Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
425
Einzelbild herunterladen

lotar jeſem ge⸗ 9, ſo die ſetze Zild⸗ eine nor⸗

eide Be⸗

Felde e der weit dann⸗ gar alität hrers wich. 1 zu wie Ver⸗ Ge⸗ einer des ſchen vel⸗ das chnen ellen hmit dauer ment rung, dfer⸗ e des fo⸗ ieſer Kunſt

90

orge⸗ ſchen⸗ ſclos, anhei gleih⸗

eine geſſen

Suast pſeſe erreicht.

·-22.2

Vierte

werden; doch es iſt auch wünſchenswerth, daß nicht vergeſſen wird, was der Künſtler als Menſch war und auf welchem ſteilen, dornenvollen Pfade er zu ſeinem Ziele hinanſtieg.

Rietſchel hat ſelbſt durch eine anſpruchsloſe Au⸗ tobiographie, die er hinterließ, ſeinem zu früh erlo⸗ ſchenen Daſein jenes wünſchenswerthe Gedächtniß ſichern helfen. Sie geht bis zum Anfang ſeiner künſt

Folge. 42⁵

leriſchen Selbſtſtändigkeit und wird durch Oppermann's Arbeit fortgeſetzt und ergänzt.

Je weniger dies Buch äſthetiſche Anforderun⸗ gen befriedigen will, um ſo mehr hält es ſich von den Streitfragen und Parteiſtandpunkten moderner Künſtlerkritik fern und verdient den Freunden der Sculptur, ja denen der neueren Kunſt überhaupt als unbefangene Lectüre warm empfohlen zu werden.

euilleton.

Ein Bild von Pompeji.

Es giebt Hunderte von Schilderungen Pompeji's und des Veſuvs, aber die unbedingte Bewunderung für das Al⸗ terthum und die Schwärmerei für italieniſche Natur hat die Meiſten davon zu Uebertreibungen verleitet oder in ein Pa⸗ thos gerathen laſſen, welche es ſchwer machen, aus ihren Darſtellungen eine klare Vorſtellung des Wirklichen zu ge⸗ winnen. Auch haben die letzten Jahre erhebliche Verände⸗ rungen herbeigeführt; die Ausgrabungen in Pompeji haben neue Straßen aufgedeckt und die heftigen Ausbrüche des Ve⸗ ſuvs in dem vorigen Jahrzehnt haben die Phyſiognomie des Berges weſentlich verändert.

Pompeji liegt eine halbe Stunde vom Meere in dem breiten Thale zwiſchen dem Veſuv und dem Monte St. An⸗ gelo, das ſich nach Salerno hinaufzieht. Es war in der Römerzeit eine bedeutende Provinzialſtadt, die einen lebhaf⸗ ten Handel betrieb. Der Ausbruch des Veſuvs, durch den ſie verſchüttet wurde, geſchah im Jahre 79; man ſpricht ge⸗ wöhnlich von einem Aſchenregen, aber eigentliche Aſche bildet nur den geringſten Theil der Decke; das Meiſte ſind kleine Bimsſteine, ungefähr von der Größe einer Nuß. Dieſe Decke iſt nur einige Ellen ſtark und zwei Drittel der Stadt ſind noch heute davon bedeckt. Der Boden iſt da mit Gras bewachſen; man treibt das Vieh darauf, und wenn man über dieſe Weiden wandert, zeigt nichts die Spur, daß wenige Fuß tiefer eine antike Stadt mit Kunſtſchätzen begraben liegt, welche vielleicht Alles überbieten, was wir bis jetzt aus dem Alterthum beſitzen.

