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Menſchen mit all ſeiner Eigenthuͤmlichkeit. Erſt beim Eintritt in die grauen Thore, am ſpäten Abend, ſcheint uͤber die aufgeſchloſſenen Geſichter(wenn das Zwielicht nicht täuſcht), wieder etwas, wie ein augenblicklicher Zwang zu ſtreifen. Es iſt, als weckte das Betreten des Pflaſters jenes Gefühl des wichtigen Be⸗ rufes, der Amtswürde, deren man den ganzen, langen Nachmittag nicht mehr gedacht. Es iſt indeß nur eine höchſt flüchtige Empfindung, denn ſiegreich ſchon verſcheucht der nahende Sonntag den leiſern Schatten: der rechte Ruhetag ſteht ja erſt noch unangetaſtet bevor, heute wurde nur erſt der gehörige Anlauf dazu genommen.
Noch aber hat das Fegen und Schweifen in den Straßen ſein Ende nicht erreicht, ſtets fort huſchen dunkle Geſtalten mit ihren Standeswahrzeichen, den Kuͤbeln und Beſen, vorüber, ſtehen, bücken ſich, rutſchen hie und da in der Dämmerung umher. Indeß etwas Samstagsruhe drängt ſich ſelbſt in die raſt⸗ loſe Thätigkeit dieſer Unermüdlichen. Fließen nicht bane die Brunnen der Straßen jetzt kangſamer? Oder warum ſtaͤnden ſonſt hier dieſe Mägde halbe Stunden lang bei der Röhre, ohne daß ihre Zuber ſich füllen wollen? Ja, nicht nur das todte Waſſer, ſelbſt die lebendigen Fegerinnen beugen ſich all⸗ mälig dem Gebote des Sabbaths, fort und fort ſprudelt hier der Waſſerſtrahl über den längſt ſchon gefüllten Kübel, waͤhrend die Eigenthümerin unbeweglich daneben ſteht und, Fegen hin Fegen her! bereits mitten im Sonntag dreinſteckt, mit der Freundin, dem Freunde noch viel wichtigere Verabredungen trifft, weit intereſſantere Spaziergänge unternimmt, als alle Schulmeiſter der Welt zuſam⸗ men. Wäre das Lauſchen nicht unbeſcheiden und plätſcherte nicht unaufhörlich der mitverſchworene Waſſerſtrahl dazwiſchen, es ließen ſich den leiſen Brunnen⸗ geſprächen eines Samstagabends die köſtlichſten Schätze entheben! So aber be⸗ ſchränken wir uns auf das Samstagsgefühl, deſſen auch wir uns in den dun⸗ keln Straßen nicht länger zu erwehren vermögen und das uns nach den fried⸗ lichen Räumen des eignen Hauſes zurückleitet.
Auf dem Heimwege bannt uns in einem entlegnen Gaͤßchen noch auf Augen⸗ blicke auch ein Lied, das hoch aus geöffnetem Fenſter eines Dachſtübchens in die nächtige Stille hinausklingt. Eine, wie es ſcheint, ältere Frauenſtimme ſingt dort, im Vorgenuß der Sabbathsruhe, die alte, fromme Weiſe des ehrlichen Benjamin Schmolke. Wie ein Segen, am Ende der Woche, ertönt es von oben über die dunkle, alte Stadt:
Soll das in dieſem Leben Die letzte Woche ſein, Will ich nicht widerſtreben, Nein, mich im Geiſte freu'n Auf einen Feierabend, Den Chriſti Tod gemacht! Und dieſe Hoffnung habend, Sprech' ich nun: gute Nacht!
Die Korallen.
Es iſt nicht allen Leſern der Maje bekannt, daß der Herr der Welt auch in den Tiefen des unermeßlichen Meeres, wohin nur ſelten ein menſchliches Auge dringt, eine eigene Welt von Thieren und Pflanzen geſchaffen hat, die auch da ihres Daſeins Zwecke erfüllen; noch weniger aber, daß auch in der Tiefe des Oceans dieſe Geſchöpfe in wundervollem Farbenglanze ſchimmern, wie die Bäume und Thiere im hellen Sonnenſchein um uns herum.
Unter den zahlreichen Geſchöpfen verdient die edle Koralle beſondre Auf⸗ merkſamkeit, weil ihre hochrothe Farbe und ihr feſter Stoff ſie beſonders dazu
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