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zum„Vater Unſer“ oder„Aller Augen ꝛc.“ falten, mit geſunden Beinen zur Kirche gehen, und unter den Kameraden ſich tummeln können! Mögen dann auch die Stücklein Brodes knapp ausfallen, mögen da auch„Riſter“ die Schuhe zieren, und große Lappen von andersfarbigem Tuche vor den Knieen ſitzen,— das hat nichts zu ſagen, wenn's nur keine Löcher ſind.
Denke dir aber den Schrecken des armen Schuſters in der St. Jakobsſtraße zu Lille und ſeines armen Weibes, das die Angſt einer ſchweren Stunde kaum überſtanden hatte!
Als nehmlich die Hebamme das neugeborne Kind auf die Arme nahm, um es dem Vater zu zeigen und der Mutter zum erſtenmale an das Herz zu legen, ſiehe, da rollten zwei dicke helle Thränen ihr aus den Augen und ein tiefer Seufzer entwand ſich ihrer Bruſt. Auf ihren Armen lag ja ein Krüppel im eigentlichen Sinne des Wortes, ein Kind ohne Hände, eine Mißgeſtalt, die anſtatt der Beine, faſt nur Knochenauswüchſe am Leibe hatte, die in zwei plumpe Füße mit je vier Zehen ausliefen.
Doch, du weißt, mein lieber Leſer, der Schuſter zu Lille und ſein Weib waren ſchlecht und recht und gottesfürchtig. So wußten ſie denn auch, daß es Thorheit und Sünde, gegen die Schickungen von Oben auszuſchlagen, daß es aber dagegen Chriſtenpflicht ſei, unter Gottes gewaltige Hand ſich zu beugen. Das geſchah von ihnen. Oft beugten ſie ſich über das Bettlein, in welchem das unglückliche Weſen ſchlummerte, und baten den Herrn um die rechte Geduld und Liebe zu dem Kinde, wenn es ſein Wille ſei, ihm das Leben zu erhalten, und um den rechten Schutz und Schirm aus der Höhe fuür ſich ſelbſt und für die arme Creatur.
Was im Anfang kein Menſch geglaubt hatte, das geſchah nach Gottes Willen,— das Kind blieb am Leben, ſeine Kräfte nahmen wunderbar zu, und die Eltern hingen wirklich mit unbeſchreiblicher Liebe an demſelben.
Das Mitleiden mit dem armen Krüppel war auch bei deſſen Spielkameraden ſo groß, daß ſich nicht l. Einer einfallen ließ, über ihn zu lachen oder ihn mit Neckereien zu verfolgen. Zudem nöthigte der kleine Cäſar Ducornet durch das Feuer ſeiner Augen und ſein eigenthümlich kräftiges Weſen nicht allein ſeinen Altersgenoſſen, ſondern Allen, die ihn ſahen, eine gewiſſe Achtung ab.
Als nun Cäſar in die Jahre kam, in denen Kinder mit geſunden Glied⸗ maßen die Schule zu beſuchen pflegen, da ward die Frage: was mit dem Kinde anfangen? zur eigentlichen Lebensfrage für die armen Eltern.
Deer treue Gott und Herr aber, der mit ſeinem Rathe und mit ſeiner Hülfe da am Erſten einzutreten pflegt, wo der Menſch in ſeiner Kurſichtigkeit rath⸗ und hilflos zu ſein wähnt, der trat auch hier ins Mittel, und erweckte der armen Schuſtersfamilie in Lille und ihrem armen Kinde Rather und Helfer unter den Menſchen auf Erden.
Es war nehmlich den Eltern und Allen, die mit dem kleinen Cäſar in Beruührung kamen, nicht entgangen, wie er eine faſt unglaubliche Geſchicklichkeit in ſeinen vierzehigen Füßen entwickelte, wie er im Spiele den Ball mit den Füßen warf, wie er das Meſſer und die Scheere faßte, Brod und Holz, und aus Papier gar ſchöne Figuren ſchnitt.
Endlich ertappten ihn die Eltern bei einer Beſchäftigung, die ſie faſt ſtarr vor Verwunderung machte. Cäſar hielt zwiſchen den Zehen des rechten Fußes einen Bleiſtift und malte, aus einem Buche heraus, Buchſtaben mit ſolcher Genauigkeit und Schärfe nach, wie man ſie oft nicht einmal an der Schrift Solcher zu finden pflegt, die Jahre lang die Schule beſucht und geſunde Arme und Hände haben.
Während der Schuſter mit ſeinem Weibe noch daran überlegte, wie er es anfangen ſolle, dieſe unbeſtreitbaren Anlagen in ſeinem Kinde ausbilden zu laſſen, da daſſelbe zum Beſuche einer öffentlichen Schule doch nicht fähig ſei,
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