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wie manches ſchöne Talent, das oft auch in dem armen Kinde ſchlummert, brauchte dann nicht elend zu verkümmern!
Der Unterricht war geſchloſſen. Nicht lange darauf ſehen wir den Herrn Dumoncel im Viſitenhabit, mit Hut und Stock, durch die Straßen der Stadt Lille wandern. Er richtet ſeine Schritte nach dem Gebäude der Akademie und wird bei dem Direktor der Malerſchule, Herrn Profeſſor Watteau, gemeldet. Was dorten beſprochen und ausgemacht worden, das kannſt du dir denken, mein lieber Leſer, wenn ich dir ſage, daß unſer armer Cäſar einige Tage darnach unter den Schülern der Malerakademie zu Lille in Flandern ſaß.
Unter der ſorgſamen Leitung ſeines neuen Lehrers, des Herrn Profeſſor Watteau, entfaltete ſich Cäſar Ducornets Talent unglaublich ſchnell, und Herr Dumoncel hatte recht geſehen; es ſteckte kein Scribent, es ſteckte nichts anderes als ein Maler in dem armloſen Krüppel, und zwar ein Maler, der über das Gewöhnliche weit hinausragte.
In jedem Curſe trug er einen Preis davon und als nun endlich der Tag kam, an dem der Preis für die beſte Arbeit nach lebenden Modellen zur Aus⸗ theilung kommen ſollte, da vernahmen die Anweſenden mit Staunen und Ver⸗ wunderung den Namen— Cäſar Ducornet, das Bild mit den Füßen
emalt!
3 Als nun der vor Freude halbſelige Vater Ducornet nach Beendigung der Preisvertheilungs⸗Feierlichkeit den Sohn auf ſeinem Rücken nach Hauſe trug, da folgte ihm auf dem Fuße ein ſtattlicher Mann, an deſſen Kleidung man es deutlich ſehen konnte, daß der, dem Beides iſt, Silber und Gold, ihn reichlich mit zeitlichem Gute geſegnet hatte. Bald nach dem armen Beſitzer des Hauſes trat auch ein vornehmer Beſuch über die Schwelle deſſelben, und es dauerte gar nicht lange, da ſaß der reiche Rentner Demailly aus Lille, in eifrigem Geſpräche mit dem armen Schuſter daſelbſt begriffen.
Und es war in der That ein ernſtes, wichtiges Ding, um welches das Geſpräch ſich drehete.
Es bleibt dabei, ſagte Herr Demailly, als er nun ſich erhob und zum Gehen ſich anſchickte, es bleibt dabei, Meiſter Ducornet, ich will eurem Kinde ein zweiter Vater ſein. Gott gebe ſeinen Segen zum Werke und laſſe es wohl⸗ gelingen zu eurem und eures Kindes Heil. Macht euch nun des Knaben wegen eine Sorgen weiter, ſondern laßt mich, aber vor Allem den ſorgen, der uns heißt, alle Sorgen auf ihn werfen. Gott befohlen! Ich hoffe, daß mein Pflegeſohn ſchon morgen einzieht.
Als nun der Abſchied kam, da gab es Thränen in des Vaters und der Mutter Augen, faſt heißere Thränen noch, als damals, als ſie den Krüppel auf den Armen der erſchrockenen Amme liegen ſahen. Bei den Schmerzen des Abſchiedes tröſteten ſich jedoch die Eltern mit dem Gedanken, ihr Kind mit Gottes Hilfe ſo trefflich verſorgt zu wiſſen, und mit der Ausſicht, es jeden Tag ſehen und ſprechen zu können. Auch vergaßen ſie nicht, dem Herrn zu danken für die wiederholte Durchhilfe in einer Noth, wo Rath und Hilfe Anfangs ſo ferne ſchien.
So zog denn der junge Maler auf dem Rücken ſeines Vaters aus der Schuſterhuͤtte in das Haus des reichen Mannes. Sein Wohlthäter nahm ihn an ſeinen Tiſch und in ſeine ſorgſamſte Pflege, und hat ſich bis zum Tode des armen Mannes deſſelben mit mehr als väterlicher Liebe angenommen. Herrn Demaillys Liebe zu dem armen Krüppel war ſo groß, daß er oft Tage lang ſtilllinnend daſaß, um Staffelei und Malergeräthe zu erfinden, wie es dem eigenthümlichen Körperbau ſeines Pfleglings angemeſſen erſchien.
Dieſer aber lohnte ſeinem väterlichen Freunde, wenn auch nicht mit zeitlichem Gute, doch mit einem kindlich dankbaren Herzen und mit unermüdlichem Fleiße in ſeiner Kunſt.
In dieſe Zeit fällt ein, für die Entwicklung und Weiterbildung unſeres
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