Dein Sohn, antwortete Ellner, hat meine Tochter unterhalten, als ich ſie aus dem Hauſe wies. Sie ſollte an einen fremden Ort gehen der Schande willen, aber ſie ſetzte lieber ihr Verhältniß fort. Von da an war die Ausſöhnung un— möglich, die meine Frau verſuchte und zu der ich bereit geweſen wäre, wenn ſie von ihrem Verführer gelaſſen hätte. Sie hing mehr an ihm als an mir— das hatte ich von meinem Kind nicht erwartet!
Damit beweiſt ſie, verſetzte der Hofbauer, daß ich recht hatte und daß ſie es iſt, die meinen Sohn angelockt und bethört hat.
Sie hat ihre Liebe an einen Menſchen verſchwendet, der ihrer nicht zum hun⸗ dertſten Theil werth iſt.
Er hat dieſe Liebe ſatt.
Der Erbärmliche! nun ſeine Leidenſchaft gekühlt iſt, überläßt er die Unglückliche ihrem Geſchick.
Ihr geſchieht recht.
O, die ungeheure Bosheit!
Sie hat ſich ſelbſt betrogen; ihrer Eitelkeit ſchmeichelte es, Hofbäuerin zu werden.
Dein Sohn verſprach ihr die Ehe...
Ohne mein Wiſſen und meine Einwilligung.
Und jetzt heirathet er die Müllerstochter von Langen...
Haſt du etwas dagegen?
Ich fordere im Namen meiner Tochter, daß er ſein erſtgegebenes Verſprechen erfüllt.
Auf mich kommt es an.
Wenn er ſich weigert, werde ich ihn gerichtlich belangen...
Lächerlich! rief der Hofbauer verächtlich. Du kannſt Einſprache erheben, einen öffentlichen Scandal hervorrufen und mir Unannehmlichkeiten machen. Schließlich bekommt nach ein paar Terminen deine Tochter eine Entſchädigung. Machen wir das kürzer.
Auf welche Weiſe? fragte Ellner gedehnt.
Der Hofbauer trat an ſeine Geldkiſte, nahm mehrere Rollen Geld heraus und legte dieſelben auf den Tiſch. Hier haſt du Vierhundert, ſchweige!
Vierhundert?— erwiederte Ellner und ſah den Hofbauer mit eigenthüm⸗ lichen Lächeln an.
Meinetwegen auch Fünfhundert, entgegnete dieſer und legte eine Rolle hinzu.
Ellner betrachtete das Geld, nahm es in die Hand und wog es.
Was beſinnſt du dich noch? ſagte der Hofbauer ungeduldig; ein Anderer würde zugreifen.
Wayr, wahr!— murmelte Ellner dumpf; Mancher würde ſich kein Gewiſſen varaus machen, dieſes Geld zu nehmen. Aber es iſt Sündengeld...
Leicht genug verdient, ſtreiche es ein.
Es iſt Lockſpeiſe des Teufels!...
Narr, mit deinem überzarten Gewiſſen, ſagte der Hofbauer lachend, es ſind gute, harte preußiſche Thaler.—
Nein!— rief Ellner mit aufflammenden Blick, ergriff Rolle für Rolle und ſchleuderte ſie dem Hofbauer vor die Füße. Ich treibe nicht Handel mit der Ehre meines Kindes, Fluch deinem Geld! 3
Der Hofbauer war ſehr enttäuſcht; die empfangene Demüthigung ſtachelt ſeine Wuth auf. Bettelvolk, ſchrie er, geht Eure Frechheit ſo weit!
Merke dir's, wir treffen uns vor Gericht! rief Ellner und ſtürzte fort.
Er blieb bei ſeinem Vorſatz. Alle Bitten, Vorſtellungen und Ermahnungen ſeiner Frau, ſeines Sohnes, ſeiner Freunde waren vergeblich. Das Aufgebot Richard's wurde eingeſtellt, die gerichtliche Verhandlung begann. Lenchen erklärte, daß ſie für ſich auf alle Anſprüche verzichte; ſie wollte nur die Rechte ihres Kindes gewahrt wiſſen. Das traf Ellner wie ein Donnerſchlag. In blinder Leidenſchaft,


