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tereſſe, und wo möglich vermauerte er die Ausſicht dahin gänzlich.
Die Straßen oder vielmehr Gaſſen Pompeji's ſind ſämmtlich ſchmal, wie noch heute überall in Italien; aberab⸗ weichend iſt die Einrichtung des Weges für die Fußgänger. Der Pfad für dieſe iſt um drei Fuß höher als der Fahrweg, und indem jener an beiden Seiten der Straße ſich hinzieht, macht er den Fahrweg ſo eng, daß ein Ausweichen der Wa⸗ gen unmöglich iſt. Damit die Fußgänger von einer Seite der Straße zur andern gelangen können, ohne in den Fahr⸗ weg hinabſteigen zu müſſen, ſind in Entfernungen von je ungefähr hundert Schritt große Steine von der Höhe des Fußwegs in die Mitte der Fahrſtraße gelegt; die Lücken zwi⸗ ſchen ihnen und dem Fußwege ſind gerade nur ſo breit, daß die Zugthiere und die Räder der Wagen hindurch können, von den Fußgängern oben aber mit Bequemlichkeit überſchrit⸗ ten werden können.
Dieſe ſonderbare, den Wagenverkehr erſchwerende Ein⸗ richtung findet ſich in allen Straßen Pompeji's. Deſſen un⸗ geachtet muß ein lebhafter Verkehr ſtattgefunden haben; denn die Steine des Fahrweges haben tiefe Geleiſe von den Wa⸗ genrädern; ſie müſſen alſo viele Jahre gelegen haben und zeigen, daß man in alten Zeiten Jahrhunderte verſtreichen ließ, ohne an die Beſſerung des abſcheulichen Pflaſters zu denken. An ein bequemes Spazierenfahren in Karoſſen war alſo in jenen Zeiten nicht zu denken. Nur an einer Stelle ſieht man noch den Anfang einer Straßenbeſſerung; die Ar⸗ beiter ſind aber dabei durch den Ausbruch des Veſuvs geſtört worden.
In den Hauptſtraßen iſt offenbar ein ſtarker Handel ge⸗ trieben worden, und die Vorderſeite der Häuſer war zu Ver⸗ kaufsläden eingerichtet. An mehreren Orten ſtehen noch die großen thönernen Krüge(Amphorae), aus denen man das Oel und den Wein verkaufte, und viele Stellen der Mauern tragen rothe Inſchriften, welche nach Art unſerer Schilder die Waare oder das Geſchäft im Hauſe bezeichneten. Auch Symbole ſcheint man, wie die Handwerker bei uns, dazu be⸗ nutzt zu haben, und die Unbefangenheit der Sitten im Alter⸗ thum ging ſo weit, daß an Häuſern ſchlechten Rufes noch heute in Pompeji dergleichen in Stein gehauene, nicht mißzu⸗ verſtehende Symbole zu ſehen ſind.
Ich ſuchte in dieſen langen, öden, krummen Gaſſen ver⸗ geblich nach einer Abwechſelung, und ſelbſt wenn ich mir mit aller Anſtrengung der Einbildungskraft die Häuſer noch un— verſehrt, die Menſchen in den Läden, die Ochſenkarren auf den Straßen hinzudachte, ſchien mir der Eindruck einer ſol— chen römiſchen Provinzialſtadt noch beengender und langwei⸗ liger, als der einer heutigen italieniſchen Landſtadt.
Um ſo begieriger wandte ich mich zu dem Innern der Häuſer, wo ich den Erſatz für jene Langeweile der Straße zu finden hoffte. Viele von den Häuſern ſind, bis auf die Decken, noch gut erhalten und geben ein deutliches Bild des häuslichen Lebens. Die innere Einrichtung der Häuſer iſt, ſo weit nicht das Gewerbe eine geringe Aenderung nöthig machte, in allen dieſelbe, und wenn man eines geſehen hat,
ſo kann man in jedem, ſelbſt im Dunkeln, ſich zurecht finden;
mit ſo peinlicher Genauigkeit wiederholt ſich das einmal an⸗ genommene Schema.
Von der Hausthüre gelangt man durch einen ſchmalen kurzen Gang zu dem Atrium, in ſeiner Beſtimmung ähnlich dem Parlour der Engländer. Es war der Hauptaufenthalt der Familie, hier ſtand der Altar für die Hausgötter, der in vielen der Häuſer noch heute vorhanden iſt; hier hingen die
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Novellen⸗Zeitung.
Bildniſſe der Ahnen; in der Mitte war ein Waſſerbecken oder ein Springbrunnen, und das Dach darüber war offen. Vom Atrium führen Thüren in kleine Zimmer, die es von allen Seiten umgehen und einſchließen; ſie dienten zum Schlafen, zur Bibliothek, zur Küche, zu Vorrathskammern, zu der Wohnung der Sclaven, deren häusliche Stellung wenig von der der heutigen Dienſtboten verſchieden war.
