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kannte vom Walde her— lieſt laut aus dem Geſang⸗
Vierte
„Herr Ambulant,“ begann er laut,„was ſagten Sie da?“
„Ich,“ erwiderte Lebrecht,„überlaſſe Ihnen gerne mein abgelegtes Schätzchen.“
„Welche iſt das?“
„Die da“— er deutete auf Moth.
Im Zimmer wurde es todtenſtill.—
„Leugnet nicht,“ ſchrie Lebrecht zu Moth gewen⸗ det,„nun mag's alle Welt wiſſen, mag unſer heim— liches Verſtändniß an den Tag kommen, mag's Je⸗ dermann hören, daß wir uns heimlich im Walde getroffen.“
Cornelius ſtand wie feſtgewurzelt— ſeine Lip— pen bebten— er ſagte kein Wort.
„Dieſe Dirne lief mir auf Schritten und Trit⸗ ten nach,“ ſchrie Lebrecht.
„Alſo betrogen— hintergangen!“ murmelte Cor⸗ nelius.
„Nehmt ſie nicht— dieſe Schlange, überlaßt ſie ihrem Schickſal. Sie betrog uns beide. Zu mir heuchelte ſie feurige Liebe— Euch hinterging ſie und machte es ebenſo.“—
„So, ſo,“ ſagte Cornelius zu Moth gewendet, „Deine für mich an den Tag gelegte Liebe war— Betrug, Lüge, Verrath! Deinen heiligſten Schwüren folgte der Meineid! Ich ſage mich los von Dir, Erdmuthe— für ewige Zeit— da nimm Deinen Buhlen!“
Moth erbleichte und ſank in die Arme ihres herbeieilenden Vaters.
Dann wendete ſich Cornelius zum Ambulanten und rief:„Dein heute auf mich entſendeter Schuß fordert Rache— nur Einer von Uns“ kann leben — Einer— hörſt Du, Bube? Hier, Angeſichts die⸗ ſer Zeugen wiederhole ich's Dir: Ich oder Du!“— Schnell verließ Knels die Stube.—
In der verfallenen Hütte im Walde tickt noch immer die Wanduhr und die aufflackernde Lampe er⸗ hellt matt das Zimmer.
Ein junger Soldat in Gardeuniform kniet an dem mit Stroh ausgefüllten Bette; neben ihm ſteht ein achtjähriger, blonder Knabe.
Die alte Frau— Mitſch Drude, unſere Be—
buche ein Sterbelied. Jetzt ſchließt ſie das Buch— es herrſcht im Zimmer eine Todtenſtille.—
„Vater,“ beginnt der Gardiſt,„verlaſſe uns noch nicht.“
„Lieber Sohn,“ klingt's vom Bette her wie die Stimme eines Sterbenden,„Gott ruft mich— ich betrete mit Freuden den dunklen Weg, den wir Alle wandern müſſen.“—
Folge. 421
„Ich ſehe Dich bald wieder, mein Nathanael,“ ſagt die alte Frau.„Haben im Leben Alles mit ein⸗ ander getragen, Alles, Alles! Leid und Kummer, Sorge und Schmerz! Unſere Kinder waren die ein⸗ zige Freude— bald ſtehe auch ich am Ziele.“
„Sprich nicht ſo, herzliebſte Mutter,“ erwidert Benjamin;„ich muß ja fort— was ſoll aus dem kleinen David werden?“—
„Er ſteht in Gottes Schutz, mein Junge,“ mur⸗ melte Nathanagel.
Der kleine David klammert ſich an ſeine Mutter und weint; dann ruft er:„Verlaſſet mich nicht!“
„Stille, Herzensjunge, ſtille,“ flüſtert die Alte dem Knaben zu,„damit der Vater nicht Deine Thrä⸗ nen ſehe— im Himmel finden wir uns Alle wieder!“
„Ja, Mutter, wir ſehen uns wieder. Mit die⸗ ſem Gedanken fahre ich getroſt in die Grube. Ich werde ſchauen meinen Erſchaffer von Angeſicht zu Angeſicht— auf Euch flehe ich ſeine Gnade hernie⸗ der!“ Nun faltete der Alte die dürren Hände und murmelte ein Gebet— dann ſagte er:„Segne Euch Gott!“— und ſeine Lippen verſtummten auf ewig.—
Die Wanduhr ſchlug Eins.
„Er ſchläft,“ ſagte die Alte.
„Nein, Mutter,“ ſprach Benjamin,„er iſt— todt!“
Mitſch warf ſich auf die Leiche ihres Mannes — Benjamin drückte David an's Herz, und Alle— Alle weinten.—
Benjamin aber ſprach: Himmel, Vater. Deine Hauptſünde war unverſchul⸗ detes Elend! Leicht ſei Dir die Erde! Friede Dei⸗ ner Aſche!“——
„Du findeſt Gnade im
Stumm iſt's draußen!— Matt und umzogen graute der junge Morgen am Horizonte auf, deſſen bleiern ſchwere Wolken über die Dünen und das Meer fliehend die ganze Landſchaft in ein ernſtes Gewand verhüllten.
So wie in der Natur, ſtürmt's auch in Corne⸗ lius' Bruſt. Langſam ſchreitet er durch die Haide dem väterlichen Hauſe zu. Was kümmert ihn die Außenwelt und Umgebung— ſeine Welt fiel ja auch in Trümmer! Aus ſeiner Seele ringt ſich ein tiefer Seufzer:„O Gott im Himmel, was verbrach ich, daß Du mich ſo beſtraft? Verhöhnt, verſpottet, von meinen Nächſten verlacht, kehre ich heim ins Va⸗ terhaus. Tief iſt das Leid, das mir widerfuhr!“
Er unterbricht ſeine Schritte und ſchaut zum Himmel empor, dann ruft er:„Du ſagſt: Mein iſt die Rache— aber damit vermagſt Du mein Inneres nicht zu beruhigen— nicht Friede in meine wunde


