Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
417
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Vierte Folge.

Eine Mlochenchronik für iterat

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

ur, Kunzt, ſchöne Tliſſenſchuften und Geſellſchaft.

Leipzig, am 7. Juli 1865.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Die Bernſteinfiſcher.

Erzählung aus dem Volksleben am Strande von Friedrich Dentler. (Fortſetzung.)

Hinaus in die Haide tönt Muſik. Verworren

miſcht ſich der Stimmen Schall mit lautem Trompe⸗

tengeſchmetter hinterher hallt ein donnerähnlicher Paukenwirbel wie fröhliches Gelächter. Hell be leuchtet der Vollmond die abendliche Landſchaft, den dunklen Wald und das ärmliche Dorf. Ein rauſchen⸗ der Wind ſtreicht durch die entlaubten Bäume an der Landſtraße und verliert ſich in den Binſen und Rohr⸗ büſchen am Ufer. Im Haffſpiegel reflectirt ſich der Mondſtrahl. Er zieht einen feurig flammenden Strich über das Waſſer. Nach dem Feſtlande, im Süden, thürmt ſich graues, dunſtförmiges Gewölk auf, das theilweiſe den Höhenzug, theilweiſe das jen⸗ ſeitige Haffufer in Finſterniß hüllt.

Vor dem Kruge haben ſich die Kinder des Dor⸗ fes verſammelt. Sie drängen ſich an die hell erleuch⸗ teten Fenſter, um hineinzuſchauen, und ſtoßen ein⸗ ander.Ach, denkt ein kleines achtjähriges Mäd⸗ chen,da drinnen iſt's prächtig wäre ich erſt groß! Die Jungen balgen ſich und wälzen ſich im Sande. Jeder hat ſein Vergnügen!

Beginnt im Hauſe die Muſik, ſo heult vor der Thüre der Kettenhund. Eine alte vorübergehende Frau ſchüttelt den Kopf und meint:Das giebt einen Todesfall!

Die große Gaſtſtube iſt voller Menſchen. Sie drängen und ſtoßen einander wie draußen die Kinder. Dabei hat's Herr Lieper Hutſauer. Große Schweiß⸗ tropfen rinnen ihm von der Stirne ſein Körper iſt echauffirt.

Nun ſpielt die Muſik einen Galopp. Die Tanz⸗ paare ſtellen ſich neben einander, um die Menſchen⸗ menge auf die Seite zu ſchieben. Raum wird dadurch aber auch nicht gewonnen. Ein Mal im Jahre iſt nur Muſik; da kann man ſich auch mit einem kleinen