Jahrgang 
2 (1858)
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wähnte er, hänge ſeine Tochter auch jetzt noch an ihrem Verführer; deßhalb trotze ſie ihm, vernichte ſie ſeine Bemühungen, ihr Recht zu verſchaffen. Er war außer ſich.

Nach kurzer Zeit kündigte der Hofbauer das Kapital, welches Ellner ihm ſchuldete. Dies war vorauszuſehen geweſen. Als aber das Gütchen öffentlich ver⸗ ſteigert wurde, und der Hofbauer daſſelbe erſtand, als Ellner den Heerd ſeiner Eltern und Voreltern verlaſſen mußte, das bischen Hausgeräthe draußen auf offener Gaſſe lag, Weib und Kinder jammernd daneben ſtanden, die alte, gichtbrüchige Großmutter auch das noch erleben mußte, da traten dem ſtarrſinnigen Menſchen die Thränen in die Augen, ſeine Faſſung verließ ihn, er weinte laut von Schmerz übermannt.

Es hatten ſich viele Leute verſammelt, welche den Unglücklichen ihre Theil⸗ nahme bezeigten und ſie zu tröſten verſuchten. Unter ihnen war auch der alte Meyer. Wehmüthig betrachtete dieſer das Bild des Elends, das ſo ſchutzlos den Blicken Aller preisgegeben war. Habt Ihr Euch nicht nach einem anderen Quartier umgeſehen? fragte er Ellner.

Ich habe Quartier, ſoweit freier Himmel iſt.

Ihr könnt doch nicht hier bleiben...

Ob wir ſo oder ſo verderben, wen kümmert's?

Ihr thut mir leid.

Iſt's wahr? Dann nehmt ein Meſſer, ſtoßt es mir in's Herz!

Faßt Euch.

Im Gemeindehaus hat man mir Wohnung angeboten, ſagte Ellner dumpf, unter Bettlern, unter ja ein Bettler bin ich!..

Es wird ſich ein anderes Obdach finden.

Ich ſchäme mich dieſes Waſſer; habt Ihr mich je weinen ſehen?

Jeder nimmt Antheil an Euch.

Ach, was bin ich geworden! rief Ellner. Hier in dieſem Hauſe habe ich vor zwanzig Jahren glücklich meinen Hausſtand begonnen. Wie hoffnungsreich lag die Zukunft vor mir! Ich war rüſtig, mein Weib war rüſtig, fröhliche Kindergeſichter lachten uns an, und nun! Ich bin um Alles betrogen, betrogen um all mein Glück durch einen einzigen Menſchen!

Das iſt der ſchwärzeſte Fleck. Arm wollte ich ſein, aber Lene!... Es ſollte ſein; was kann der Menſch gegen ſein Geſchick. Es war ſo wenig, was ich mir erbat: geſund ſein, ſchuldenfrei ſein, vielleicht ein kleines Vermögen den Meinigen hinterlaſſen, ehrlich und redlich erworben, das war mein Wunſch und in Noth und Elend ringe ich die Hände; vor der Zeit bin ich ergraut; meine Kraft iſt gebrochen. Könnte ich es dem vergelten, der mir das gethan hat!

Der alte Bauer richtete ſein Auge feſt auf Ellner und erwiederte mit gedämpfter Stimme: bleibt ein ehrlicher Mann, ein rechtſchaffener Mann; hütet Euch vor ſolchen Reden, vor ſolchen Gedanken.

Der Menſch hat die Gedanken nicht in ſeiner Gewalt; ſie entſtehen wie die Wolken dort am Himmel. Wir nennen' ein Gewitter, Blitze zucken durch die Wolken, ſo zuckt mir's durch mein Gehirn.

Keine Rache!

Hört Ihr's, wie meine Kinder ſchreien, die armen das Gewitter kommt näher, ſie haben kein Obdach.

Ja, ſie ſollen eins haben.

Die Rache iſt mein, das ſagt der, deſſen Donner über uns hallt; kann er ſeine Blitze nicht lenken, wohin er will?

Er treffe kein Haupt, ob ſchuldig oder unſchuldig, ſagte der Alte feierlich und entfernte ſich. Nach einer Weile kehrte er zurück.

Dort kommt mein Knecht mit dem Wagen, wendete er ſich an Ellner; eilt, ladet Eure Sachen auf, zieht in mein Nebengebäude, es ſteht leer.