Jahrgang 
2 (1858)
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Die Thüre iſt angelehnt, ſte geht auf, leiſe, wie vom Luftzug bewegt. Lenchen gewahrt es nicht. Aber durch die Thüre blickt Jemand und lauſcht, das Auge voll inniger Theilnahme auf die Trauernde gerichtet. Noch immer hat Lenchen nichts bemerkt. Als aber der Eintretende den Fuß in das Zimmer ſetzte, da richtete ſie ſich auf, ein leiſer Schrei entfuhr ihren Lippen. Richard ſie ſah ihn ſtarr an.

Erſchrickſt du vor mir? ier iſt dein Ort nicht, erwiederte die Bebende. Weiſe mich nicht ab! 2 4 wagſt du einzutreten? was willſt du? Eiine Schuld ſuͤhnen.

Es iſt zu ſpät, zu ſpät! Sieh mich nicht ſo zürnend an o Gott, wie biſt du bleich! Lenchen, du ſollſt wieder lächeln, du ſollſt wieder glücklich ſein.

Wie wäre das möglich? Ich will dir Alles erſetzen. 4 Jugend, Liebe und Glück und Ehre und Frieden des Herzens? Du, der mich

um Alles betrogen? V Ich wurde durch meinen Vater gezwungen...

2 Entſchuldige dich nicht.

Ich hätte ihm trotzen, ſeiner Wuth lachen, ich hätte mich verſtoßen laſſen können, wie dich dein Vater verſtoßen hat. Daß ich's nicht that, daß ich mich fügte, nur zu willig fügte, das habe ich längſt und bitter bereut. Ich bin ein

unglücklicher Menſch!

Bedenke, daß ich es auch bin.

Lenchen, was du mir warſt, das erkenne ich erſt jetzt. Ich habe ſchlimme Tage durchlebt, oft wünſchte ich meinem Leben ein Ende.

Du hätteſt glücklich ſein können.

Nein! nimmer mit einem ſolchen Weib. Von der erſten Stunde an habe ich meine Frau nicht geliebt; ihr gefälliges Aeußere hat mich geblendet, ihre ge⸗ borgte Anmuth... Aber ſie hat mir das Leben verbittert!

4. Ich hörte, daß du dich unglücklich fühlteſt und es that mir weh.

1 Es that dir weh? Gute Seele.

Und daß ich, ohne es zu wollen, Urſache war.

Bis zuletzt hat ſie behauptet, daß ich mit dir verkehre.

Sie kennt mich nicht.

4 Ihre Eiferſucht, dieſe eigentlich hat die Kluft zwiſchen uns aufgeriſſen, uns getrennt.

So verkettet ſich, was der Menſch thut und leidet.

Um ihn gerade da zu ſtrafen, rief Richard, wo er ſchuldlos iſt; nennſt Du

das gerecht? O nein, nur um ſo lebhafter ſtieg dein Bild vor meiner Seele

auf; du warſt in Allem das Gegentheil, wie liebevoll, innig, treu und hin⸗ ebend. 1

3 Lenchen lächelte trübe.

Um ſo mehr zog mich's wieder zu dir. Liebte ich dich einſt um deiner

3 Schönheit, deiner Reize willen, ſo liebe ich dich jetzt von ganzer Seele, weil

du ſo freundlich, ſo engelgut biſt.

Still, kein Wort mehr! rief Lenchen bebend.

Ja, ich bekenne dir's, fuhr Richard leidenſchaftlich fort, ich liebe dich jetzt mehr, als ich je dich geliebt habe! Lenchen wich einen Schritt zurück.

Um deinetwillen löſe ich ein Verhältniß, das mir unerträglich iſt; du wirſt mein Weib.

Nein, Richard, nie! ſagte Lenchen zitternd, aber feſt entſchloſſen,

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Maje, I. Jahrgang.

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