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Als Vater und Mutter am nächſten Todestage der Prinzeſſin in der Abend⸗ ſtunde von deren durchlauchtigen Mutter im Geſang des Chorales:„ Befiehl du deine Wege“ überraſcht wurden, zerfloß die hohe Frau in Thränen. Nur müh⸗ ſam faßte ſie ſich. Schluchzend ergriff ſie jener Hände und ſagte mit thränenerſtickter Stimme:„Das vergeſſen wir euch nicht, ihr treuen Selen, und ging mit ver⸗ hülltem Antlitz von uns weg. 2.
Als nun nach kurzer Zeit auch ihr Stern untergegangen, das arme Mutterherz gebrochen, und die erhabene Dulderin in der Gruft der Ahnen zu Weißenfels beigeſetzt worden war, wurde ihr letzter Wille bekannt gemacht. Derſelbe hatte auch meiner ſeligen Eltern gedacht. Sie bezogen bis an ihren beiderſeitigen Tod eine anſehnliche Leibrente und hatten bis dahin freien Sitz im Schloſſe.
Das werthvollſte Geſchenk für ſie war das Bild der Prinzeſſin Friederike, welches ihnen laut teſtamentlicher Beſtimmung vom Hofmarſchallamt übergeben und von ihnen als ein Heiligthum bewahrt wurde. Von ihnen iſt es endlich auf mich
ür das fürſtliche Kind ſo ſehr intereſſiren, ſo werde ich es
gekommen. Da Sie ſich f &.. Ihnen zeigen“.
Damit erſchloß ſie einen ſeltſam geſtalteten, hohen Schrank, mit Löwenfuͤßen und
Köpfen und allerhand fabelhaften Thiergeſtalten und Schnörkeln reichlich verziert,
jedenfalls aus jenen Zeiten; nahm ein Ebenholzkäſtchen heraus, öffnete und— da lag das Bild der ungluͤcklichen Prinzeſſin. In der That ein Engelsgeſicht, wie aus Aether gewebt. Ich konnte nicht aufhören, es zu betrachten, da bei ihrem Anblick das eben Gehörte und ihr beklagenswerthes Ende mein Inneres immer wieder von Neuem bewegte.
Ja, du warſt keine Selbſtmörderin, hatteſt auch keine Urſache dazu. Hatteſt auch keinen Feind, der dich zu Tode hetzte. Dich hat der Herr heimgeſucht und hinge⸗ nommen. Du warſt für dieſe Erde zu gut, darum durfteſt du nicht bleiben. Nun wandelſt du in der Engel Schaar und ſingeſt in einem höhern Chore dein:„Ehre ſei Gott in der Höhe“ und„Halleluja“!
Herzinnig und dankbar drückte ich der alten Dame die Hand, verabſchiedete mich von den Kindern und ſchlüpfte aus dem Schloſſe. In meiner jetzigen Stimmung konnte ich unmöglich zur Geſellſchaft zurückkehren und alltägliche Reden hören und machen. Ich eilte weit weg ins Feld, immer einmal rückwärts ſchauend nach dem hohen Schloſſe Dryburg und murmelnd:„Unglückliches Kind, arme Mutter!“
Noch muß ich als eine auffallende Thatſache erwähnen, daß, als die Herzogin Mutter nach kurzer Zeit in der Gruft ihrer Ahnen unter der Schloßkirche zu Weißenfels beigeſetzt wurde, nur noch ein einziger Platz, der für ſie, neben ihrer Tochter, vorhanden war. Ein wunderbarer Zufall!— Die Gruft ſchloß ſich dieſem Zweig der ſächſiſchen Regentenfamilie für immer.—
Friede ihrer Aſche.
Der Geizhals oder der Traum zum Leben.
Draußen vor dem Garten einer kleinen Landſtadt ſtand ein alter Mann und ſchaute über den Zaun den Spielen zweier Kinder zu, eines Knaben und Mädchens von etwa 6 bis 8 Jahren. Wer kennt nicht die fröhlichen Jugend⸗ ſpiele„Kriegniß“, oder:„Es kommt der Fürſt von Thoren“ ꝛc.
Die Kinder waren ſo heiter und fröhlich, ſo ganz ohne Sorg' und Kummer, Alles um ſie Luſt und Leben. In einer nahen Laube, von wildem Wein dicht verhüͤllt, ſaß ein glückliches Ehepaar; die Mutter mit einer weiblichen Arbeit beſchäftigt, der Vater in einem Buche vertieft.
Es mochte aber mit dem Leſen kein rechter Ernſt ſein, denn er ſah mehr auf die fröhlichen Kinder, als auf die Schrift des Buches, und ein unverkenn⸗ bares Wohlbehagen lag auf ſeinem glücklichen Geſichte.
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