Jahrgang 
2 (1858)
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Wie einmal Einer den Backofenzins erhob. Von W. O. von Horn.

Die ſprichwörtliche Redensart:Den Backofenzins erheben iſt eine Rheiniſche und heißt ſo viel als ſchmarotzen, einer guten Mahlzeit nachgehen, ohne daß ſie Etwas koſtet. Von Einem, der ſo den Backofenzins erhob, er⸗ zählte mein ſeliger Vater oftmals. Er war Rektor an einer pfälziſchen la⸗ teiniſchen Schule, ganz gut beſoldet und dabei ein reicher Mann, aber ſchmutzig, geizig und langmäulig ohne Maß. Einem guten Schmauß ging er ſtundenweit nach. Sobald ſeine Ferien anfingen, ergriff er Hut und Stock und zog in's Land hinaus zu den Pfarrern, Beamten und in summa zu Allen, die er kannte; lag den Leuten wochenlang auf dem Halſe und ließ ſich traktiren. Es hieß überall, wenn die Schulferien nahten: Nun kommt der lange Rektor wieder, den Backofenzins heben. Wäre er noch ein angenehmer Geſellſchafter geweſen! Aber er war aus Geiz ſelbſt auf ſeinem Leibe ſchmutzig; ging in abgeſchabten Röcken umher und ſah aus, wie ein vagabundirender Handwerksburſche, ein Strohmer.

Der Landſchreiber zu S. war ein arger Schalk. Der ritt einmal an einem Pfarrhauſe ſeines Bezirks vorüber und ſah den Rektor behaglich im Seſſel ſitzen. Aha, dachte er, der hebt wieder den Backofenzins! Aber wart! Ich will ihn kuriren!

Es war gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, als der Räuber Schinderhannes und ſeine Bande die Gegenden des Mittelrheines bis zur Berg⸗ ſtraße und zum Speſſart hin gewaltig unſicher machten und alle Welt in Aengſten vor ihnen war. Da wurde denn oft Nachts, auch wohl am Tage, Allerorts das Volk aufgeboten, die Dörfer, Mühlen und Höfe, wie auch die Wälder zu durchſtreifen, um der Strolche habhaft zu werden. Solche Streifzüge wurden heimlich angeordnet und grade, als er den langen, filzigen Rektor ſitzen ſah, hatte er einen ſolchen Streifzug angeordnet für die nächſte Nacht.

Vor dem Dorfe begegnete er dem Pfarrer, der von einem Kranken kam.

Heda, lieber Herr Pfarrer, rief er ihm lachend zu: ich wünſche Ihnen Glück' Der Rektor iſt eben angekommen, um den Backofenzins zu heben!

Der Pfarrer entgegnete lachend: Sie irren, Herr Landſchreiber; er iſt ſchon acht Tage bei mir.

Ei ſo ſoll dich! rief der Landſchreiber. Geht er denn bald?

Heute noch, entgegnete der Pfarrer. Für die nächſten acht Tage kriegt ihn der Hofmann auf dem*** Hofe, der einen Jungen in ſeine Schule gehen hat.

Iſt's gewiß? fragte der Landſchreiber.

Ganz ſicher, war des Pfarrers Antwort. Er geht heute um vier Uhr auf den Hef Er bleibt überall acht Tage.

as war dem Amtmann genug. Kaum war er zu Hauſe, ſo ließ er den Wachtmeiſter der Landdragoner rufen und ſagt: Herr Wachtmeiſter, Ihr werdet das Fanggeld heute verdienen!

Wie ſo? fragte der mit leuchtenden Augen.

Es iſt mir angezeigt worden, fuhr der Amtmann fort, daß der Schinder⸗ hannes dieſe Nacht auf dem*e** Hofe ſchläft. Umſtellt Ihr um Mitternacht das Haus ut, ſo iſt er Euer. Habt Ihr ihn ſchon geſehen?

Nein! Nein! rief der Wachtmeiſter, der Feuer und Flammen war.

Nun, fuhr der Landſchreiber fort, ſo will ich Euch die Perſonalbeſchreibung

mittheilen, wie ſie in dem Brieſe ſieht oder kennet Ihr den Rektor B. von*X**X 2

Nein, Herr Landſchreiber, ſagte der Landdragonerwachtmeiſter.

Das thut mir leid, verſetzte der Landſchreiber, denn dem gleicht er auf ein Haar und gibt ſich auch für ihn aus, was ihm ſchon manchmal durchgeholfen hat. Nun hört nur und merkt's Euch: Er iſt lang und dürre; hat ein Bißchen