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zarteſten Erbſen, die frühſten Böhnlein, ſchneeweißen Kopfſalat, kurz all das haben kann, wornach nur immer das Herz lüſtet. Was es koſte fragt man hier freilich nur ſo nebenbei.
Früher verhielt ſich's anders. Es war für ſolche Artikel ausſchließlich der Markt da, auf den die Gärtner des Stadtbannes und die anwohnenden Land⸗ leute ihr Gemüſe, ihr Obſt, ihre Blumen brachten, nebſt Eiern und Geflügel, wozu gelegentlich noch die Butter, Flachs zum Spinnen und Spanferkel ge⸗ hörten. Dieß Alles wurde zu den Thoren der Stadt, meiſt auf den Köpfen, in früher Morgenſtunde hereingetragen, auf dem Markte mit wenig Kunſt aus⸗ geſtellt und ſo gut als möglich an die Stadtleute verkauft. Der Marktplatz war der geräumigſte Platz mitten in der Stadt, und vor dem Rathhauſe obendrein. Den Hänſern entlang, und auch in der Mitte des Marktes, ſtanden lange höl⸗ zerne Bänke, darauf die Verkäuferinnen ſaßen und ihre Erzeugniſſe vor ſich ſtehen hatten, Bank an Bank, Korb an Korb in langen Reihen. Beſondere Vorkehrungen waren ſonſt keine getroffen, außer daß aucht ein paar Polizei⸗ diener herumſtanden und ſogenannten Marktherren die Aufſichtrüber die Reife der Früchte und das Recht im Handel und Wandel anvertraut war— was Alles ſehr wenig Geräuſch machte. An gewöhnlichen Tagen begegnete man meiſt nur den gewöhnlichen Geſichtern: hier ſaß dieſe und dort jene Gärtnersfrau mit ein paar Körben Gemüſe, Obſt, in kleineren Körben das feinere oder koſtbarere obenauf und wohl noch einige Blumenſträuße daneben. Gegen Mittag verloren ſich dieſe Händlerinnen und nun behaupteten die ſogenannten Fürkäuflerinnen (Höckernweiber) das Feld, die Spekulantinnen der alten Zeit, welche ſo billig als möglich von Landleuten, die gerne bald wieder heimgewollt, deren geſammte Waare erhandelt und ſie nun ſo theuer wie möglich, d. h. mit ein paar Batzen Gewinn, in's Einzelne wieder verkauften. Es gab ſo ein Halbdutzend runzel⸗ voller Geſichter, die von dreißigjährigem Sonnenſchein und Regen verwettert genug ausſahen, Weiber, die weder die Mittagsgluth der Juliſonne, noch der ſchneidende Froſt eines Januarmorgens je von ihrem Poſten wegzuſcheuchen vermochte. Einmal ein Tuch über dem Kopfe, das Andermal eine Kohlenpfanne unter den Füßen, das war die Schutz⸗ und Trutzwaffe, auch dem heftigſten An⸗
riffe gegenüber. Dieſe Höckerinnen erfreuten ſich vor Allen der Zuneigung der ugend; fand ja ein eruͤbrigter Kreuzer hier die geeignetſte Stelle ſich in eine Handvoll Pflaumen, Kirſchen, ein paar verſchrumpfte Aepfel, ein Oſterei und dergleichen umzuwandeln. Den noch ſcheuen Kindern bot ſich damit zugleich auch Gelegenheit, um des Lebens Güter herzhaft feilſchen zu lernen, während die Verwegenen, welche Pflaumen und Kirſchen nur immerfort verſuchen wollten und nach dem Preiſe fragten, ohne Geld zu beſitzen, den Folgen dieſes Miß⸗ verhältniſſes häufig nur wieder durch ein anderes Mißverhältniß, das der jungen und der alten Füße, ſich zu entziehen vermochten.
Solche regelmäßige Zuſtände des täglichen Kleinverkehrs erfuhren jeden Freitag noch eine beßonvere periodiſche Steigerung. Am Freitag, als dem Wochenmarkttage, verſahen ſich die Haushaltungen bereits mit dem Gemüſe auf den Sonntag. Der halbe Platz ſtand dann mit Bänken überſtellt, vom Lande her waren zahlreiche Frauen und Mädchen mit ihren Feld⸗ und Garten⸗Erzeug⸗ niſſen nach der Stadt geſtrömt, daraus ein paar Batzen, als Lohn für halb⸗ jähriges Sorgen und Pflegen, heimzutragen. Ein Theil des Gewinnes wurde vielleicht ſofort in die nothwendigſten Haushaltungsbedürfniſſe umgetauſcht, in ein Pfund Kaffee, ein Päckchen Lichorde, Zucker, ein Geräthe. Denn damals ſtanden die Marktweiber von Bern und Baſel z. B. noch nicht in telegraphiſcher Verbindung mit einander, und durch den Hauenſtein hindurch unternahmen die Kirſchen Zentnerweiſe noch keine Vergnügungsreiſen nach der innern Schweiz, wie die Engländer. Mit Muͤhe oft nur, unter vielfachem Aufenthalt und Stoßen, bahnte man ſich da den Weg durch die dichte Maſſe der ländlichen Verkäu⸗ ferinnen, durch die aufgeſtellten Körbe, Bänke, die Feilſchenden und Neugierigen,
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