Jahrgang 
2 (1858)
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ſogenannter Heyduck, die Mutter Kammerzofe der Herzogin Zeugen gewe⸗ ſen, nicht ſowohl des Todes der Prinzeſſin, aber ihrer gräßlichen Verſtümme⸗ lung, des entſetzlichen Zuſtandes, in dem man ſie nach ihrem Fall aufgehoben, und ſie haben den ſchrecklichen Eindruck, den markdurchdringenden Schrei der fürſtlichen Mutter nie wieder vergeſſen können. Darum war ihnen jederzeit ſehr weh, nnd es brachte ſie in tiefe Trauer, wenn jene Begebenheit berührt wurde. Sie ſuchten das gefliſſentlich zu vermeiden. Uns Kindern theilten ſie natürlich dieſelbe mit; in unſerer früheſten Jugendzeit mitunter als Warnung, wenn wir in allzu tollen und unvorſichtigen Sprüngen die hohen Steintreppen des Schloſſes auf und ab jagten, oder uns zu weit über deren Brüſtung lehnten, wohl gar drauf und dran herum kletterten. Später einmal, als ich im Alter der Prinzeſſin war, ſagte der Vater: Siehe, Friederike, ſo groß und alt war die gnädigſte Prinzeſſin, als ſie ihren Tod fand, ſchrecklich, ungeahnt, unerklärlich bis zur Stunde. Nie ver⸗ geſſe ich ihn.

Sie war nämlich nicht, wie Sie vielleicht glauben, ein kleines Kind, ſondern ſtarb in ihrem ſiebzehnten Jahre, als blühende Jungfrau. So i*ſt ſie auch gemalt und zwar im Brautſchmuck, denn ſie ſoll die erwählte Braut des geiſtreichen Erbprinzen, nachma⸗ ligen Großherzogs von Weimar, Carl Auguſt, geweſen ſein.

Das war mir allerdings etwas Neues, denn ich hatte ſie mir nur immer als jun⸗ ges Kind vorgeſtellt.

Ich werde Ihnen nachher ihr Bild, das in den Beſitz meiner ſeligen Eltern, und von dieſen in meine Hände gekommen iſt, zeigen.

Die junge Prinzeſſin war, ſo erzählten meine ſeligen Eltern,eine ſehr ſchöne junge Dame, deren unvergleichliche Engelsmilde und Sanftmuth nicht allein ihre nächſte Umgebung in Feſſeln des treuſten Gehorſams, der tiefſten Anhänglichkeit ſchlug, ſondern Aller Herzen gewann, wer auch nur in ihre Nähe kam, und von dem ſanften Strahl ihres ſchönen geiſtreichen Auges berührt wurde.

Ihre durchſichtige Haut, etwas blaſſe Geſichtsfarbe und ein, ich möchte ſagen, überirdiſcher Zug in ihrem Antlitz, ließ auf eine kurze Wallfahrt hinieden ſchließen. Nun, ſie hat dieſes Jammerthal früh genug verlaſſen, freilich auf eine ſchreck⸗ liche Weiſe.

Zu ihrer Ausbildung hatte ſie die beſten Lehrer. Darunter war einer der acht⸗ barſten und gelehrteſten, der Magiſter Buddenſieg, welcher ihr auch Muſikunterricht er⸗ theilte, da die Prinzeſſin eine ſchoͤne Stimme hatte und die Harfe meiſterlich ſpielte. Am liebſten waren ihr geiſtliche Lieder, beſonders Choräle, die man oft noch ſpät im Vorübergehen aus dem hohen Schloſſe herab tönen hörte. Auch in dieſen frommen Geſängen gab ſich ihre ſchöne Seele, ihr Leben im Himmel ſchon hier auf Erden kund.

Dazu war ſie ſammt ihrer fürſtlichen Mutter der Armen treuſter Freund. Die Thränen Hülfeflehender zu trocknen, ihrer Noth abzuhelfen, war ihre größte Luſt, daher man nicht ſelten beide in die Hütten der Kranken eilen ſah, ohne Scheu und Wider⸗ willen Labung und Troſt für Leib und Seele zu bringen. Zwei Damen in einfacher Tracht, mit einem Diener in einer kleinen Entfernung, oder an der Seite einen geiſtli⸗ chen Hein es waren die barmherzigen Samariterinnen aus dem Schloß.

So führte die hohe Mutter und Tochter ein gar einiges, herrliches und gottſeliges Leben, von dem milde Stiftungen und Vermächtniſſe aller Art heut noch Zeugniß ab⸗ legen. za üe waren Engel auf Erden, die Augen geſchloſſen ſo waren ſie Engel des Himmels, wohin ſtets ihr Herz und Wandel ging.

Eine ganz beſondere Sehnſucht hatte von jeher das holde Fürſtenkind nach dem Himmel, ſelbſt nach dem irdiſchen, daher war ſie auch eine große Freundin der Aſtro⸗ nomie(Himmelskunde), wie es wohl auch die damalige Zeitrichtung begünſtigte; deß⸗ halb beſchäftigte ſie ſich auch viel mit der Beobachtung der Himmelskörper, und beſaß eine Menge aſtronomiſcher Inſtrumente, deren Anwendung ſie nicht allein kannte, ſon⸗ dern die ſie ſelbſt fleißig gebrauchte. Sie, das einzige, dazu ſo kluge und begabte Kind, hatte volle Freiheit in ihrem Wünſchen und Wollen, daher wurden ihr in ihren Forſchun⸗ gen und Grübeleien keine Schranken geſetzt. Und ſo hatte ſie ſich auch auf dieſem Ge⸗