Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
418
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418 Novellen

Raum behelfen und vergnügt will Jeder ſein. Länd⸗ lich ſittlich!

Hundert Schritte vom Kruge, ganz in der Haide verſteckt, liegt eine einſame Hütte.

Schief biegt ſich die Vorderfronte das Dach beſteht faſt nur aus nackten Sparren, an welchen ein⸗ zelne Strohbüſchel hängen, die der Wind hin und her bewegt.

Schon lange hat der Herr Landrath anbefohlen, daß das baufällige Haus abgetragen oder reparirt werde, denn es iſt lebensgefährlich darin zu wohnen. Noch immer ging's aber nicht, nämlich das Abtragen, V denn ein Neubau wurde unmöglich. Wo ſollen auch für beide Fälle die Bewohner bleiben?

Wie doch der Herr Landrath für das Leben ſei⸗ ner Kreisinſaſſen beſorgt iſt! Das muß ein braver Herr ſein. So ſagen nämlich die Leute. V

Nach vorne heraus, links vor der halb offenſte⸗ henden Hausthüre, befindet ſich ein kleines Fenſter, worin einige Glasſcheiben fehlen, die eine ſorgſame V Hand mit alten Lumpen verſtopfte.

Drinnen, in der ärmlichen Stube, iſt's ſtille nur die alte buntbeſchnörkelte Wanduhr tickt. In der einen Ecke ſteht ein hohes, alterthümliches Bett⸗ geſtell mit Stroh ausgefüllt. Darin befinden ſich zwei Menſchen, ein grauhaariger, bleicher, ſehr krank ausſehender Mann mit eingefallenen Schläfen, mat⸗ ten, glaſigen Augen, und ein blühender, flachsköpfi⸗ ger, ſchlafender Knabe von ſieben Jahren. Iſt's doch, als bette ſich der Tod friedlich neben dem jun- gen, aufſproſſenden Leben. Vor dem Bette auf einer Fußbank hockt eine ſchlafende alte Frau. Sie ſieht eben ſo leidend aus wie ihr Mann.

Eine matt brennende Lampe erleuchtet dürftig die kümmerlich möblirte Stube, die Nichts als einen lahmen Tiſch und einen alten Schemel enthält. Sonſt ſind die weiß übertünchten Wände beſtäubt und kahl, es müßte denn ein einfaches, über dem Bette hängen⸗ des Chriſtusbild abgerechnet werden, das den einzigen Ausputz bildet.

Mutter, beginnt eine matte Stimme vom Bette her,Mutter, reiche mir Waſſer, um den glü⸗ henden Durſt zu ſtillen.

Die Alte fährt erſchreckt in die Höhe, ſchleicht zum Tiſch und zieht mit einer Haarnadel den matt flackernden Lampendocht empor, dann giebt ſie dem Kranken das Verlangte mit den Worten:Da nimm, V Nathanagel!

Wie ſie drüben im Kruge vergnügt ſind, Mitſch! murntelts der Patient;horch' nur, die Muſik ſchallt zu uns herüber.

Sollen ſie nicht, Vater?

Jeitung.

Warum nicht warum nicht? Haben in un⸗ ſerer Jugend auch manchen Schleifer gemacht! Nun iſt Alles zu Ende, Alles, Mutter: Freude, Friede und Glück. Käme nur bald der liebe Gott, Mitſch! Die Alte ſeufzte. Nach einer Pauſe ſagte ſie: unſer Benjamin ſchon den Brief erhielt? Gewiß, Mutter. Vor acht Tagen ging er nach Berlin ab.

Bekäme er doch Urlaub.

Erſcheint er nicht bald, mehr. Vom Bette erklang ein leiſes Stöhnen der Alten liefen die Thränen über die Wangen.

Draußen aber fegte ein heulender Windſtoß durch die Haide von ferne her donnerten die Wo⸗ gen der Oſtſee an die Dünen, und dazwiſchen klan⸗ gen die lauten Tanzaccorde vom Kruge herüber.

Oft miſcht ſich Freude und Leid im Leben!

Mutter, war's nicht ſo, als klopfe Jemand an das Haus? fragte der Greis.

Alter, Du täuſcheſt Dich. Es iſt der Wind, der durch die Sparren des Daches heult und ſich an der Firſt bricht, erwiderte die Frau.

Beide horchten.

Mutter, es öffnet ſich die Hausthüre, ich höre Tritte im Flur.

Täuſche Dich nicht, Vater. dieſer nächtlichen Stunde heimſuchen?

Aber ich hör's doch deutlich.

Kaum hatte der Patient die Worte geſprochen, als ſich leiſe leiſe die Stubenthüre öffnete. Eine hohe, maaah Geſtalt in Militäruniform ſchob ſich in den Rahmen.

Himmel, ſchreit die Alte auf,mein Sohn

Benjamin! Wer beſchreibt die Scene des Wiedeſehens? ich vermag es nicht!

Ob

-ò

mein

Welche Luſt, welch' Vergnügen, ein Tanz!

Bacchantiſch verſchlungen ſtürmen die Paare da⸗ her, Bruſt an Bruſt, Herz an Herz geſchmiegt. Wo der Sand der Dünen weht an der Gemarkung des ſchönen Vaterlands, klingt der deutſche Walzeraccord

wie am Rhein, der Donau und Memel. Hier an der Oſtſee ſchlagen auch deutſche Herzen! Ein Volk ein Land frei und einig.

Schon iſt's Mitternacht. Das große Gaſtzim⸗ mer hat ſich bedeutend geleert. Die Alten, durch die lärmende Muſik müde gemacht, ſuchten längſt das Bette, den Sorgenbrecher ihrer Jahre.

Lebrecht und Knels tanzen nur muthe.

mit Erd⸗

findet er mich nicht

Wer ſollte uns in

Läßt der Eine ſie los, nimmt ſie der Andere. 8

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