bildungsſchulen des Geiſtes und der edlen bürgerlichen Grundſätze emporzuarbeiten, und iſt Sorge getragen, daß ſich an dieſen Segnungen auch Dieje⸗ nigen betheiligen können, welche keine Mittel haben, dafür zu zahlen? Haben wir es zu öffentlichen Biblio⸗ theken gebracht, die nicht als gelehrte, ſondern als Volksinſtitute dem Unbemittelten die wahren Bil⸗ dungsbücher in Tauſenden von Exemplaren gratis darleihen? Stehen in unſerer modernen Zeit öffent⸗
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