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armloſen Malers, wichtiges Ereigniß. Der Herzog von Angouleme nehm⸗ lich beſuchte die Akademie zu Lille und traf Ducornet über der wohlge⸗ lungenen, beinahe vollendeten Nachbildung eines van Dyk'ſchen Gemäldes. Erſtaunt über dieſe Leiſtungen eines Malers, der den Pinſel mit den Füßen führte, ermunterte er ihn in ſeinem Streben durch lobende Worte und ſetzte ihm einen Jahresgehalt von 1200 Franken aus, damit er die große Akademie in Paris zu beſuchen im Stande wäre. Seine Vaterſtadt wollte auch nicht zurückbleiben und fügte weitere 300 Franken hinzu, und ſo finden wir denn nicht lange nachher diſern Cäſar Ducornet in der Weltſtadt Paris.
Herr Demailly begleitete ihn dorthin. Er hatte gelobt, ihn nicht zu ver⸗ laſſen, und hat ſein Wort gehalten.
Auf der Malerakademie in Paris arbeitete unſer Ducornet mit bewunderns⸗ werthem Fleiße, und ſein großes Talent trat immer mehr zu Tage. Schon nach ſechsmonatlichem Aufenthalte in jener Anſtalt trug er einen Preis davon. Als er aber, dadurch ermuthigt, ſich um den ſogenannten„großen Preis von Rom“ bewarb und ſogar ſchon alle dazu erforderlichen Vorfragen fehlerfrei gelöſt hatte, da erklärten die Profeſſoren der Akademie, wie mit Einem Munde: „der mißgeſtaltete Cäſar Ducornet ſei ſeiner Körperbeſchaffenheit wegen nicht im Stande, eine ſo große Leinwand, wie ſie für das Preisbild beſtimmt war, zu bemeiſtern.“
Der arme Künſtler ward von der Bewerbung ausgeſchloſſen, malte aber nun ein anderes Bild von gleicher Größe, ſtrafte dadurch die Profeſſoren der Akademie Lügen und zwang ſie, ihr früheres Urtheil zurückzunehmen. Mit aus⸗ dauerndem Fleiße ging er nun an die aufgegebene Preisarbeit. Der Gegenſtand war ein vortrefflicher. Die Scene aus der heiligen Geſchichte ſollte gemalt werden, wo der alte Jakob Abſchied nimmt von Benjamin, den die Brüder nach Egypten mitzunehmen im Begriffe ſtehen.
Vollendet ſtand das Bild da, eines Preiſes würdig; jedoch dem Künſtler ohne Hände und mit den ungeſtalteten Füßen einen ſolchen zuzuerkennen, dazu konnten ſich die Preisrichter nicht entſchließen, und Ducornet fiel durch.
Mochte nun auch eine fuͤrſtliche Perſon, welche der Direktor bei ihrem Beſuche der Akademie vor das Bild des armen Malers führte, dieſer Arbeit das gebührende Lob ſpenden: was nützte das Lob allein dem Künſtler, der doch auch nach Brod zu gehen ſich gezwungen ſah. Mochte ferner ein hoch⸗ geſtellter Mann zum Beweiſe ſeiner Theilnahme ihn mit einem bedeutenden Auftrage für eine öffentliche Gallerie beehren; die frühere Zurückſetzung hatte einmal einen Stachel in Ducornets Herzen zurückgelaſſen. Er verlies alſo die Pariſer Akademie, um unabhängig, Pruie das für den Armen möglich war, für ſich zu arbeiten.
Im Jahre 1831, alſo kurz nach der bekannten Julius⸗Revolution, ward ihm von Seiten der franzöſiſchen Regierung der Auftrag, eine Anzahl der
ildniſſe Louis Philipps zu malen, die von Staatswegen— vielleicht zur Weckung von Liebe für ihn?— an die verſchiedenen airieen des Landes vertheilt werden ſollten. Man glaubte, hiermit für des Malers Unterhalt genugſam geſorgt zu haben, und die Penſion aus Staatsmitteln ward ihm entzogen. Seine Vaterſtadt Lille that, ermuthigt durch dieſe edle Handlung der Regierung, ein Gleiches mit n Penſton, und Ducornet war nun lediglich auf das beſchränkt, was er mit ſeiner— nun Hände können wir nicht ſagen, Füße Arbeit, verdiente.
Es ſcheint uns nehmlich, als wenn er von der Zeit ſeines ſelbſtändigen Arbeitens an, Geldunterſtützungen von Herrn Demailly nicht mehr ange⸗ nommen habe..
Maler ſind gar oft ein leicht und luſtig Volk, das, wenn es 15 Groſchen in der Taſche— für 2 Thaler Anſchläge hat. Unſer armer Maler hatte dagegen gar keine Bedürfniſſe. Zufrieden mit Wenigem, lebte er in der tiefſten Zurückgezogenheit


