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auf ſeiner einſamen Kammer und ſchuf dort eine Menge von Bildern, deren ſich auch Maler mit Händen nicht hätten zu ſchämen brauchen.
Soll ich dir die einzelnen nennen, lieber Leſer? Es würde dich wohl nicht intereſſiren, und dann— was die Hauptſache dabei iſt,— weiß ich ſie nicht alle. Nur das weiß ich mit Gewißheit zu ſagen, daß unter ſeinen Gemälden viele vortrefflich ſind, welche religiöſe Gegenſtände darſtellen, und jetzt die Altäre und Wände chriſtlicher Kirchen zieren.
Auch ſeine Portraits nach dem Leben ſollen mitunter trefflich ſein, alle aber doch übertroffen werden von dem Bildniß des Generals Negrier, der Anno 1848 im Kampfe vor den Barrikaden ſein Leben verlor. Dieſes Bild hat um ſo grö⸗ ßern Werth, da Ducornet den General nie, auch nur mit einem Blicke geſehen hatte, und ihn nach einem Gypsabguß und der mündlichen Beſchreibung eines mit
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Negrier befreundet geweſenen Mannes malen mußte.
Sehr gern wuͤrde ich euch nun auch, meine lieben Leſer, die Art und Weiſe ſchildern, wie der Mann ohne Hände beim Ausüben ſeiner Kunſt ſich angeſtellt. Doch ich hab' das nicht geſehen. Daß er ganz beſondere, eigenthümliche Vorrich⸗ tungen hatte, iſt ganz gewiß. Vor ſeiner taffelei— dem Geſtelle, auf welches die Maler die in einen Holzrahmen geſpannte Leinwand aufzuſtellen pflegen— ſoll er ein Gerüſte mit künſtlich und leicht gebauten und angebrachten Leiterchen gehabt und ſich auf denſelben, mit dem Pinſel zwiſchen den Zehen, mit un⸗ glaublicher Behendigkeit, malend herumbewegt haben. Einen bis zwei Pinſel ſah man ihn zwiſchen den Zähnen, die Pallette— Farbentafel von Holz— mit dem andern Fuße feſthalten.
Bei den großen Ausſtellungen im Louvre in Paris trug er mehrere Preiſe, darunter auch einmal den erſten, und endlich ſogar die große goldne Me⸗ daille davon.
Siehe, mein lieber Leſer, ſo ſchaffte ein Maler durch ſeiner Fuͤße Arbeit ſich durch das Loben, durch ein Menſchenleben, in welchem es oft einem Manne mit geſunden Händen und Armen und mit rüſtigem Körper, blutſauer wird umss liebe tägliche Brod.
Einen ſolchen Körper muß jedoch die Arbeit, und gerade dieſe Arbeit, die bei einem wahren Künſtler auch den Geiſt beſchäftigt und die Einbildungskraft hin und wieder mächtig aufregt, doppelt angeſtrengt haben.
Es war im Jahr 1856, alſo vor 2 Jahren, als plötzlich eines Tages unſerm Ducornet der Pinſel entfiel und die Kräfte ihn dergeſtalt verließen, daß er kaum mehr im Stande war, ſein Gerüſte zu verlaſſen. Es war eine Lähmung, die dieſem merkwürdigen Menſchen⸗ und Künſtlerleben am 27. April deſſelben Jahres ein ſchnelles Ende machte.
Am Sterbebette meines Malers ohne Hände ſtanden zwei Greiſe mit Thränen im Auge, zwei Männer, die ſich Gottes Lohn um den Armen verdient, weil ſie Chriſtenpflicht an ihm erfüllt hatten.
Der eine derſelben war der Schuſter Ducornetaus der St. Jakobs⸗ ſtraße zu Lille, der treue Vater, der den Sohn ſo lange, mit Geduld und Liebe, — im eigentlichſten Sinne des Wortes— getragen hatte.
Der andere drückte dem Sterbenden die müden Augen zu in dem Bewußtſein, einem Unglücklichen ſein Manneswort mit edler Uneigennützigkeit und Selbſtver⸗ läugnung gehalten zu haben. Du kennſt den Mann, mein lieber Leſer, den Men⸗ ſchenfreund, wie es deren wenige gibt in unſerer ſo liebearmen Zeit, ſein Name iſt— Demailly.
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