Ohne ſich irre machen zu laſſen, nahm er ſeine Maſchine auseinander und baute ſie verbeſſert wieder auf unter dem Hohngelächter ſeiner Gegner und Neider. Als ſie fertig war, wurden denn doch die Hochweiſen betroffen. Sie hatte die doppelte Geſchwindigkeit und Kraft gewonnen und die dunkle Frage war gelöſt. Da ſtand der Meiſter im ſeligen Bewußtſein des glänzend errungenen Sieges da und ſein Lord drückte ihm bewundernd die Hand.
Schwiegen jetzt die höhniſchen Redner und Spötter? Wir wollen ſehen!
Es war im Jahre 1815, als Stephenſon dieß Frohgefühl im Herzen trug. Zu dieſem Siege kam dem ſeltenen, begabten ein Zweiter für die Vollendung eines kleineren, aber für viele Tauſende höchſt ſegensreichen Werkes.
Viele meiner lieben Leſer wiſſen es ohne Zweifel, daß ſich in den tiefen, dem Zutritte der geſunden Lebensluft kaum zugänglichen Kohlengruben Luftarten entwickeln(die Gelehrten nennen ſie Gaſe), die dem athmenden Menſchen höchſt ungeſund und nachtheilig ſind. Dieß zeigt ſich in dem bleichen Ausſehen der Arbeiter, welche ihre Schichtenzeit, das heißt, die den in Abtheilungen arbei— tenden Bergleuten zur Arbeit angewieſenen Stunden, in der Tiefe ausharren müſſen, ehe ſie wieder an's liebe Tageslicht empor gewunden werden. Das aber iſt noch das Schlimmſte nicht. Es gibt auch in den Kohlengruben Luft⸗ arten, die Bergleute nennen ſie:„ſchlagende Wetter,“ die, wenn ſie mit dem Lichte in Berührung kommen, wie Pulverminen ſich knallend entladen. Ge⸗ ſchieht dieß, ſo erſticken alle Arbeiter, welche im Bereiche dieſer Luftarten ſind, oder das durch die Macht des Schlages losgelöſte Geſtein begräbt ſie. Eins wie das Andre iſt Entſetzen erregend. Und dieſe Gefahren umgeben die armen Bergknappen ſtündlich und nahen ihnen ſo unmerklich oft, daß ſie dem Verderben nicht mehr entweichen können.
Solche Unglücksfälle waren damals ungemein häufig, und viele denkende, wohlwollende Männer grübelten und ſannen, wie dem abzuhelfen wäre. Die Lampe der Grubenarbeiter war damals offen, das heißt, die Flamme des Dochtes brannte frei. Sie hatten keinen Schutz gegen die heimlich heranſchlei⸗ chenden, ſchlagenden Wetter und ebenſo wenig fuͤr das koſtbare Leben gegen die raſch verderbende Macht derſelben.
Stephenſon's edlem Herzen, wie ſeinem denkenden Geiſte, konnte dieſe Sache nicht fremd bleiben.
Auch er grübelte und ſann nach, wie eine Sicherheitslampe könnte und müßte eingerichtet werden, welche leuchtete, ohne durch ihre Flamme die Gaſe zu entzünden. Und er fand mit Gottes Hülfe die Löſung ſeiner Aufgabe.
In demſelben Jahre, da er ſeinen erſten, verbeſſerten Dampfwagen auf die Eiſenſchienen zu Killingsworth ſtellte, erfand er eine Sicherheitslampe für die Grubenarbeiter, die mit allgemeinem Danke und Jubel begrüßt wurde.
Zwar erfand kurz nachher auch der gelehrte Engländer Sir Humphry Davy eine ähnliche.
Stephenſons Lampe nannten die Arbeiter, weil er Georg hieß:„Geordy“ und die Andre:„Davy.“
Natürlich— weil es ſo im Gange der Welt liegt, wurde die Davy'ſche Sicherheitslampe hoch gegen die des armen, beſcheidenen Stephenſon erhoben; allein es zeigte ſich bald, daß die„Geordylampe,“ wie ſie die Arbeiter nannten,
die eine große Liebe für den ihnen naheſtehenden Stephenſon hegten, große
Vorzüge vor der„Davylampe“ hatte; denn dieſe ſchützte ein Geflechte von Me⸗ talldraht, das glühend wurde und dadurch die Gaſe leicht entzündete, wenn ſie kamen; die Andre, die Stephenſon's nämlich, in dem Augenblicke der Gefahr erloſch, die Arbeiter zwar in Dunkelheit hüllte, aber die Entzündung der Gaſe unmöglich und dagegen ihre Lebensrettung möglich machte, indem das Erlöſchen ihrer Geordylampen die Nähe der Gefahr anzeigte und zur Rettung mahnte und trieb.
So iſt es denn gekommen, daß heute noch die Grubenarbeiter in jenen Kohlengebieten ihren„Geordy“ dem Davy vorziehen, obgleich dieſe weltberühmt geworden iſt, was jener nie in dem Maße gelingen wollte.—


