Jahrgang 
2 (1858)
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582. ſtand zuſammengerufen werde. Dies geſchah. Obwohl bleich doch mit feſter Stimme redete er die Verſammelten an.

Ich war einſt unter Euch, ſagte er, ein geachteter Mann; auch dann, als ich in Armuth ſank, habt Ihr mich mehr bedauert als getadelt. Dies iſt nun anders, eine Schuld, eine ſchwere Schuld laſtet auf meinem Haupt. Ich lebte, wie Cuch bekannt iſt, ſeit längerer Zeit mit dem Wendelhofbauer in Feindſchaft; oft hatte ich den Gedanken, ühm das zu vergelten, was er mir gethan. Aber ich be⸗ zwang meinen Haß. Als er ſeine Scheuer aufrichtete, und mir das Auge aus⸗ ſchlug, da erſt ſchwur ich, Rache an ihm zu nehmen. Ich zündete ihm die Scheuer an, geſtern ehe er ſein Schloß bezog; ein Mörder wollte ich nicht werden, darum trug ich ihn aus dem brennenden Hauſe. Weil ich das that, verſtummte Euer Verdacht. Ich hätte wohl der Strafe entgehen können, doch mein Gewiſſen ver⸗ klagt mich. Ich habe ſeit geſtern furchtbare Stunden durchlebt. Ich irrte durch den Wald o, ich kann Euch nicht ſagen, was ich empfunden! Ich gedachte mir das Leben zu nehmen, dann rief wieder eine Stimme: nein, gehe hin und bekenne deine Schuld! Ich ſchwankte hin und her, meine Qual und Angft war groß. Da ward mir's endlich klar, was ich thun ſollte, Ihr habt mein Geſtändniß gehört. Gott möge mir gnaͤdig ſein, ich will meine Strafe büßen.

Ellner ſank auf einen Stuhl und verhüllte ſein Geſicht. Seine Worte hatten die Anweſenden, die ihn ſo lange als einen rechtſchaffenen Mann gekannt, mit Schauder und Mitleid erfüllt; die Pflicht forderte es, den Unglücklichen dem Gericht zu übergeben. Die traurige Kunde erfuͤllte bald das Dorf.

Wir fügen nur Weniges bei. Sowohl die geſtrige Unterredung mit Lenchen, als auch der unmittelbar folgende Brand, der ſchreckliche Vorfall mit dem Vater dieſe Ereigniſſe hatten erſchütternd auf den Sohn des Hofbauern gewirkt. Er war edel genug, was er und ſein Vater an Ellner verſchuldet, freimuͤthig zu geſtehen und äbſt auf eine Strafmilderung anzutragen. Damit begnügte er ſich nicht. Er nahm ſich auch der verlaſſenen Familie an und machte ſeinem Vater den Vorſchlag, den ſchuldloſen Kindern Ellners das elterliche Haus nebſt einigen Grundſtuͤcken unentgeltlich zurückzugeben. Der Hofbauer gab ſtumm ſeine Einwilligung. Lenchen zog darauf mit ihren Geſchwiſtern in ihre ehemalige Wohnung; Richard wagte nicht, ihr ein zweites Mal mit ſeinen Wünſchen zu nahen. Seine Liebe war ge⸗ läutert. Mit Achtung und inniger Verehrung hing er zeitlebens an dem trefflichen Mädchen; auf ihr Zureden nahm er auch ſeine Frau wieder zu ſich. Ihre Che war ſeitdem, wenn nicht glücklich, doch einig und zufrieden.

Der Hofbauer, der ſich ſeit dem Brande für Alles theilnahmlos zeigte, über⸗ gab den Wendelhof ſeinem Sohne, das Gut in Oberndorf wurde veruunt. Sein krankhafter Zuſtand verſchlimmerte ſich allmählig und artete in wirkliche Geiſtes⸗ ſtörung aus; des Tages wohl zwanzig Mal ging er um den neuaufgebauten Hof oder zaͤhlte ſtundenlang Steinchen, berechnete Geldſummen und murmelte dabei das WortFeuer. Dies war ſeine Beſchäftigung. Ellner ſtarb das zweite Jahr im Gefängniß, gefaßt und ſich noch erfreuend an dem Strahl der Abendſonne, der auf ſein Todeslager fiel. Er hatte ſeine Schuld bereut und gebüßt.

Aus dem Tagesleben einer alten Stadt. Von Meyer⸗Merian. Freitag.

Seit einigen Jahren gibt es nun in der alten Stadt ordentliche Gemüſe⸗ handlungen, Kaufladen oder Magazine, darin man jeden Tag und zu jeder Zeit des Tages friſches und auserleſenes Gemüſe, den feinſten Blumkohl, die