Jahrgang 
1 (1858)
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Und dennoch gab es unter den Vielen, die ſpottend oder mitleidsvoll StephenſonsNarcheit⸗ erkannt zu haben meinten, Einen, dem Stephenſons Gedanke wie ein zündender Blitz in die Seele fuhr.

Es war Lord Ravensworth, ein angeſehener, einflußreicher, reicher Mann.

Der iſt auch ein Narr, riefen die Hochweiſen. Aber laßt ihn! Ob er ſein Geld ſo oder ſo zum Fenſter hinaus wirft, was kümmert's uns? Wir wollen aber ir and auf unſere Taſchen halten! Dieſe Narren werden auch klug werden! ochten ſie das thun! Stephenſon hatte einen Gönner und zu ſeinen redlichen, klar gedachten Verſuchen die redlichen Mittel. Das war für's Erſte genug.

Er und ſeinedler Lord ſaßen manche Stunde zuſammen und ein erleuch⸗ teter Geiſt ſonnte ſich in den Strahlen eines anderen, in dem der Herr zum Beßten der Menſchenwelt eine Sonne aufgehen ließ, die, jetzt noch durch Nebel, bald aber im vollen Lichte zu ſtraͤhlen den inneren Beruf hatte.

Wie hatte der Mann gerungen, bis er ſo weit war, daß er ſein Ziel er ſtreben konnte in erreichbarer Nähe? Iſt es denn nicht aber allen großen Mäͤnnern auf dem Wege des Erfindens und Findens ähnlicher Weiſe er⸗ angen?

4 33ch erinnere meine lieben Leſer an unſeren trefflichen Landsmann, den edlen Mainzer Guttenberg, den Erfinder des Buchdruckes; ich erinnere an Columbus, den Finder der neuen Welt, Amerika's, ja ich könnte die Reihe fortführen durch aller Zeiten gewundene Läufe und überall würden uns ſolche Kämpfe entgegen⸗ treten, aber auch der endliche Sieg des Gedankens über die Macht der Umſtände, über Beſchränktheit und ſtämmige Dummheit der Menſchen, die das Große ver⸗ warfen, weil es neu war.

Jetzt, wo Stephenſon durch Lord Ravensworth's Mittel im Stande war ſeinen Gedanken auszuführen und eine Maſchine zu bauen, ſäumte er nicht. Er nahm einige geſchickte Arbeiter in ſeinen Dienſt und ging mit aller Sorgfalt an's Werk.

Der erſte Dampfwagen wurde fertig und empſing von Stephenſon zu Ehren Lord Ravensworth's den NamenMylord.

Er koſtete verhältnißmäßig wenig, nur etwa ſo viel, als, mit andern Mitteln, Eine Pferdekraft würde gekoſtet haben; begreiflich war es, daß ſie auf dieſer erſten Stufe nur noch unvollkommen ſein konnte; aber ſie war da, ſie war er⸗ funden, das konnte Niemand in Abrede ſtellen.

Dennoch begannen die Hochweiſen, die Alles beſſer wiſſen, ohne damit einen Hund hinter dem Ofen heraus zu jagen, die Köpfe zu ſchütteln, die Naſen zu rümpfen und neidiſch zu ſagen: Eine Forſbewogend Maſchine iſt es, aber was leiſtet ſie denn? Sie zieht mit einer Geſchwindigkeit von vier Meilen in einer Stunde etwa achtzig Tonnen Gewicht. Was iſt das gegen die Koſten? Berechnet Ihr den Kohlengebrauch oder vielmehr Verbrauch, das Abnutzen der Maſchine, die Koſten der Unterhaltung, der Heizer, Leiter, Aufſeher und die Gefahr, wenn ſie einmal aus den Schienen geräth, ſo ziehen wir den Hut vor den guten, derben Pferden, die wohlfeiler gleiche Ziele erreichen. Es iſt demnach eine Windbeutelei und eine von den Erfindungen, deren Werth, bausbackig aus⸗ poſaunt, in Nichts zurückſinkt und mit dem Grabtuche des Vergeſſens bedeckt, dem Gedächtniß der Mitwelt entſchwindet!

So redeten ſie ſich die Sache weg und ihr Urtheil über Stephenſon und ſeinen Lord blieb ſich gleich, ja es wurde härter, liebloſer, ätzender und ihr Haufe wuchs, wie eine Schneelawine, die den jähen Abhang herunter rollt.

Stephenſon betrachtete mit dem Auge der Liebe ſeine Maſchine und dankte Gott für das Gelingen. Er ſah, wo es fehlte; er erkannte es, wie eine leichte Nachhülfe die Kraft ſeiner Maſchine verdoppeln müſſe, ja, daß dann dem Stei⸗ gern der Kraft zu jeder beliebigen Höhe kaum ein Hinderniß im Wege ſtehe, und freudeleuchtenden Auges rief er aus: Ich hab' es gefunden!