Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
433
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Vierte Folge.

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Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am 14. Juli 1865

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Die Bernſteinfiſcher.

Erzählung aus dem Volksleben am Strande von Friedrich Dentler. (Schluß.)

Als der Morgen graute, war's im Kruge noch recht lebendig. Das Tanzvergnügen hatte natürlich ſofort aufgehört, denn Moth wurde ohnmächtig auf

ihre Dachſtube gebracht. Geſchäftig rannten die Nach⸗ barsleute hin und her, um zu hören, ob ſie ſich er⸗

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hole, was ſie ſage, ob ſie ſehr beſchämt ſei. Oeffent⸗ lich wagte Niemand Moth zu beſchuldigen, deſto mehr zuckte man aber im Stillen die Achſeln und meinte: Etwas iſt ſicherlich daran. Beſonders lieblos urtheilte die alte Frau Tens, eine Art Dorforakel, der man aus der Jugend viele ſcandalöſe Geſchichten nach erzäͤhlte.

Warum treibt ſich auch die Dirne im Walde

allein bei Mondſchein herum? Paßt ſich nicht nun hat ſie's weg!

Auf der Dachkammer ſaß der unglückliche Vater am Krankenbette ſeiner Tochter. Von ſeinem Kinde hielt er das Beſte, konnte man's aber genau wiſſen? So frech wäre aber doch kein Menſch, um öffentlich ſolche Unwahrheiten auszuſprechen.

Bis Morgens acht Uhr hatte Moth kein Wort geſagt. Regungslos lag ſie da ohne Lebenszei⸗ chen, obgleich ihr Puls fieberhaft ſchlug und ihre Wangen ſich intenſiv rötheten.

Plötzlich richtete ſie ſich empor, ſchaute wild um ſich und rief:Wo ſind die bleichen Verleumder? Dann ſank ſie zurück und barg ihr Haupt in die Bettkiſſen, wobei ſie laut, faſt convulſiviſch zu wei⸗ nen anfing.

Der alte Vater ergriff ihre Hand und ſagte: Kind meines Herzens, beruhige Dich!

Sie richtete ſich noch einmal im Bette auf, ſah ihrem Vater in die Augen und erwiderte:Was willſt Du von mir? Biſt Du Lebrecht? Nein, ich