Hinter dem Atrium folgt regelmäßig das Periſtylium oder der innere Hof mit einem Säulengange und einem Gar⸗ tenbeet in der Mitte. Dieſer Hof hat höchſtens die vierfache Größe des Atriums und iſt, wie dieſes, von kleinen Neben⸗ zimmern für häusliche Zwecke umſchloſſen. Gegen die Nach⸗ barn iſt das ganze Haus, wie gegen die Straße, völlig abge⸗ ſchloſſen; alles Licht kommt nur von dem Atrium und Peri⸗ ſtylium in die Zimmer, die, ohne Fenſter, Luft und Licht nur durch die Thüre erhalten.
Die Verzierung und Ausſchmückung des Hauſes durch die Kunſt beſchränkt ſich weſentlich auf die zwei Hauptpunkte, das Atrium und das Periſtylium. Hier ſind die Fußböden von Moſaik, oft von vortrefflicher Arbeit und den ſchönſten Muſtern; die Wände ſind auf rothbraunem oder ſchwarzem Grund mit hellen Malereien al fresco geſchmückt, und hier ſtand, was der Hausherr an Bildſäulen oder andern Kunſt⸗ werken in Marmor oder Erz beſaß. Alles Werthvolle, was man bei den Ausgrabungen an dieſen Stellen gefunden hat, befindet ſich jetzt in dem Museo nazionale(ehemals Museo Borbonico) zu Neapel; ſelbſt die beſſeren Frescogemälde und die feineren Moſaikfußböden ſind mit vieler Vorſicht von den Mauern und dem Boden abgetrennt und dahin ge⸗ ſchafft worden.
Dieſe Einrichtung der Häuſer kennzeichnet das häusliche Leben der alten Welt mehr als alles Andere; es ſtand dem Leben, wie es noch heute im Orient beſteht, ungleich näher als dem unſrigen; es war durchaus gegen die Oeffentlichkeit abgeſchloſſen. Für die Männer mochte dies erträglich, ja angenehm ſein; ihre Theilnahme an den Staats⸗ und Ge⸗ meindeangelegenheiten, ihre Handelsgeſchäfte führten ſie den größten Theil des Tages auf das Forum, auf die Straße, auf Reiſen; aber die Frauen waren im Hauſe eingeſchloſſen, und ſelbſt ihre Theilnahme am Theater war nur eine be⸗ ſchränkte.
Um in ihren Zuſtand ſich zu verſetzen, müſſen die ver⸗ ehrten Leſerinnen ſich vorſtellen, daß ſie nicht nur die ganze Woche, mit Ausnahme weniger Gänge auf die Straße, im Hauſe zuzubringen hätten, ſondern es auch keinen Sonntag gäbe, der dieſe Einförmigkeit unterbräche; daß ihre Wohnung keine Fenſter nach der Straße und den Nachbarn hätte; daß es weder Bücher noch Journale gäbe; daß der Schnitt und die Farbe der Kleider ihr ganzes Leben hindurch ſich nicht veränderten und ein Wechſel der Moden in Anzug, Zimmer⸗
einrichtungen, Vergnügen nicht einmal dem Namen nach beng
kannt wäre; daß es weder Spaziergänge noch Spazierfahrten gäbe; daß Concerte und Geſellſchaften in unſerem Sinne eine völlig unbekannte Sache wären und daß ſelbſt ihre Theilnahme am Theater ſich auf einige Feſttage im Jahre be⸗ ſchränkte, wo ſie auf den ſteinernen Sitzen der obern Reihen, der Sonnenhitze ausgeſetzt, getrennt von den Männern, einem Trauerſpiele des Euripides oder Luſtſpiele des Terenz zuſehen könnten, deſſen Inhalt ihnen ſchon von Kindesbeinen an be⸗ kannt wäre.
Die gelehrten Alterthumskenner mögen uns noch ſoviel von der edlen Stellung der Frauen bei den Griechen und
Römern erzählen, ſo bleibt doch das Ergebniß für die große
Maſſe der zwar keine in Orient, daß der Bi ſcher Hinſi hat, und d Hausvirthſ jett ſelbſt kommen wi Wemr rollt, noch weiſung au öffentliche für den jer licher jene Beziehung Der durch das behauptet, dern vieln Beziehung ſinnliche i eine Abſtu Körperlich als ein un einteeten 3 liche Eupf Bevölkeru ment des, religibſen Nun geräthen, ie allein Schangef einem beſt der davon der dabei gerade da lic eraß ſalcher Zu nigig, eintritt,) haratter


