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Doch war ſolch ein Anlanden eben nicht erfreulich; denn der Schmutz und das Elend bei den ägyptiſchen Fellahs(Ackerbauern) war unglaublich. Nur eine ein⸗ zige junge Bauerfrau traf unſer Maler an, die er, ſo entſtellt ſie auch durch einen Ring in der Naſe war, für ſeine Mappe abzeichnete. Die übrigen Jammer⸗ bilder waren eines Federſtriches nicht werth.
Eines Tages aber ſahen unſere Nilfahrer eine Schaar Beduinen, theils zu Pferde, theils auf Kameelen aus der Wüſte nach dem Ufer zutreiben. Die meiſten von ihnen ſaßen in der Nähe eines elenden Dorfes ab und verſteckten ſich, wie man vom Schiffe aus deutlich ſehen konnte, hinter Dattelbäumen und Sykomoren und im hohen Schilfe des Nil. Kretſchmer vermuthete gleich, daß ſie's auf ſeinen preußiſchen Adler abgeſehen hätten; aber der Rais hatte für jeden ſeiner Matroſen eine lange Flinte an Bord, und Pulver und Blei fehlte auch nicht, ſie machten ſich alſo ſchußfertig. Kaum näherte ſich nun die Barke jenem Verſteck, als ſie auch mit einem lebhaſten Gewehrfeuer von den Bäumen und aus dem Schilfe her begrüßt wurde. Der preußiſche Landwehrmann commandirte ſeine Araber ebenfalls zum Feuern, und bald ſchwangen die Beduinen ſich wieder auf ihre Pferde und Kameele und jagten heulend und ſchreiend der Wüſte zu. Schon früher hatte Kretſchmer auf Anrathen des Rais die Vorſicht gehabt, Nachts mitten auf dem Strome vor Anker zu liegen, wo die Barke nicht ſo leicht durch Schwimmer erreicht werden konnte. Dann mußte der dritte Theil der Mann⸗ ſchaft abwechſelnd unter des Rais und Omers Aufſicht vollſtändig bewaffnet die Nacht durchwachen. Jetzt aber verdoppelten ſie ihre Aufmerkſamkeit.
Fünf Mal machten die herumſchwärmenden Beduinen zhnen den Spaß eines ſolchen Angriffs, indem ſie von der Wüſte nach dem Nil kommend ſich am Ufer verbargen und den preußiſchen Adler mit Flintenkugeln begrüßten; doch funf Mal wurden ſie auf ähnliche Weiſe wie oben abgefertigt. Auch thaten ſie unſern Nilfahrern eben weiter keinen Schaden, als daß einige Kugeln die Segel und eine auch des Malers preußiſches Panier durchlöcherten; jedes Mal zogen ſie mit Geheul in wilder Haſt fort, wenn die Schiffsmannſchaft Feuer gab, was ihnen ganz unerwartet zu kommen ſchien.
So war Kretſchmer denn der erſte Preuße, der die preußiſche Flagge gegen feindliche Angriffe in Aegypten vertheidigte, und der erſte preußiſche Landwehr⸗ mann, der ſich auf ſeine eigene Hand mit den Wüſten⸗Beduinen im Kampfe befand und aus dieſem ſiegreich hervorging, und man gönne ihm den Ruhm, dieſe Vorfälle auf der Nilreiſe als einen Glanzpunkt der Kreuzzüge ſeines viel⸗ bewegten Künſtlerlebens hervorheben zu können. 3
Die ganze Fahrt dauerte ſieben Wochen und koſtete ihn, da der Rais billig und die Matroſen mäßig waren, gegen 200 Thlr. Dafür war der Spaß gefunden. 3
Als Kretſchmer mit der ſteigenden Fluth des Nils zurückkam, war in Kairo Alles in Aufruhr. Die Conſuln der großen Mächte ſtanden im Begriff, Aegypten zu verlaſſen, und auch unſer Maler erhielt die Weiſung, ſich fortzubegeben, indem man ihn nicht weiter ſchützen könne.„Hol der Kukuk die ägyptiſchen Prinzen!“ rief er im Stillen, ließ alle drei auf der Staffelei ſtehen und machte, daß er nach Konſtantinopel kam.
Tod der Prinzeſſin Friederike Adolphine von Weißenfels.
In meiner guten Vaterſtadt Langenſalza ſteht ein altes, ödes, und verfallen ausſehendes Schloß, Dryburg(Dreiherrenburg) Benanmt⸗ einem Gefängniß nicht unähnlich, für welchen Zweck auch ein kleiner Theil ſeiner weiten Räume einge⸗


