von ſeinem treuen Diener Omar. Dieſer, eine redliche Seele, wie man ſie äußerſt ſelten im Orient antrifft, war ſein Führer, ſein Dolmetſcher, ſein Factotum. Er war von Geburt ein Araber; aber als Knabe in das Haus eines italieniſchen Kaufmannes gekommen, hatte er dort deſſen Sprache erlernt und ernährte ſich jetzt davon, daß er als Lohndiener bei den Fremden, welche Aegypten beſuchten, in Dienſt trat. Omar war einer von den wenigen Aegyptern, die den Fremden nicht auf jede Art betrügen und übervortheilen, ſondern der es redlich meinte und dem Betruge gegen ſeinen Herrn zu ſteuern ſuchte, wo und wie er's ver⸗ mochte.— Beide gingen alſo durch Kairo's Straßen. Da erblickte Kretſchmer auf dem Platze vor der Citadelle einen Rais der Feluken, d. h. einen der Schiffs⸗ kapitäne, die den Nil befahren. Der Mann war bildſchön und maleriſch ge⸗ kleidet.„Das iſt ein Kabinetsſtück für deine Sammlung!“ ſprach der Künſtler leiſe vor ſich hin,„aber wie ihn bewegen, daß er ſich malen läßt?“— Omar ward an ihn abgeſandt, und ſeiner Beredſamkeit gelang es, den Rais zu bewegen, mit nach des Malers Wohnung zu kommen. Dieſer ſetzte ihm dort Mokkakaffee, Taback und Sorbet vor und zeigte ihm die Bilder ſeiner reichen Mappe. Omars Schmeicheleien, daß er ein ſo ſchöner Mann ſei, und das Beiſpiel der Prinzen aus dem Hauſe ſeines Herrſchers, deren Bilder in Lebensgröße auf der Staffelei ſtanden, beſtegten die Bedenklichkeiten, welche ihm ſeine Religion eingaben; denn ein Muſelmann läßt ſich nicht malen, weil er fürchtet, daß aus ſeinem Portrait ein Doppelgänger werde, und er einſt für alle diejenigen Sünden büßen müſſe, die ſein zweites Ich im Bilde auf ſeine Rechnung begeht. Indeſſen ſpazieren die Aegypter auch ſchon eher ein wenig neben dem Koran vorbei, als die ächten Muhamedaner. Kretſchmer mußte ihm ein Duplicat des Portraits verſprechen, und ſo ſaß der Rais zu einer Skizze für des Malers Mappe.
Während der Arbeit erzählte ihm der Feluke ſein Unglück, daß er ſchon vier Fahrten für den Paſcha nach Oberägypten gethan und von dort Armeebedürf⸗ niſſe und Soldaten hergeholt habe, ohne einen Pfennig Frachtgeld dafür zu bekommen; auch könne er keine Rechnung darauf machen, weil der Paſcha, wie jeder wiſſe, in der Zeit des Krieges und der Noth keinem Menſchen etwas zahle; dagegen müſſe er nach wie vor ſeine Schiffsleute beköſtigen und ihnen ihren Lohn geben. Jetzt ſei er ſchon zum fünften Male vom Paſcha beordert und alles Bitten dagegen ſei vergebens.
Kretſchmer war unbeſchäftigt, hatte die Merkwürdigkeiten des Landes bereits gezeichnet, die Pyramiden erſtiegen, aber nach Oberägypten, nach Theben, zur berühmten Memnonſäule und den ſteinernen Rieſen der Wüſte ſtand längſt ſein Trachten.„Rais“, ſagte er,„willſt du mich nach Oberägypten fahren, wenn ich dich vom Sklavendienſte befreie? Ich will es unter der Bedingung thun, daß du billig gegen mich biſt. Bedenke, daß du dann doch immer Etwas verdienſt, von Mehmed Ali's Soldaten aber gar nichts. Beſinne dich, Freund, nicht lange.“ Unſer Künſtler rechnete dabei auf die Unterſtützung ſeines Conſuls und einiger ägyptiſchen Großen, die er beim Malen der Prinzen kennen gelernt hatte. Der Rais ſagte zu. Seine Bedingungen waren höchſt billig. Kretſchmer ſollte die Mannſchaft verpflegen und ihm ſelbſt drei gute Groſchen etwa täglich geben. Bald war man Handels eins und der Maler eilte zum preußiſchen Conſul. Dieſer gab ihm den Rath, das Schiff ganz anzukaufen, alsdann wollte er es ſchon mit ſolchen Päſſen und Papieren verſehen, daß ihm des Paſchas Schergen, die über des Rais Ungehorſam ergrimmt ſein würden, nichts anhaben ſollten. Leider hatte nun aber Kretſchmer kein Geld übrig zum Ankaufe des Schiffes, allein dafür wußte der Feluke ſchon Rath.„Ich verlange kein Geld,“ meinte er,„und will das Schiff nach beendeter Fahrt wieder zurücknehmen. Laß uns nur ſo thun, als gehöre dasſelbe von jetzt ab dir.“ So ward denn ein Kauf⸗ vertrag zum Scheine geſchloſſen, und während im Conſulate die nöthigen Papiere ausgefertigt und von Mehmed⸗Ali's Miniſter beſtätigt wurden, Omar aber mit dem Rais den nöthigen Proviant an Bord ſchaffte und Pulver und Blei beſorgte,
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