Jahrgang 
2 (1858)
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loſes Rathen und Zuſammenſtehen, bis zuletzt eine vierſchrötige Magd herzhaft durch die Fluth watet und den umgekehrten Beſen ein Paarmal kräftig unter's Brücklein ſtößt. Plötzlich ſtürzt ein trüber Strom unter dem Stege hervor und reißt gewaltſam alle Hinderniſſe mit fort, hinunter. Es iſt geholfen, die Waſſer verziehen ſich, es kann ohne Störung weiter geſcheuert werden.

Aber entfliehen wir dem Ringen und den Wehen, die einmal naturgemäß der morgenden, neugebornen Sonntagsreinlichkeit und Feſtlichkeit vorangehn müſſen, und meiden wir die Gefahr, im Wuſte der abgelaufenen Woche zu erſticken, bevor wir nur die reine Sonntagsluft geathmet. Flüchten wir uns aus der Wüſte des Samstags auf ſeine freundlichen, ruhebietenden Oaſen.

Wohl rennt noch am ſpäten Abend hier ein ſchmieriger Schuſterjunge mit einem Paar funkelnder neuen Stiefel über die Straße, tänzelt dort ein geſchmei⸗ diger Schneider vorüber mit einem Rock, einer Weſte am Arm, die morgen zum Erſtenmal glänzen ſollen und dringlich auf heute noch beſtellt worden. Mancher, der die zweite Wochenhälfte vielleicht nur läßig gearbeitet, heute zum letzten Tagewerke nimmt er ſich doch noch zuſammen, mit Ernſt, wenn nicht mit Eifer, ſucht er ein Ziel, einen Abſchnitt wenigſtens, in ſeiner Berufsarbeit zu erreichen; ein Stück Gewiſſen oder herkömmliches Ehrgefühl treibt ihn, die Woche ſo zu ſchließen, umEnde gut, Alles gut ſagen zu können und den Sonntag dann um ſo eher zuverdienen. Der Geſelle räumt die Abfälle, ſtellt ſein Werkzeug zuſammen, der Meiſter die gefertigte Arbeit; Kaufmann und Beamteter ſchließen ihre Bücher und Kaſſen ab, und hinter den zuklappen⸗ den Deckeln, den einſchnappenden Schlöſſern liegt eine Woche fix und fertig eingebucht und einkaſſirt. Vermehrt zwar dieß Alles die gewöhnliche Thätigkeit, es geht dafür am Samstage um ſo flinker aus der Hand, der von ferne we⸗ hende Sonntagswind wirkt ſchon ſtärkend, ermunternd und ſo gewinnt Dieſer und Jener erſt noch ein Stündchen Feierzeit obendrein, indem er mit dem Ab⸗ ſchluſſe früher zu Ende kommt. Denn, was Neues anfangen am Samstag Abend wem fiele das ein! Ein Spaziergängchen, als Vorbereitung für den Sonntag, ein halb Stündchen eher bei'm Glaſe Bier oder in der Behaglichkeit des eig nen Hauſes, mit der hellen Ausſicht in den morgenden Ruhetag, ſolchen ſtillen Freuden und Ergötzlichkeiten ſchließt der Samstag für mehr als Einen ein, und nicht zuletzt für den Fleißigen und Gewiſſenhaften, wie das ſonſt kein anderer Tag thut.

Freilich, wenige Sterbliche haben es ſo gut, wie die Schulmeiſter, denen ſchon die ſamstägliche Mittagſtunde den Tag der Ruhe und Erhohlung einläutet. Schon am Samstag Morgen iſt der Lehrer viel nachſichtiger und läßt der muth⸗ willigen Jugend weit eher Etwas ungeahndet hingehen, als ſonſt in der Woche. Die Freiheit, die ihm Mittags lacht, entſchuldigt bei ihm gewiſſermaßen auch das Freiheitsgefühl, das in dem leichtblütigen Schüler am Morgen bereits ſpuckt. Und wenn heute die ernſthaften Herren nach der Schule noch unter der Pforte beiſammen ſtehn, da geſchieht es nicht um über den und jenen armen Sünder von Jungen den Stab zu brechen, ihre Noth mit einem unverbeſſerlichen Frücht⸗ lein ſich zu beklagen, oder durch einen Stoßſeufzer das ſchwere Herz von ſonſt einer Laſt zu erleichtern. Angeſichts der halbtägigen Extra⸗Sabbathfeier, welche die Glücklichen vorweg nehmen, werden jetzt vielmehr Vorſchläge, Pläne gemacht, wie am beſten mit dem anvertrauten Pfunde zu wuchern ſei? Bei dem ſchönen Wetter ſchlagen die Beweglicheren einen weiteren Spaziergang vor, die Beque⸗ meren einen ſolchen bloß in die Nähe, um bei geſelligem Geſpräche des Lebens ſich zu erfreuen, und in aller Ruhe den Schulſtaub hinwegzuſpülen weil denn doch am Samstag Alles muß rein gemacht werden.

Laſſen wir die Beneidenswerthen ziehen, über Berg und Thal die Einen, in's nächſte Dorf die Andern, und gönnen wir ihnen die friſche Luft, den hei⸗ tern Sonnenſchein, darin ihxe Amtsgravität und Präceptorminen ſich behaglich auflöſen in geſellige Mittheilung, in ungezwungenes Dargeben des natürlichen