Jahrgang 
2 (1858)
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eimer iſt ſeiner Hand entſunken, kalter Schweiß rinnt von ſeiner Stirn, auf ſein erdfahles Geſicht werfen die Flammen ihre grellen, wechſeinden Streiflichter, Seine Mienen ſcheinen verzerrt. Der Wind wühlt durch ſein graues, ſtruppiges Haar. Die Zunächſtbefindlichen betrachten ihn grgwöhniſch, Einer macht den Anderen auf⸗ merkſam. Eine Stimme ruft fimn R men, er ſchrickt zuſammen, ſeine Kniee ſchlottern, ſein eines Auge geht ſtier tn Kreiſe herum, als ſtelle es an einen Jepen die Frage, warum ſiehſt du mich an? was lieſeſt du Schreckliches in meinen Mienen? Und als wolle er ſich losreißen, den Hunderten auf ihn gerichteter Blicke entfliehen, ſo ſtürzte er fort.

Aber es war kein Entkommen, was er ſuchte. Er erfaßte eine der Leitern, ſtieg hinauf, ſchwang ſich durch das Fenſter und verſchwand vor den Augen des lautlos ſtaunenden Buſchuer in dem lohenden, dampferfüllten Hauſe. Schon brannte die Decke des Zimmers, auf dem Fußboden lagen flackernde Trümmer, durch die Thüre wälzten ſich Flammen und Qualm. Nahe or der Schwelle, die Brieftaſche in den krampferſtarrten Händen, lag regungslos der Körper des Hof⸗ bauern. Ellner zuckte unwillkürlich zuſammen nur einen Moment! dann raffte er den Lebloſen auf ſeine Schultern. Die Gluth verſengte ihm das Haar und die Kleider, der Rauch drohte ihn zu erſticken. Er erreichte aber glücklich das Fenſter. Ein Schrei des Jubels erſcholl, zwanzig Hände waren berelt den Geretteten zu empfangen, den Retter ſelbſt hinab zu geleiten. Vieler Augen fullten ſich mit Thraͤnen, man drückte Ellner die Hand, man überhäufte ihn mit Lobeserhebungen und manche waren darin um ſo lauter, je rückſichtsloſer ſte vorher ihren Verdacht geäußert hatten, daß Ellner der Brandſtifter ſei, Nein! ſagte man ſich, dann hätte er dieſe bewundernswerthe That nicht vollbracht, den Todfeind nicht mit Lebens⸗ gefahr aus den Flammen gerettet; ein Menſch iſt nicht zugleich der Verworfenheit und ſolchen Edelmuthes fähig.

Richard hatte ſich über den lebloſen Vater geworfen; er athmete noch. Schnell wurde jede Huͤlfe angewendet, die Verletzungen ergaben ſich als weniger gefährlich und nun eilte der Sohn dem Retter des Vaters zu danken. Aber, wie man dieſen auch ſuchte, er war nirgends 1 finden.. 6

Das Feuer war niedergebrannt, ein Theil der Hülfeleiſtenden hatte ſich ſchon nach Hauſe begeben; man fragte auch dort nach Ellner, er war nicht in ſeine Wohnung gekommen. Lenchen hechiet⸗ Entſetzliches, ſchreckhafte Bilder ſchwirrten vor ihren Augen; ſie ſah den Vater, wie er ſich verzweifelt hinab in das Waſſer ſtürzte, wie er, an einen Baumſtamm gelehnt, eine Schlinge um ſeinen Hals legte. Alle Augenblicke erwartete ſie, daß man einen bleichen, entſtellten Leichnam in das Haus tragen werde.

Unterdeß war der Morgen angebrochen, einer jener lieblichen Morgen, wie ſie der Herbſt uns bringt, wo der Himmel ſo durchſichtig klar iſt, wie ein tiefer, ſtiller Bergſee. Kaum regt ſich das Laub, aus dem die reifen Früchte hervorglänzen, ein welkes Blatt ſinkt wie träumend zur Erde, mit den letzten Blumen des Jahres geſchmückt geht die Natur zur Ruhe. Nur hie und da tönt noch ein einſames dild, ein leiſes Rauſchen zieht durch die Wälder, Friede ſchwebt über Thal und

öhen. 5 hAas den ſchwarzgebrannten Mauern des Wendelhofs ſtieg langſam, ſich kräuſelnd ein feiner Fhuch zum Himmel auf, verkohlte Balken und zerbröckelte Steine lagen umher; die Stätte war öde, von den Menſchen verlaſſen. Nur der Hofbauer wandelte, auf ſeinen Sohn geſtüht, um die Trümmer und betrachtete ſchweigend die Zerſtörung. Der herriſche, trotzige Ausdruck ſeines Geſichtes war verſchwunden; das glanzloſe Auge, die ſchlaffe Haltung zeigte, daß der eiſerne Wille dieſes Mannes gebrochen war.

Während deſſen trat fine Geſtalt aus dem Dunkel des Waldes hervor und eilte, ſcheu die Brandſtaͤtte vermeidend, auf einem Umwege haſtigen Schrittes dem Dorfe zu. Es war Ellner. Er ſuchte, ohne ſeine Wohnung zu berühren, das Haus des Schulzen auf; dort angelommen, verlangte er, daß der Gemeindevor⸗