Die Ausgrabungen geſchehen in ſehr einfacher Weiſe. Die Bimsſteindecke wird mit Hacken von den Arbeitern auf⸗ gehackt und das Geſtein in Handkarren bei Seite gefahren. Wenn die Mauerreſte erreicht ſind, wird daſſelbe Verfahren, nur vorſichtiger, fortgeſetzt, bis man die Fußböden oder das Auf dieſe Weiſe iſt bis jetzt ein Drittel der Stadt mit den alten Stadtmauern aufgegraben worden. Den Schutt hat man außerhalb der Stadtmauern in hohen Wällen aufgefahren, welche jetzt von außen Pom⸗ peji ganz verdecken und es möglich machen, die Zugänge ab⸗ zuſchließen und auf zwei alte Thore zu beſchränken. Hier be⸗ finden ſich Wachthäuſer, wo man in Folge der von der itali⸗ eniſchen Regierung getroffenen Anordnungen für zwei Fran⸗ ken eine Eintrittskarte zu löſen hat und dafür auch noch einen ziemlich bewanderten Führer erhält. Durch dieſe lobens⸗ werthe Einrichtung iſt der doppelte Vortheil erreicht, daß die werthvollen Ueberreſte vor der Leidenſchaft der Reiſenden, Andenken mitzunehmen oder ihre Namen anzuſchreiben, be⸗

wahrt, und daß die Reiſenden von der Unzahl Bettler und Führer befreit ſind, welche das Terrain früher ſo unter ſich getheilt hatten, daß der Fremde von dem Einen dem Andern überliefert wurde und die Trinkgelder kein Ende nahmen.

Das beſte Verſtändniß für Pompeji gewähren die heu⸗ tigen Landſtädte Unteritaliens, denn die Lebensweiſe hat hier ſeit Jahrtauſenden ſich äußerlich wenig geändert; Klima, Be⸗ dürfniſſe und die Mittel, ſie zu befriedigen, ſind gleich geblie⸗ ben, und Häuſer und Städte ſind trotz aller Zerſtörungen der Menſchen und Elemente immer in denſelben Formen wieder erſtanden.

Die Häuſer der Römer waren, wie jetzt, von Stein aufgeführt; auf das Erdgeſchoß war nur theilweiſe ein zwei⸗ ter Stock aufgeſetzt; die Dächer waren platt und dienten zu allerlei häuslichen Zwecken. Die Laſt des Aſchen⸗ und Stein⸗ regens bei dem Ausbruch drückte dieſe platten Dächer ein, der obere Theil der Mauern brach zuſammen und nur die Außen⸗ und Zwiſchenmauern des Erdgeſchoſſes erhielten ſich. So weit dieſe und die nicht ganz zuſammenbrechende Decke einen Schutz gewährten, haben ſich die Geräthſchaften, die Kunſtwerke, die Zimmerverzierungen unter der dichten Hülle des Steinregens ziemlich unverſehrt erhalten.

Daraus erklärt ſich der heutige Zuſtand von Pompeji. Man darf nicht glauben, gegenwärtig in eine wohlerhaltene altrömiſche Stadt einzutreten, wo Alles bis auf das Kleinſte noch ſteht und liegt, wie zux Stunde des Ausbruchs vor 1800 Jahren. Wenn man durch das Thor der alten hohen Stadtmauer eingetreten iſt, befindet man ſich zwar in Gaſ⸗ ſen, die lang und krumm ſich hinziehen und einander vielfach durchkreuzen; aber von den ehemaligen Häuſern auf beiden Seiten ſind nur die grauen Mauern des Erdgeſchoſſes vor⸗ handen, die mit ihren ungleichen, zerriſſenen Rändern nur den Anblick von Ruinen gewähren. Dieſe Mauern laufen ſo einförmig fort, daß man erſt an den innern Zwiſchenwän⸗ den die Unterſchiede der einzelnen Häuſer erkennen kann. Die Oeffnungen für die Hausthüren ſind noch vorhanden, aber Fenſter nach der Straße zu bemerkt man nur ſelten, und wo eines ſich zeigt, iſt es, wie noch heute in Griechenland und Conſtantinopel, klein und mit eiſernen Gittern verſehen.

Offenbar war das häusliche Leben bei den alten Rö⸗ mern abgeſchloſſener als gegenwärtig. Während alle Thätig⸗ keit für den Staat und für die Gemeinde in voller Oeffent⸗ lichkeit geſchah, zog der Römer, wie noch heute die Aſiaten, in ſeinem Hauſe ſich völlig zurück; die Straße war ihm nur das Mittel, in ſein Haus zu kommen, ſonſt hatte ſie kein In⸗