Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
439
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16Ja!

ein junges Paar ein. bleicher der Bräutigam feſt ſtehen ſie an einander geſchmiegt, um des Lebens Leid und Freude gemein⸗

Vierte Folge.

reits unter der Kiefer ſaß und nach dem Dorfe hin⸗ ſchaute.

Sie murmelt:Ich trat in den Wald er wartete auf mich und ſchaute ſich nach allen Seiten um, ob Jemand uns belauſche. Ich erſchrak ich ahnte. Jetzt kam er zu mir, um mich zu umfaſſen. Ich liebe Dich, Moth,- flüſtert er; ich war ſo gluͤck⸗ lich. Jetzt aber iſt alle Hoffnung dahin und mit Sehnſucht blicken wir auf das Grab, das uns beide vereinigen ſoll. Was muß ich erdulden, Vater im Himmel! Aber ach, wie klein und winzig erſcheint mir das Leiden, das er ſeit fünf Jahren getragen! Meine Bitten, mein Flehen beim Staatsanwalt hal⸗ fen nichts die Geſchwornen ſprachen das Schuldig, dann führten ſie ihn in den Kerker auf Nimmerwie⸗ derſehen für dieſes Leben! O himmliſcher Vater, laß bald die Stunde kommen, in welcher ſeine Un⸗ ſchuld an den Tag kommt. Sende einen Deiner En⸗ gel, der mir die Botſchaft bringt!

Sie ſchaute auf den Pfad. Der dreizehnjährige David Drude wurde ſichtbar er kam näher und blieb vor der Jungfrau ſtehen.

Armer Drude, ſagte Moth,auch Du biſt ſo unglücklich; Dein Bruder iſt ertrunken.

Ja, erwidert der Knabe,ich bin's. bringe ich Dir einen Brief von ihm.

Mir, David? Sie nimmt ihn zaudernd, ſieht die Adreſſe, erbricht ihn und lieſt.

Heiliger Gott Knels' Unſchuld iſt an den Tag gekommen! David, Dein Bruder Benjamin war der Mörder Lebrecht's!

David ſank zuſammen.

Hier

Die Glocken des Kirchthurms zu Pröbbernau hallen weit in die Haide. Im Gotteshauſe erklingt ein frommer Geſang vieler Stimmen, deren Schall ſich mit der Orgelbegleitung harmoniſch vereinigt.

Der greiſe Pfarrer ſteht am Altare und ſegnet Bleich iſt die Braut,

ſchaftlich zu tragen. Nun ſprechen ſie das laute Sie ſind verbunden. Die Menge gafft; die alte Frau Tens flüſtert dem rothhaarigen Jonathan zu:Gut, daß beide unſchuldig ſind! In Duhnke's Hauſe verſammeln ſich die Hoch⸗ zeitsgäſte. Ein Mahl vereinigt ſie Alle, auch der Herr Pfarrer fehlt nicht. Er ſitzt neben der jungen Frau, die ihrem Knels freundlich in die Augen ſchaut. Nun erheben ſie ſich. Der Herr Pfarrer hält ein Tiſchgebet.

noch

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Meine Lieben, ſagt er darauf,ich habe Euch noch einen Brief zu leſen.

Alles horcht auf.

Der Herr Pfarrer beginnt:

Liebe Erdmuthe! Wenn Du dieſen Brief er⸗ hältſt, gehöre ich nicht mehr zu den Lebendigen ich ſtehe dann vor dem Throne des Ewigen, der mir meine Sünde verzeihen mag; denn nicht Knels, ſon⸗ dern ich bin der Mörder Lebrecht's. Knels iſt un⸗ ſchuldig verurtheilt. Damals in der Nacht, als mein Vater geſtorben war, erzählte mir meine alte Mutter, die ich über Alles liebte, daß Lebrecht ſie in der Haide im Beiſein Knels' mißhandelt habe. Ich beſchloß, mich dieſerhalb zu rächen. Hätte ich den Ambulanten nicht geſehen, wär's beſſer geweſen; aber gleich darauf führte mich ein Zufall mit ihm in der Haide zuſammen. Wir geriethen in Streit er ſchoß auf mich die Kugel ſtreifte mir die Wange, dann hetzte er den Hund gegen mich los. Ich zog meinen Säbel, den ich damals als Soldat an meiner Seite trug, durchſtach erſt Lebrecht und dann ſeinen Hund, der mich angriff. Ich glaubte, die Sache würde auf ſich beruhen; aber als Knels unſchuldig ergriffen und verurtheilt wurde, folterten mich Geiſſensbiſſe und bittere Reue. Ich kam von Berlin nach Hauſe, ich ſah und hörte alles Leid, das Herz wollte mir brechen. Die Habe meiner Eltern war verſchuldet, mein Bruder David ein Kind. Ich lehrte ihn arbei⸗ ten und erwerben, hatte Glück in allen Unternehmun⸗ gen und ſparte in kurzer Zeit ein kleines Vermögen für ihn, dann beſchloß ich, mich in der See zu er⸗ tränken, denn ich fand keine Ruhe in dieſer Welt. Heute führe ich meinen Entſchluß aus. Ade lebt wohl auch Du, Bruder David! So iſt's beſſer! Aber bei den Wunden des gekreuzigten Heilandes

Knels iſt unſchuldig. Betet für mich. Lebe wohl, Moth.

Still war's im Zimmer.

Komm her, David, ſagte Knels,von jetzt

ab ſei Du mein Bruder dem Todten iſt Alles vergeben!

David ſank Knels an die Bruſt.

Der Herr Pfarrer aber ſprach: richtet!

Und Moth und Knels? Sie ſind glücklich ge⸗

Gott hat ge⸗

den Armen. Der alte Duhnke erreichte ein hohes Alter und ſtarb von vielen Enkeln beweint.

worden, geachtet von ihren Mitmenſchen, geliebt von

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