Jahrgang 
2 (1858)
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Richard war betroffen. Ich ſetze es durch! rief er, kein Hinderniß ſchreckt mich.

Denke nicht mehr an mich.

Zuͤrnſt du mir noch? mißtrauſt du meinen Worten?

Nein, deine Wünſche ſind die meinigen nicht.

In einigen Wochen bin ich geſchieden, die Verhandlung iſt im Gang.

Und deine Kinder?

Du wirſt ihre Mutter.

Nimmer, nimmer, Richard!

Ich wiederhole dir's, um deinetwillen trenne ich mich von meiner Frau.

Um meinetwillen? entgegnete Lenchen mit einem großen, ſchmerzlichen Blick. An mich band dich dein freier Wille, hier zerreißt du heilige Bande.

Es ſind Feſſeln, ich werfe ſie ab!

Frevple nicht.

Ich kehre zurück zu dir; das war ein ſüßer Bund der Herzen.

Du haſt auch dieſen zerriſſen.

Biſt du unverſöhnlich?

Sieh' meinen Vater an, ſagte Lenchen, wie elend er iſt. Als ich ihn zum erſten Male erblickte, ſo gräßlich verſtümmelt, mit dem einen Auge, da uͤberlief mich ein kalter Schauder. Ich war noch nicht mit ihm verſöhnt! Dieſer Ge⸗ danke drückte einen ſcharfen Stachel in meine Seele; lange hatte ich mich nach Ruhe geſehnt, nur die wirren Töne des Schmerzes ſchlugen an mein Ohr, kein Klang des Friedens. Ich war entſchloſſen, was ich thun ſollte.

Laß dieſe Erinnerungen!..

Meine Mutter liegt im Grab, meine Geſchwiſter wachſen wild heran, ohne Zucht, die ſorgende Hand fehlt.

Du kannſt es nicht ändern..

Richard, ſieh' deine Familie an! Du lebſt in Zwietracht mit deiner Frau, mit deinem Vater, der Frieden deines Hauſes iſt zerſtört. Es iſt viel Unheil ſchon geſchehen es iſt genug.

Klage mich an! rief Richard düſter. Ja, ich war es, der dich zuerſt betrog; ich habe in erbärmlicher Schwäche zehnmal mehr gefehlt, als du. Aber beim Himmel, ich mache es wieder gut!

Unglücklicher, nimm deine Frau zu dir, rief Lenchen; wir Beide ſind für immer getrennt.

Jetzt! rief Richard erſchuttert, jetzt trittſt du zurück, wo ich mein ganzes Glück auf dich gebaut?

Du haſt ſeit Jahren, entgegnete Lenchen, dich nicht nach mir umgeſehen. Mein Kind ſtarb, es war auch das deinige; es hat dich nicht gekümm ert. Sieh', hier iſt ſein Spielzeug, ich nahm es von der Wand und packte es ein; deßhalb weinte ich vorhin, als du kamſt.

Richard ſchlug verlegen das Auge zu Boden.

Als das Kind ſtarb, fuhr Lenchen tiefbewegt fort, ging eine Umwandlung mit mir vor. Du hätteſt es ſehen ſollen ringend mit dem Tod und im Tode noch mich anlächelnd, die kleinen Händchen nach mir ausſtreckend!...

Lenchen, rief Richard ergriffen, gräme dich nicht ſo!

Da ich es nun verloren, will ich an meinen Geſchwiſtern Mutterſtelle ver⸗ treten und meinen armen Vater pflegen.

Unmöglich! verlaſſe mich jetzt nicht, rief Richard, wo ich bereit bin, Alles zu thun, um deinen Beſitz zu erlangen.

Ich habe dir genug geſagt, erwiederte Lenchen ruhig, aber beſtimmt.

Es iſt Hohn, verſetzte Richard heftig, es iſt das Härteſte, was du mir thun kannſt, wenn du dich jetzt von mir losſagſt!

Noch iſt es nicht zu ſpät, entgegnete Lenchen, knüpfe die zerriſſenen Bande wieder; verſöhne dich mit deiner Frau, mit deinem Vater.