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Den Glanzpunkt von Pompeji bildet das Forum. Man darf dies nicht mit Marktplatz überſetzen; denn das Forum diente nicht zum Verkauf von Waaren, ſondern nur zu öffent⸗ lichen Verſammlungen und zu dem täglichen Verkehr der Männer. Es beſteht aus einem länglichen, ziemlich großen Viereck, war durch Säulengänge verziert und von einer Reihe öffentlicher Gebäude und Tempel eingeſchloſſen. Der Füh⸗ rer zeigt das Verſammlungshaus des Senats, die Baſilica, wo die Gerichtsverhandlungen ſtatthatten, den Tempel des Jupiter, der Venus u. ſ. w.; aber man laſſe ſich durch dieſe Namen nicht täuſchen; von all' dieſen Herrlichkeiten ſind nur noch Trümmer, Mauerreſte, Säulenſchafte, Fußgeſtelle, Trep⸗ penſtufen vorhanden. Dieſe öffentlichen Gebäude haben dem Ausbruche des Veſuvs noch weniger als die Privathäu⸗ ſer widerſtanden, und man muß viel Gelehrſamkeit, eine rege Einbildungskraft und Begeiſterung für das Alterthum mit⸗ bringen, um etwas Beſonderes in ihnen zu erkennen.
Das Forum war für die alten Römer zugleich das, was der Corſo für die heutigen Italiener. Das Spazierengehen der Deutſchen kannten weder die Römer noch die Griechen; es fehlte ihnen ſogar das Wort dafür; denn ambulare und TTegencrely bezeichnen nur das Umhergehen in Säulen⸗ gängen und umſchloſſenen Plätzen. Wahrſcheinlich haben die Mauern der Gärten und Villen ihnen dieſes ungehinderte Ergehen in der freien Natur eben ſo unmöglich gemacht, wie den heutigen Italienern. Die alten, wie die gegenwärtigen Bewohner Italiens ſuchten daher die Erholung nur inner⸗ halb der Stadt. Man traf ſich nach den Geſchäften des Ta⸗ ges auf dem Forum, wie jetzt auf dem Corſo, und der Unter⸗ ſchied war nur der, daß auf dem Forum die eleganten Ka⸗ roſſen und Frauen fehlten, welche die Hauptzierde des mo⸗ dernen Corſo bilden.
Man hat in Pompeji auch viele Manuſcripte gefunden, aber in einem Zuſtande, der die anfängliche Hoffnung auf Bereicherung der claſſiſchen Literatur ſehr niedergeſchlagen hat. Sie ſind ſämmtlich verkohlt und haben das Ausſehen ſchwarzer, ſtaubiger Spinngewebe, wie man im Muſeum von Neapel ſehen kann, wo ſie in Glaskaſten aufbewahrt werden. Dennoch iſt man durch ausdauernden Fleiß und mit Hülfe von Vergrößerungsgläſern dahin gelangt, einzelne Worte und Zeilen aus dieſem loſen Spinngewebe herauszuleſen. Noch gegenwärtig ſind mehrere eigens dazu gebildete und einge⸗ übte Beamte im Muſeum mit der Entzifferung ſolcher Ma⸗ nuſcripte beſchäftigt. Auf den erſten Blick hält man dies für ganz unmöglich und man begreift kaum, was dieſe Män⸗ ner mit ihrem ſtundenlang andauernden Starren durch die Lupe auf dieſes ſchwarze Gefaſer bezwecken. Wenn man in⸗ deß ſelbſt einige Zeit aufmerkſam auf dieſe ſchwarzen Gewe⸗ be in der Nähe hinſieht, und dabei den Athem anhält, ſo be⸗ merkt man zuletzt Spuren von Buchſtaben. Die Dinte oder Tuſche, mit der ſie geſchrieben ſind, hat nämlich ſonderbarer⸗ weiſe da, wo ſie das Papier bedeckte, mehr vor der Verwe⸗ ſung geſchützt, die Maſſe iſt da zuſammenhängend geblieben, während daneben ſich nur noch die feine Faſer erhalten hat. Indeß iſt man trotzdem nicht über Entzifferung einzelner Zei⸗ len hinausgelangt, und es ſcheint, daß auch durch dieſe mühſame Arbeit, wobei oft ein ganzer Tag zu einer Zeile verwendet werden muß, eine große Bereicherung der alten Literatur nicht zu erwarten iſt.
