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Umſchau über die Sache ſelbſt von dem Werke einige Schritte zurücktreten.
Man kann die Plaſtik nicht berühren, kein Werk, keinen Namen aus ihrer neueren Geſchichte nennen, ohne des Einzigen zu gedenken, der das Maß für Alle bildet, da er die Fähigkeiten Aller in ſich trug. Und dennoch ſteht dieſer Thorwaldſen ſo ſphinxartig unverſtanden für die Menge, als dämoniſch hinreißend für die Auserwählten, ſo iſolirt als gigantiſch, ſo beiſpielleuchtend als nachfolgelos, ſo fern im dunklen Hintergrunde als ewig nah im hellen Tageslicht, ſo ohne Nationalität als voll kosmiſcher Heimath da. Seine Sphäre ſchwebt über uns, und nur wer fliegt, nicht wer geht, kann dort landen.
Es iſt natürlich.
Thorwaldſen's Schöpferblick iſt in die Vergan⸗ genheit gerichtet, ſeine große Miſſion war die Wie⸗ dergewinnung der idealen Schönheitsidee und ihre Verkörperung durch die Plaſtik. Dieſes Reſultat knüpfte die Vergangenheit mittelbar an die Gegen⸗ wart feſt, indem es die ewig ſich verjüngende und wiedergebärende Schönheit in der lebenden Menſchen⸗ natur mit den Normen der Antike vereinigte. So fließen in Thorwaldſen Reproduction und Production in dem einheitlichen Strahl der Genieoffenbarung und der Begeiſterung an Kunſt und Natur gleich⸗ mäßig zuſammen. Und dennoch darf man ſagen, der erhabene Thorwaldſen gehört nur mittelbar der Ge⸗ genwart, weil er der geſammten Geſchichte der Welt⸗ äſthetik und ſomit der ganzen Menſchheit angehört. Aber er war doch intimer ein Anſchauungsgenoſſe des Phidias und Praxiteles als ſeiner wirklich Mitleben⸗ den, und es würden ihm auf dem Forum zu Athen mehr Ruhmeskränze geflochten worden ſein, als un⸗ ſere Tage bei aller Anerkennung zu geben vermochten.
Bei weitem nicht ſo gewaltig als Thorwaldſen begabt für die Aufgabe der höchſten Schönheitsver⸗ klärung, alſo für das reinſte Princip der Bildhauer⸗ kunſt, waren zwei andere Genien, Rauch und Riet⸗ ſchel, die, tief aus der germaniſchen Kunſtanſchauungs⸗ weiſe emporgewachſen und mit engeren Banden an das Weſen der Gegenwart gefeſſelt, die Faͤhigkeit empfangen hatten, den Geiſt ihrer Zeit auch in den
Novellen⸗
Formen ihrer Zeit zu erkennen und wiederzugeben. Ihre Muſe, für das helleniſche Ideal nicht unem⸗- pfänglich und an ſeiner Ruhe und Reinheit ihren Geſchmack läuternd, ſtand zwiſchen der claſſiſchen Würde idealer Allgemeinheit und der genrebildlichen Beweglichkeit realer Charakteriſtik mitten inne. Ur⸗ deutſchen Geiſte und von der Berechtigung des na⸗ tionalen Ausdrue im modernen Kunſtwerke durch⸗ drungen, war das Streben dieſer beiden Männer für
Zeitung.
die eigentliche monumentale Aufgabe der Sculptur geſchaffen. Die bedeutſamſte Befähigung in dieſem umfangreichen Gebiete war Rauch und Rietſchel ge⸗ meinſam, und ihre Thaten ſind hier ſo vielſeitig, ſo fortſchreitend, ſo reif und planvoll zugleich, daß die Aeſthetik von ihren Werken neue Regeln und Geſetze abstrahiren kann für jene moderne monumentale Bild⸗ hauerkunſt, eine Sphäre, die beide Meiſter als eine noch ungeordnete, als eine offene Frage an den nor⸗ mirenden Zeitgeiſt antraten.
Noch viel iſt hier zu thun übrig, aber Beide haben in einem wahrhaft reformatiſchen Sinne Be⸗ wunderungswürdiges geleiſtet.
Wenn ich ſagte, daß auf dieſem gleichen Felde der Schwerpunkt und die vorzüglichſten Verdienſte der genannten Künſtler liegen, ſo würde es doch zu weit führen, noch andere hier thätige Kräfte, wie Dann⸗ ecker, Schwanthaler, Hähnel, zu claſſificiren oder gar die Linien feſtzuſtellen, in denen die Individualität und Kunſtrichtung Rietſchel's von der ſeines Lehrers Rauch zu anderen Bahnen und Stimmungen abwich. Selten hat man die Carriere eines Künſtlers ſo zu bewundern als die Rietſchel's, der ſich ähnlich wie der große Winckelmann aus den mißgünſtigſten Ver⸗ hältniſſen herausgearbeitet hat. Vollendungstrieb, Ge⸗ müthstiefe und Liebe zur Harmonie gaben ſeiner Seele immer neue Kraft und jene Brutwärme des Schaffens, die ſelbſt den mühevollſten techniſchen Fleiß zu begeiſtigen und genial zu beſchwingen ver⸗ mag. Sein Wirken machte den Eindruck, der das des wahren bildenden Künſtlers immer kennzeichnen ſollte: das phantaſtiſch freie, über dem materiellen Erdenleben ſchwebende Künſtlerthum verband ſich mit der unermüdlichen Vollkraft und geſunden Ausdauer des beſcheidenen Handwerks; ſo theilte jenes Element dieſem und dieſes jenem den Adel der Begeiſterung, den ruhigen Schrittgang der unerläßlichen Handfer⸗ tigkeit mit. Bei ſolchem Bündniß iſt die Pſyche des Gedankens geborgen, da ihr die Möglichkeit des for⸗ mellen Ausdrucks, der offenbarenden Hülle, dieſer ſchwierigſten und letzten Aufgabe der bildenden Kunſt nicht verſagt wird.
Andreas Oppermann verſuchte das Streben und die Ereigniſſe in Rietſchel's Leben in dem vorge⸗ nannten Buche höchſt dankenswerth zu veranſchaulichen. Die Schilderung iſt wahr, einfach und ſchmucklos, ganz ſo, wie es der Künſtler ſelbſt in der Reinheit ſeines ſo liebenswürdigen, ſchlichten Charakters gleich⸗ falls war.
Was er der deutſchen Kunſt geſchaffen, ſeine Pietà, ſein Leſſing, Goethe, Schiller, Luther und noch andere hervorragende Werke werden nicht vergeſſen
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