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Freilich iſt's wahr! folgt meinem Befehle! rief der Landſchreiber, und die Feſſeln fielen.
Ich bin des Todes! rief der Rektor und ſank in einen Stuhl. Wer kann das gethan haben?
Der Landſchreiber ließ die Leute abtreten und ſagte: Danket Gott, Herr Rektor, daß Ihr ſo davon kommt! Ihr zieht wieder herum, den Backofenzins zu erheben, Ihr verſtehet das Wort, und liegt den Leuten Eurer Bekanntſchaft an der Krippe, Euch umſonſt füttern zu laſſen. Da iſt es einem zu arg ge⸗ worden, der hat Euch den Streich geſpielt. Bleibt bis Abend hier und macht Euch dann auf die Socken, daß Ihr heim kommt. Den Denkzettel habt Ihr. Mein Rath iſt, laßt das Backofenzinsheben ſein und bleibt fein daheim, dann paſſirt Euch ſo etwas nicht. Acht Tage Einem auf dem Halſe liegen und ſich gut füttern laſſen, um es daheim zu ſparen, das iſt zu dick!—
Der Rektor wurde roth und weiß und wieder roth über die Lektion und ſchrieb ſie ſich hinters Ohr. Als ihn der Landſchreiber bat, mit ihm den Kaffe zu trinken, zog er es vor, durch's Gartenpförtchen ſich aus dem Staube zu nachen⸗ und nicht zu dem fetten Kuchen auf dem Hofe, ſondern ſchnurſtracks
eim!—
Drei Tage ſpäter beſuchte der Landſchreiber den Pfarrer und ſagte: dem Rektor hab ich das Handwerk gelegt; verrathen Sie mich aber nicht. Die beiden lachten weidlich. Der Rektor aber behielt den Namen: Schinderhannes bis an ſein Ende— hat aber niemals mehr den Backofenzins erhoben.—
Ein deutſcher Maler auf dem Nil.
Von M. Roſenhayn.
Gewiß kennt jeder meiner Leſer das liebliche Bild:„Aſchenbrödel unter den Täubchen“ und„Rothkäppchen“, vielleicht auch den„alten Krieger, der ſein Söhnlein herzt.“ Dieſe ſchönen Gemälde ſind von der Meiſterhand eines Düſſel⸗ dorfer Künſtlers gefertigt, von Herrmann Kretſchmer, der jedoch von Geburt kein Düſſeldorfer, ſondern ein Danziger iſt. Eben dieſer Künſtler nun hat nicht nur viel Ausgezeichnetes gemalt, ſondern auch viel Merkwürdiges erlebt, indem er um ſeiner Kunſt willen allerlei Reiſen und Fahrten unternommen hat, wie nicht leicht ein zweiter, und darum gewährt ſo mancher Zug aus ſeinem Leben ein hohes Intereſſe. Es ſei Euch hier zunächſt ein Bruchſtuͤck aus Kretſchmers Streifzuͤgen durch das ferne Nilthal erzählt.
Unſer Maler war nach Kairo hinberufen worden, um den gewaltigen Paſcha von Aegypten, Mehmed Ali, und deſſen Söhne zu malen. Schon war er in der beſten Arbeit, da brach der Krieg in Syrien und gleichzeitig auch die Peſt in Aegypten aus. Ein Sohn des Paſcha mußte nach Syrien, ein anderer, beſorgt wegen der Peſt, ſperrte in ſeinem Palaſt ſich ab, und ein junger Enkel Mehmed Ali's ward nach Marſeille geſchickt, um von einer plötzlichen Augen⸗ krankheit dort geheilt zu werden. So blieben denn drei angefangene Portraits auf des Künſtlers Staffelei unvollendet ſtehen. Mehmed Ali aber ließ ihm ſagen, daß er jetzt an andere Dinge zu denken habe, als ſich malen zu laſſen. Kretſchmer hatte auf dieſe Weiſe viele Monate müßig in Kairo zugebracht und der gehoffte große Gewinn ſchien ſis. in Nilwaſſer verwandeln zu wollen, welcher Umſtand bei des Malers weiter Entfernung vom Vaterlande eben kein angenehmer war. Verdrießlich über die Hinderniſſe, welche ſich ihm ſo unvermuthet entgegenſtellten, durchſtrich der junge Maler eines Abends die engen Straßen von Kairo, gefolgt


