Schulden und in die Hände des Hofbauers gekommen, der zuletzt ſo ſchmählich gegen ihn verfahren war. Der Hofbauer aber brach ſich jetzt Bahn durch die Menge und ſtand plötzlich Auge in Auge Ellner gegenüber. Ja, du warſt es! rief der Wüthende und ehe ihn Jemand zurückhalten konnte, erhielt Ellner einen ewaltigen Fauſtſchlag in das Geſicht. Mein Auge— ſtöhnte der Getroffene und fant zu Boden.
Einige Mitleidige hoben ihn auf und brachten ihn nach Hauſe; der herbei⸗ gerufene Arzt erklärte das Auge für verloren.
Von Tag zu Tag erwartete der Hofbauer, daß er eine Ladung vor Gericht erhalten werde, aber Wochen vergingen und es geſchah nicht. So nahte die Zeit heran, wo der Umzug nach Oberndorf vor ſich gehen ſollte. Alle Anſtalten waren getroffen.
Am Abend vor der Abreiſe ging der Hofbauer mit großen Schritten im Zim⸗ mer auf und ab, hielt an, probirte nochmals die Schlöſſer an der Geldkiſte, nahm die Brieftaſche, welche eine ziemliche Summe in Papieren enthielt, aus dem Secretär und ſteckte ſie zu ſich in den Oberrock. Dann nahm er ſein Hauptbuch heraus, blätterte es durch, notirte. Dies Alles that er mit einer auffallenden Unruhe und Haſt; endlich warf er ſich in einen Seſſel.
Ein reicher Mann! murmelte er vor ſich hin,— ja, im Vergleich zu dem, womit ich anfing. Aber Achttauſend mit einem Schlag verloren! Es iſt uner⸗ hört dieſes Fallen des Getreides, dieſes raſche Sinken, in vierzehn Tagen zwanzig Procent! Das wäre zu verſchmerzen, aber Oberndorf— ja, es iſt entſchieden, ich darf die Hälfte des Waldes nicht ſchlagen; es iſt Gerechtholz, ſo gut als nicht mein. Und ich ſehe, die Regierung giebt nicht nach; ein Schade für mich von wenigſtens zwanzigtauſend Thalern und der koſtſpielige Proceß! Das Glück ſcheint mich zu verlaſſen, indem ich den Wendelhof verlaſſe; wenn es ſo fortgeht, dann fahr wohl ſtattliches Schloß, ſchönes Oberndorf..
Der Hofbauer biß die Zähne auf die Lippen. Der Teufel, wozu habe ich gearbeitet, geſorgt, geſtrebt? Nein, nein! Oberndorf bleibt gerettet, eher geht der Wendelhof fort.
Krampfhaft ſchöpfte er Luft, indem er wieder auf und abging. Er ſchellte und verlangte ſeinen Sohn zu ſprechen; man ſagte ihm, daß derſelbe in das Dorf gegangen ſei.
Ich muß ein Wort mit ihm reden; welchen Verdruß macht mir der Menſch! Kaum ein Jahr verheirathet und dieſer Scandal— die Frau geht fort, er ſchickt ihr eine Scheidungsklage nach, hört nicht auf mein Zureden, wagt mir zu trotzen. Freilich, freilich— Putz, Tändelei, auf Bällen ſchwärmen, unbekümmert um das Hausmeſen, ſolche Frauen taugen nichts. Aber ihr Vermögen herausgeben?—
eerrwünſcht! Alles umzieht, umdüſtert ſich. Jetzt, da ich alt werde, hoffte ich auf ruhige Tage. Betrug— Alles Trug und Taͤuſchung. War ich denn einen Tag glücklich/ ſo recht aus innerſter Seele froh, nur einen Tag in meinem Leben?— Nicht eine Stunde. Armſcliges Daſein! Erſt die Begierde nach Beſitz, dann die Sorge, die Frucht ſeiner Mühe zu verlieren. Nicht blos der Mühe, der Arbeit⸗— der Gedanke drückt mich nieder, auch manches Unrecht.. Der Hofbauer brach ab. Er trat an das Fenſter und ſah in die verlöſchenden Strahlen der untergehenden Sonne.
Dieſe warf ihren letzten Schein auch in das Stübchen, welches Lenchen bewohnte und erhellte freundlich den engen dürftigen Raum. Wir bemerken hier gleichfalls Vorbereitungen zum Auszug. Lenchen trägt ihre geringen Habſelig⸗ keiten zuſammen, ſie legt Stück für Stück in den Koffer; ſie nimmt das Haus⸗ geräthe und packt es in einen Korb. Es ſind auch Tellerchen, Meſſerchen und Spielzeug dabei, wie es Kinder zu haben pflegen. Lenchen packt auch dieſe Dinge ein; ſie thut es mit beſonderer Sorgfalt, ſie kniet dazu nieder, die Thränen rinnen ihr von den Wangen. Todtenſtill iſt's im Gemach.


