Jahrgang 
2 (1858)
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Korb, der an ihrem Arme hängt. Und hat ſte entdeckt, was ſie geſucht, wie beharrlich iſt ſie da im Markten] wie zankt und feilſcht ſte ſo zaͤhe um ein paar Rappen(Kreuzer). Weiß ſie doch gar wohl, daß hier einige Rappen und dort einige einen Batzen ausmachen und ein Batzen(ein alter nämlich), der iſt ſchon Geld. Auch iſt es vielleicht nicht einmal ausſchließlich die Sparſamkeit, welche ſie beſtimmt; ſo ein klein Bischen Neigung Recht zu behalten, ihren Willen durchzudrücken, mag die häusliche Tugend wohl mit unterſtützen und darum hat denn ein abgemarkter Kreuzer ſtets den doppelten Werth⸗

Wie verſchieden hier von dieſer bürgerlichen ze diſeii ſind dort jene Mäͤde in den blanken Schürzen und mit den weißen, feingeflochtenen Armkörben! Ob die ſchon geraume Zeit auf dem Markte ſtehen, ihre Körbe ſind gleichwohl noch leer. Sind ſie vielleicht in ihrer allzuängſtlichen Sorge, der Herrſchaft ja ein recht ausgeſuchtes Gemüſe heimzubringen, vor lauter Whts zu keinem Kaufe gekommen? oder haben ſie in ihrer Gewiſſenhaftigkeit etwa die Preiſe für die Waare gar zu übertrieben gefunden? Der glückliche oder unglückliche Zufall hat es gewollt, daß die Suſette, bei'm erſten Tritt auf den Markt, der Liſette be⸗ gegnet iſt, neben der ſie früher im ſelben Hauſe gedient, und kaum hatten ſich die beiden begrüßt und die nothwendigſten Mittheilungen gemacht, ſo ſtieß noch eine Landsmännin zu ihnen, die Grethe, oder wie ſie ſeit dem letzten Geſinde⸗ wechſel nun hieß, die Margueritte. Alle drei ſtanden bei neuen Herrſchaften in Dienſt und es läßt ſich leicht errathen, wie vieler Zeit auch die geläufigſten Zungen bedurften, um drei Herren, drei Frauen und alle die era fenen und unerwachſenen Kinder nur auch nothdürftig zu ſchildern und zu kritiſiren. Der Markt begann bereits ſich ein wenig zu lichten, die Bürgersfrauen und manche der Mägde, welche das Mittageſſen daheim zu rüſten hatten, waren mit ihren ſchwerſeufzenden Armkörben abgezogen, und viele Bäuerinnen ſelbſt machten ſich ſchon wieder auf den Heimweg. Mit einmal fiel es da einer der drei Freundinnen bei, daß die vier Scheiter Holz, die ſie vor etlichen Stunden beim Fortgehen noch unter den Suppentopf gezwängt, wohl ſchon längſt verbrannt ſein moͤchten und als es nun gar vom 1.1 herab 11 Uhr ſchlug, fuhren beim letzten Schlage alle mit einem Schreckensſchrei auseinander, gcboſſen dahin, dorthin an Koͤrbe, darin noch was grünes lag, und ohne lange zu wählen oder zu markten kauften ſie zuſammen, was eben in der Ecke und in ſo ſpäter Stunde noch zu erhalten war..

Von den Landleuten traf man indeß immer etliche auch in den Straßen an, wo ſie ihre Waare mit lautem Rufe feil boten, um den bequemen Käufern den Gang nach dem Markte zu erſparen, oder den Leuten, die nicht zum Kaufen ge⸗ neigt waren, mit der gebotenen Gelegenheit die Luſt dazu zu erwecken! Kinder mit Erdbeeren, andere mit Beſen, ſchreien zwiſchenein ihren Kram aus und ſchellen wohl auch an bekannten und unbekannten Glocken, gewiß, durch ihre Jugend oder Armuth geneigte Abnehmer zu gewinnen und neben dem be⸗ dungenen Kaufpreiſe noch eine gute Suppe, ein Stück Brot, ein Kleid zu er⸗

haſchen.

Was dieſe jugendlichen Verkäufer durch einen gewiſſen, beweglichen Aus⸗ druck in ihrem Rufe zu erreichen pflegen, das ſuchen die Erwachſenen durch die unerſchütterliche Gewiſſenhaftigkeit zu erzielen, womit ſie ſämmtliche Verkaufs⸗ gegenſtände, der Reihe nach, namhaft machen: gelbe Rüben, oder Salat, oder welſche Bohnen, oder Körbelkraut, oder Sellerie, oder Zwiebeln! ſo geht's im gedehnteſten Dialekte fort. Es iſt nur zum Verwundern nicht wo die

uten Weiber all dieß haben, denn die Körbe ragen thurmhoch über ihre Köpfe aber wo ſie die Luft hernehmen zu dem einen Athemzug, in den fie Alles zuſammenpacken! Es genügt nicht immer nur ein geübtes Ohr zum Verſtändniß, ſo wenn z. B. feil gerufen wird: ſüß Kirſchwaſſer oder Saures!