Jahrgang 
2 (1858)
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ſo iſt niißt etwa auch ſaures Kirſchwaſſer gemeint, ſondern lediglich Sauer⸗ kraut. er denkt nicht an Hebel'sMarktweiber, mit dem Schluſſe:

Chromet grüne Bohne! Mer wen do das Gäßli uf!

Der Samstag.

Der Samstag iſt der Abend der ganzen Woche. Wie mit jeder Tages⸗ neige die Aufgabe des abgelaufnen Tages zu einigem Abſchluſſe zugeſpitzt und gleichwohl der Anfang des kommenden eingefädelt wird, ſo flackt in noch geſtei⸗ gertem Maße die Arbeit der ſchwindenden Woche am Samstage noch einmal lebhaft auf, während zugleich für die künftige Woche ein neuer Docht zugerüſtet wird. Dieß verleiht denn auch dem Samstage ſeinen doppelten Charakter der regereen Thätigkeit und der bevorſtehenden Ruhe. Der Samstag weiß aber immer genau was er will, er hat ſeine beſtimmte Abſicht und dieſe höchſt prak⸗ tiſche Richtung unterſcheidet ihn eben von dem träumeriſch unentſchloſſnen, gleich⸗ ſam zwiſchen zwei Stühlen abſitzenden Vetter Mittwoch.

Das von Anſtrengung geröthete Antlitz dieſes Januskopfes tritt Jedem entgegen, der nur durch die erſte beſte Straße der alten Stadt ſchreitet und zwar ſo von allen Seiten, daß allein ſchon dieß Gehen mit ſeinem Ausweichen und Vorſehen, mit ſeiner Beſchleunigung und ſeinem Anhalten beinahe ſelber zur Arbeit wird. Beſen, Waſchlappen, Kehrwiſche ſcheinen heute die gute Stadt inmitten ihres Handels und Wandels in Belagerungszuſtand verſetzt zu haben, und eine wahre Schreckensherrſchaft zu führen. Wie die Mündungen aufgefah⸗ rener Kanonen gähnen drohend links, rechts, in der Mitte der Straße Kehricht⸗ fäſſer und Fegekübel, bedient von Amazonen, deren erhitzte Geſichter, von halb⸗ gelöſten Haaren umhangen, wie die geſchürzten Kleider, mit den breiten naſſen Säumen, hinlänglich, ſowohl die ſtreitbare Luſt, als Rüſtigkeit kundgeben. Gehſt du in der Mitte, ſo droht von der einen Seite eine aufwirbelnde Wolke Kehricht dich zu erſticken; von der andern beſpritzt dich der blinde Eifer eines Beſens noch nachdrücklicher. Springſt du zur Seite an die Häuſerreihe, dann fluthet ein Schwall trüben Waſſers über irgend eine Schwelle dir tückiſch auf die Füße, oder aus dunkelm Hausgange explodirt unter dumpfen Schlägen der Staub einer Strohmatte dir gerade in's Angeſicht. Aus den oberen Stockwerken der Häuſer flattern wohl Teppiche und Tücher, wie zum Empfange eines ge⸗ krönten Hauptes; aber erhebe das deine nicht zu ſtolz, denn den bunten Falten entſinken Staub, Broſamen, Fadenreſtchen, Papierſchnitzel kurz was Alles eine Woche darauf abgelagert, bevor es das Fegefeuer des Samstags aus ſeiner Sicherheit aufgeſtört. Trockenes und Naſſes, Dickes und Dünnes, Grobes und Feines, von unten herauf, wie von oben herunter, iſt unter Ziſchen, Plätſchern, Kreiſchen im hellen Aufruhr gegen den gebürſteten Rock, die blanken Schuhe, die ſaubere Wäſche. Mag die Sicherheits⸗Polizei am Samstag immerhin unmächtig ſein und der Uebermacht weichen, das wenigſtens darf ihr zum Vorwurf gemacht werden, daß ſie den Vorübergehenden nicht von zehn zu zehn Schritten ein warnendesAufgepaßt! zuruft. Das Straßenbäch⸗ lein, das ſonſt ſo gemüthlich und ſtillvergnügt in ſeiner Rinne über's Pflaſter murmelt und dienſtfertig der trägen Magd ſeinen Rücken leiht, am Samstag ſchleppt es nur mühſelig all das ihm Anvertraute weiter, bis am Ende die Laſt doch ſeine gemeſſene Kraft uͤberſteigt, da, dort ein Theil der unmenſchlichen Bürde von ſeiner Schulter auf den Grund ſinkt und anderes, das ſich auf dem Boden nur fortgewälzt, dran hängen bleibt. Gerade vor dem Bruͤcklein fängt's jetzt an ſich zu ſtauen, oder erreicht die Diele, ſogar das Waſſer vergißt nun weiter zu fließen, wie bei einem Volksauflauf bringt jeder Augenblick Zuzug, dieſer drängt, erſchrocken weichen Waſſer und Kehricht auf die Seiten, die halbe Straße verwandelt ſich in eine große Lache. Nun erſt Noth, Geſchrei, rath⸗