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ſehe es an Deinem Auge, Deinem Blick, daß Du nichts mit dieſem Teufel gemein haſt!“
„Ich bin Dein Vater!“
„Du— Du— mein Vater? So gehe hinaus und züchtige ihn, der mich ſo verleumdet.“
„Wie kann ich das?“
„Feigling Du— Feigling Du!— Du läßt die Schuld auf Deinem Kinde haften, läßt hinaustragen in alle Welt, daß es ehrlos, daß es ſchlecht ſei?— Geht doch Alle von mir— Alle, wie Knels von mir gegangen, ohne zu prüfen, ohne zu fragen!“
„Beruhige Dich!“
„Das kann ich nicht. Ich bin mir keiner Un⸗ treue bewußt“— ihre Bruſt hob ſich, ihr Athem keuchte—„ich habe Knels geliebt, wie keine ſterb⸗ liche Seele, ich habe mich glücklich geſchätzt, ihm an— zugehören, und er glaubte nicht an meine Schwüre, meine heiligſten Betheuerungen!“
„Für Dich findet ſich eine beſſere Partie!“
„Für mich Menſch— für mich Menſch? Hebe Dich weg von mir! Du willſt mich zu einem Buben⸗ ſtück verleiten. Mein guter, unbeſcholtener Name muß erſt hergeſtellt werden, ehe ein Mann von Ehre im Stande iſt, mir ſeine Hand zu reichen; aber ich weiſe ſie Alle ab— ſie Alle!“
„Kennſt Du nicht mehr Deinen Vater?“
Sie lächelte und griff mit den Händen um ſich, und ſagte:„Hinweg von mir— hinweg! Des Him⸗ mels Thore öffnen ſich— dort ſehe ich meinen Va⸗ ter.“ Dann ſank ſie auf ihre Kiſſen zurück.—
Unten in der Gaſtſtube hatten ſich viele Men⸗ ſchen verſammelt, denn die Neugierde, die in einem Dorfe und in einer kleinen Stadt nie fehlt, kannte auch in Vogelſang kein Maß, kein Ziel.
Plötzlich ſtürzte der rothhaarige Jonathan in's Zimmer und rief laut:„Hört mich, Ihr Männer; der Ambulant Lebrecht iſt erſchlagen in der Haide gefunden!“
Eine unbeſchreibliche Aufregung folgte dieſen Worten, die ſich in Aller Blicken bemerkbar machte. Bunt durcheinander ſchrieen die Menſchen, an ein⸗ zelnen Stellen ſtanden ſie auf, kurzum kein Wort blieb verſtändlich.
„Sagt, Jonathan, wer brachte die Nachricht?“ fragten die Zunächſtſtehenden.
„Welm's Kinder fanden ſeine Leiche,“ erwi⸗ derte er.
„Habt Ihr ſie geſehen, Nachbar? Iſt's auch nicht gelogen?“ fragte Frau Tens, das Dorforakel.
„Hört mich an,“ ſchrie Jonathan.„Welm's Kinder kamen ſchreiend aus dem Walde zurück und brachten die Kunde ins Dorf. Der Schulz eilte mit
Novellen⸗Zeitung.
den Geſchwornen an Ort und Stelle. mich ihnen an.“
„Gott im Himmel!“ kreiſchte Frau Tens.
„Lebrecht lag dicht am Wege in einer Blutlache mit geſchwollenem Geſicht, zerriſſenen Kleidern und einer klaffenden Wunde im Herzen. Sein Hund be⸗ fand ſich nebenbei mit zermalmter Hirnſchale.“
„Wer iſt der Mörder?“ fragte das alte Weib.
„Alle Welt meint: Knels Duhnke, der's ja öf⸗ fentlich im Kruge vorher ſagte, was er thun wolle,“ erwiderte Jonathan.
„Zeter und Mord!“ kreiſchte das alte Weib,„ſo etwas iſt noch nicht in Vogelſang geſchehen— der Mörder muß exemplariſch beſtraft werden, zum Bei⸗ ſpiel für alle liederlichen Dirnen und alle boshaften Männer.“*
„Still, ſtill, Mutter Tens,“ ſchrieen viele Stim⸗ men;„könnt Ihr's wiſſen?— ein Anderer kann ja auch Lebrecht getödtet haben.“
„Gott des Himmels!“ ſchrie die Alte auf's Neue. „Knels ſagte es öffentlich— kann er's alſo leugnen? Hier in der Haide auf dem Blocksberg muß er hin⸗ gerichtet werden!“
„Auf den Blocksberg gehört Ihr hin, Mutter,“ brüllte Jonathan ſo laut, daß es Alle hörten.
Ein ſchallendes Gelächter erfolgte.—
Vor dem Hauſe ertönte lautes Geſchrei. Man ſtürmte hinaus, man ſtieß, man drängte ſich, ſelbſt die alte Frau Tens rannte hinterher.
Ich ſchloß
Ueber den Waldweg, den Knels und Moth vor⸗
hin gemacht, brachte man die Leichen Lebrecht's und ſeines Hundes, um ſie in des Ambulanten ehemalige Wohnung zu verſchließen.
Lange gafften und ſchauten die Menſchen, bis ſich gegen Abend Alles verlief.
Moth hatte in ihrem Krankenbette Alles gehört. Sie lächelte vor ſich hin und ſagte:„Alſo hat er
mich doch gerächt— doch— er liebt mich— er
liebt mich!“—
Verſchiedene Gerüchte durchflogen den Ort. Daß Knels Duhnke der Mörder ſein mußte, leuchtete Je⸗ dermann ein, ſelbſt die Kinder erzählten es ſich an den Straßenecken.
Mutter Tens, die von Haus zu Haus rannte, und der ihr lautes Raiſonnement über Knels ſchon leid zu thun begann, erzählte andere Neuigkeiten. „Wer knurrt, beißt nicht,“ meinte ſie.„Glaubt mir,
das haben die Holzdiebe gethan, die Lebrecht immer
den Tod geſchworen.“ „Aber Frau Nachbarin, der Jagdhund iſt auch erſchlagen.“
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