Ehe wir Pompeji verließen, führte man uns noch zu den verſteinerten Körpern dreier unglücklichen Bewohner die⸗ ſer Stadt, welche, während die übrige Bevölkerung ſich be⸗ reits aus den Mauern derſelben in das Freie geflüchtet, ſich
Novellen⸗Zeitung.
wahrſcheinlich verſpätet hatten, von dem Aſchen⸗ und Stein⸗ regen noch auf der Straße erreicht wurden und da einen ſchrecklichen Tod fanden. Die Steindecke, mit der ſie über⸗ ſchüttet waren, hat ſich ziemlich von den Körpern ablöſen laſſen, und man kann die einzelnen Geſtalten erkennen. Es iſt ein Mann mit ſeiner Frau und Tochter. Alle drei haben eine liegende, vom Steinregen niedergedrückte Stellung; der Mann war voran; nach ihm die Frau, die, in andern Um⸗ ſtänden, ihm wahrſcheinlich nicht ſo ſchnell folgen konnte, als die Noth es erforderte; zuletzt die erwachſene Tochter, welche die Mutter nicht verlaſſen mochte. Die Geſtalt der Füße der Frau hat ſich ſehr gut erhalten und zeigt Formen von großer Schönheit. Alle drei machen, nach der Stellung der Arme zu ſchließen, den Verſuch, noch auf der Erde liegend, ſich zu erheben, Luft zu ſchöpfen und die Laſt des Steinre⸗ gens von ſich abzuwälzen; die Geſtalt des Mädchens zeigt insbeſondere einen langen und harten Todeskampf.
In der Villa des Arrius Diomedes hat man in den Ge⸗
wölben, welche zu den Weinkellern gedient haben und noch vollſtändig erhalten ſind, zwanzig Skelete gefunden. Wahr⸗ ſcheinlich hat der Beſitzer mit ſeiner Familie und ſeinen Scla⸗ ven ſich bei dem Beginn des Ausbruchs in dieſe Gewölbe geflüchtet, auf deren Feſtigkeit er vertraute. Sie haben auch vorgehalten, aber die zur Dicke mehrerer Ellen ſich häufende Steindecke nahm den in den Kellern Eingeſchloſſenen das Licht und die Luft, und ein langſamer Erſtickungstod war ihr furchtbares Ende.
Da ſich ſonſt auf den Straßen und in den Häuſern nur ſehr wenige Skelete gefunden haben, ſo nimmt man an, daß die ſämmtlichen Einwohner ſchon vor Beginn des Aſchen⸗ regens aus der Stadt geflohen ſind. Nur auf der Haupt⸗ wache hat der römiſche Centurio mit 37 Soldaten ſeinen Po⸗ ſten trotz der allgemeinen Flucht der Einwohner nicht verlaſ⸗ ſen; in eherner römiſcher Disciplin aufgewachſen, haben ſie ſich alle eher unter dem Steinregen begraben laſſen, als daß ſie von dem Poſten gewichen wären. Man hat ihre Skelete noch mit der römiſchen Rüſtung und den Waffen angethan vorgefunden.
Da noch zwei Drittel der Stadt aufzudecken ſind, ſo iſt die Erwartung natürlich, daß noch mancher Schatz hier ge⸗ funden werden könne; die Ausgrabungen ſind auch ſeit Ein⸗ tritt der italieniſchen Regierung mit verſtärkten Mitteln fort⸗ geſetzt worden; indeß iſt es wohl eine Täuſchung, wenn man für die Erkenntniß des antiken Lebens noch große Aufſchlüſſe erwartet. Es wird ſich hier nur das bereits in dem aufge⸗ deckten Theile Gefundene wiederholen; dagegen iſt es nicht unwahrſcheinlich, daß von Kunſtwerken noch manches Mei⸗ ſterſtück gefunden werden kann, da Pompeji des ſchönen Kli⸗ ma's wegen in der letzten Zeit der römiſchen Republik viel von vornehmen Römern bewohnt wurde. Auch Cicero hatte hier eine Villa.
Erſt vierzehn Tage vor meinem Beſuche in Pompeji war dort die zwei Fuß hohe Bronze⸗Statue eines Satyr gefunden worden, welche im Muſeum zu Neapel unter einer Glasglocke ausgeſtellt wurde. Sie war von vortrefflicher Arbeit, wurde allgemein bewundert und das achtzehnhundert⸗ jährige Grab, in dem ſie gelegen, hatte ſie nur mit einem leichten grünlichen Roſt überzogen, welcher dem Ausdruck der Züge und der Feinheit der Musculatur keinen Abbruch that.
Da es wahr iſt, daß über Pompeji ſehr oft nur enthu⸗ ſiaſtiſch und deshalb unrichtig geſchrieben wird, und über⸗ haupt lange kein Bild aus neueſter Zeit davon gegeben wur⸗
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